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Besprechung CDWolfgang Amadeus Mozart

Wolfgang Amadeus Mozart

Complete Piano Trios

MDG 102 2309-2

2 CD • 2h 19min • 1990

11.06.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Das Klaviertrio mit seinen vielen (Gattungs-)Vätern, konstatiert Nicole Schwindt im „Mozart-Handbuch“, sei für Mozart „ein ideales Medium für die unangestrengte Mischung der Gattungs- und Stilelemente, in dem er die vielfältigen Möglichkeiten der Spielweisen, der Timbres, der stilistischen Erwartungen, der formalen Mittel als Ressourcen nutzt und gegeneinander ausbalanciert“. Die Möglichkeiten der Spielweisen, der Timbres, der stilistischen Erwartungen und der formalen Mittel: All dies kann man hörend nachverfolgen in der Gesamtaufnahme aller Mozart’schen Klaviertrios durch das Trio Parnassus aus dem Jahre 1990, die das Label MDG in ihrer verdienstvollen Reihe „Preziosa“ wieder aufgelegt hat. Die damalige Besetzung mit Wolf-Dieter Streicher (Violine), Michael Groß (Cello) und Chia Chou (Klavier) ist natürlich nicht mehr die heutige. Von den Gründungsmitgliedern und den Mitgliedern dieser Aufnahme ist nur noch der Cellist mit dabei.

Jedes Trio ein dreiaktiges Drama

Für das Genre Klaviertrio braucht es Feinabstimmung in der Intonation, der Vibrato-Kultur und der klanglichen Balance untereinander. All dies zeigt das Trio Parnassus in hohem Maße. Für dieses Trio ist jedes Mozart-Trio ein hochspannendes Drama in drei Akten. Jedes der drei Instrumente weiß genau, wann es sich solistisch in Szene setzen darf und wann es sich kammermusikalisch vergesellschaften muss. Alle drei Instrumentalisten legen eine Frische und Munterkeit, eine oft aufwallende Lebendigkeit und ein sprühendes Feuer an den Tag, so dass man sich schier nicht satthören kann.

Leuchtende Klavierklangfarben

An guten Pianisten rühmt man ja gerne deren „perlendes“ Spiel. Chous Spiel ist aber nicht nur perlend, sondern manchmal rollend und anfeuernd-aufschäumend und forsch dreinfahrend, manchmal glanzvoll aufblitzend, es wirkt leichtfingrig und ist doch immer hochbedeutsam. Vor allem bringt er die Klangfarben des Steinways aus dem Jahre 1901 zum – manchmal gleißenden – Leuchten. Dieser Flügel wurde von Manfred Bürki gepflegt und mechanisch leichtgängig gemacht, deswegen nannten ihn die Produzenten Werner Dabringhaus und Reimund Grimm auch den „Bürki-Flügel“. Man möchte ja die Debatte Steinway oder Bösendorfer nicht wieder aufwärmen – aber dieser „Bürki-Flügel“ klingt wie ein Bösendorfer. Freudig animiert und im besten Sinne „eifrig“, rhetorisch sprudelnd und das Vibrato sorgsam kontrollierend spielt Wolf-Dieter Streicher seine Geige. Immer ist der Ton klar definiert, durchaus kraftvoll, aber auch edel-kantabel. Michael Groß lässt sein Cello die meiste Zeit wie vom Komponisten verlangt grundierend tönen, wenn er aber thematisch mitmischen darf wie im Kopfsatz des B-Dur-Trios KV 502, oder im Andante cantabile des C-Dur-Trios KV 548, tut er das so souverän-unauffällig, wie nur möglich.

Ein schön gezeichnetes Chiaroscuro

Wenn Geige und Klavier – wie zum Beispiel im Kopfsatz des G-Dur-Trios KV 496 – ihre Motive gegenseitig wiederholen, ist dies kein bloßes „Nachsprechen“, sondern ein intensiviertes und neu gefärbtes Auch-Sprechen. Herausragend ist, wie alle Drei im lyrisch weitgespannten Larghetto des B-Dur-Trios nicht nur den großen Atem für diese himmlische Ruhe haben, sondern wie sie auch die volltönende Dichte aller drei Instrumente komplettieren – und dann doch wieder mit spritziger Eleganz überraschen. Und immer wieder schön zu hören ist, wie alle Drei das oftmals von Mozart verwendete Chiaroscuro, die plötzliche Mollverschattung, den Wechsel eben von Licht und Schatten, gestalten: hellsichtig, überraschungsvoll umschlagend und dann vertiefend. Und frappierend, wie sie die manchmalige Hinwendung vom Kammermusikalischen zum schon Konzertanten präsentieren wie im Es-Dur-Trio KV 452. All dies geschieht in elektrisierender Vitalität, feinmodellierender Plastizität und mit lebendig bewegter und befeuernder Rhythmik.

Dass man all dies auch genau hören kann, dafür sorgt die herausragende Tonregie: Alle drei Instrumente sind tontechnisch gleichwertig behandelt und deswegen gleich hochpräsent. Die Farbigkeit des Flügels ist hell herausgestellt und gleichzeitig eingebunden. Als Hörer wähnt man sich inmitten des Trios und gleichzeitig davor zu sitzen: Präsenter geht’s nicht.

Rainer W. Janka [11.06.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Klaviertrio Nr. 4 B-Dur KV 502 00:22:34
4Klaviertrio Nr. 5 E-Dur KV 542 00:18:22
7Klaviertrio Nr. 3 G-Dur KV 496 00:23:55
CD/SACD 2
1Divertimento B-Dur KV 254 00:18:02
4Klaviertrio Nr. 6 C-Dur KV 548 00:19:53
7Klaviertrio Nr. 7 G-Dur KV 564 00:15:45
10Klaviertrio Nr. 2 d-Moll KV 442 00:19:56

Interpreten der Einspielung

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