Ernst Wanczura • Evstignej Fomin
Ensemble Altera Pars • Pavel Serbin
cpo 555 741-2
1 CD • 69min • 2025
23.07.2026
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Gesamteindruck:![]()
Klassik Heute
Empfehlung
Zar Peter der Große hatte für sein russisches Reich die Tür nach Westen weit und mit allerhand Gewalt aufgeschlagen und Russland in den Kreis der europäischen Großmächte geführt. Diese Verwestlichung blieb auch dynastisch nicht ohne Folgen: Peter Karl Ulrich, Sohn von Peters Tochter Anna Petrowna (die mit Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf verheiratet war), wurde 1739 mit 11 Jahren in der Nachfolge seines Vaters Herzog von Holstein-Gottorf; 1742 ernannte ihn seine Tante, Zarin Elisabeth (ebenfalls Tochter Peters des Großen und ohne eigene Nachkommen), zu ihrem Nachfolger. Nach dem Tod Elisabeths im Januar 1762 bestieg er folglich als Peter III. den Zarenthron – und fiel noch im selben Jahr einem Mordkomplott zum Opfer (an dem – Gerüchten zufolge – seine Frau Katharina nicht unbeteiligt gewesen sein soll). 1745 war Peter mit Sophie von Anhalt Zerbst verheiratet worden, die nach ihrer Konversion zur orthodoxen Religion den Namen Katharina annahm und als Katharina die Große von 1762 bis zu ihrem Tod 1796 als Alleinherrscherin das russische Reich regierte.
Kulturelle Verwestlichung
Auch das Kulturleben des russischen Kaiserhofs folgte nach den einschneidenden Reformen Peters des Großen westlichen Vorbildern und zog zahlreiche Musiker aus Mittel-, West- und Südeuropa an: Hier gilt das für Ernst Wanczura (ca. 1750-1802), einen geborenen Böhmen. Zunächst Soldat, wandte er sich bald der Musik zu und wurde schließlich in St. Petersburg von Katharina der Großen zum Intendanten der Hofmusik ernannt. Seine beiden hier eingespielten Sinfonien verbinden russische Melodik mit der abendländischen Entwicklung der Gattung und zeigen somit ein geglücktes Modell des Imports musikalischer Formen in ein bisher anders geprägtes musikalisches Milieu.
Unbekannter russischer Rokokomeister
Auch für den russischen Komponisten mit dem klangvollen Namen Jewstignjéi Ipátjewitsch Fomín (1761-1800) trifft die Prägung durch westeuropäische Vorbilder zu. Dank des vorzüglichen Abschlusses seiner musikalischen Ausbildung erhielt er ein Stipendium für ein Studium in Bologna bei Padre Giambattista Martini (1706-1784), dem berühmten Meister des Kontrapunkts. Martinis Ruf als Vermittler dieser alten Kunst ist aus den Biographien Johann Christian Bachs, Glucks, Jommellis, Mozarts u. v. a. überliefert; unzweifelhaft förderte er auch die kompositorische Fertigkeit Fomins, ohne dass dessen musikalischer Stil dadurch mit steifer Gelehrsamkeit belastet wurde.
Kaiserliches Libretto
Fomins auf dieser CD eingespielte Orchestermusik entstammt der Oper Novgorodskij bogatyr' Boeslavich, für die Zarin Katharina die Große selbst das Libretto verfasst hatte – eine prägnante Auszeichnung des Komponisten durch seinen Souverän. Und in der Tat: Diese Folge von Tänzen und Instrumentalsätzen aus dem Werk verfehlt auch heute nicht die Wirkung auf den Zuhörer als vorzügliche Musik.
Verve und Lieblichkeit
Das Ensemble Altera Pars, hier unter Leitung seines Cellisten Pavel Serbin stehend, widmet sich diesen charmanten Werken mit liebevoller Hingabe und einer Eindringlichkeit, die bei den Zuhörern keinen Moment der Langeweile aufkommen und ihre Qualität somit voll und ganz zur Geltung kommen lässt: erstklassige Unterhaltung im besten Sinn des Wortes.
Detmar Huchting [23.07.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Jewstignei Ipatowitsh Fomin | ||
| 1 | Novgorodskij bogatyr' Boeslavich (Instrumental and Dance Music aus the Opera) | 00:14:13 |
| Ernst von Wanczura | ||
| 6 | Symphonie Russe C-Dur Wz. III/9.2 (sur l'Airs Ukrainiennes) | 00:17:26 |
| Jewstignei Ipatowitsh Fomin | ||
| 9 | Novgorodskij bogatyr' Boeslavich (Instrumental and Dance Music aus the Opera) | 00:11:16 |
| Ernst von Wanczura | ||
| 15 | Symphonie Russe D-Dur Wz. III/10.2 | 00:15:14 |
| Jewstignei Ipatowitsh Fomin | ||
| 18 | Novgorodskij bogatyr' Boeslavich (Instrumental and Dance Music aus the Opera) | 00:10:51 |
Interpreten der Einspielung
- Ensemble Altera Pars (Ensemble)
- Pavel Serbin (Dirigent)
- Polina Gorshkova (Dirigentin)


