Horn Legacy
Hervé Joulain • Sinfonietta Rīga • Kaspars Ādamsons
TYXart TXA25205
1 CD • 80min • 2025
19.06.2026
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Gesamteindruck:![]()
Hervé Joulain war jahrzehntelang als Solo-Hornist bei bedeutenden französischen Orchestern engagiert. Etliche Komponisten haben ihm Werke gewidmet. Anlässlich seines 60. Geburtstags präsentiert der Hornist nun einige dieser Stücke, größtenteils in Ersteinspielungen. Seine Partner auf dem Album „Horn Legacy“ sind die Sinfonietta Riga und der Dirigent Kaspars Ādamsons, mit denen Hervé Joulain 2024 bereits das Album „Horn Universe“ vorgelegt hat. Darauf gab es viel Klassisches und Romantisches zu hören. Auf dem neuen Album gibt der Musiker nun seiner Liebe zur Musik des 20. und 21. Jahrhunderts Raum.
Geburtstagsständchen zum Sechzigsten
Der Reigen von 15 Stücken umfasst allerlei Stile und Charaktere; vereint dabei Soli, Kammermusik, Sinfonisches. Den Auftakt macht ein Andante von Jean-Michel Damase, dessen feine, elegante Brillanz den französischen Impressionismus heraufbeschwört. Laurent Couson steuert sehnsüchtige Elegien bei; Hervé Joulain präsentiert hier ein perfekt kontrolliertes piano und schwebende Bögen, die mit den zarten Streicher-Linien der Sinfonietta Riga verschmelzen.
Wolf Kerscheks It’s Still Our Dream verbreitet filmmusikalischen Klangrausch. Die Percussion treibt das Stück voran, während sich die Harmonien zu einem überwältigenden Crescendo aufbauen. In Charles Van Hemelrycks Vers le Soleil überzeugt Joulain als strahlender, optimistischer Held, der das Orchester anführt.
Mit 97 Jahren komponierte der inzwischen verstorbene Jazzpianist Martial Solal sein Horn-Solo Avlocardie als persönliche Widmung und exklusiven Beitrag für dieses Album. Hervé Joulain brilliert bei diesem virtuosen, fast improvisiert anmutender Monolog, der voller rhythmischer und harmonischer Überraschungen steckt.
Ein echtes Geburtstagsständchen steuert Pascal Proust mit seinem Capriccio bei. Mit zwei Hornisten-Kollegen und einer Pianistin entfaltet Hervé Joulain ein augenzwinkerndes und rhythmisch vertracktes Zusammenspiel. Das Ensemble greift traditionelle Posthorn-Klänge auf, die hier elegant verjazzt werden.
Impressionismus, Jazz und Hip-Hop
Jean-François Zygel, mit dem Joulain während seiner Zeit bei Orchestre Philharmonique de Radio France kooperierte, schrieb Joulain seine Hommage à Britten auf den Leib, eine neoklassische Suite für Horn und Streicher. Bezugspunkt ist Benjamin Brittens Serenade für Tenor, Horn und Streicher. Hervé Joulains Hornspiel wechselt zwischen pastoraler Ruhe und skurrilem Humor. Die Sinfonietta Riga ist ein souveräner und absolut gleichberechtigter Partner. Sie imitiert, kontrastiert und untermalt die wechselnden Stimmungen.
Die experimentelle, avantgardistische Seite der zeitgenössischen Musik spielt auf diesem Album eher eine Nebenrolle. Ionel Petroï fordert Hervé Joulain mit seinem Solo for H. zu extremen Sprüngen und rhythmischer Dichte heraus. Das Finale stammt von Pierre Badol, der in seiner Odyssey das klassische Horn auf Hip-Hop und Elektro-Beats prallen lässt. Hervé Joulain wandelt hier durch eine psychedelische Klanglandschaft.
„Horn Legacy“ ist ein faszinierendes Porträt eines großen Musikers. Obwohl hier eigentlich ein roter Faden fehlt, überzeugt das Album als klingende Autobiographie und beweist Joulains anhaltende Inspirationskraft für heutige Komponisten. Hervé Joulain meistert die technischen Herausforderungen spielend. Insgesamt hält sein wunderschöner, kantabler Ton das höchst abwechslungsreiche Album zusammen.
Antje Rößler [19.06.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Jean-Michel Damase | ||
| 1 | Andante | 00:03:32 |
| Richard Dünser | ||
| 2 | Mirrors of a still Sky | 00:02:19 |
| Wolf Kerschek | ||
| 3 | It's Still Our Dream | 00:03:53 |
| Gilles Herbillon | ||
| 4 | Horn de Brune... | 00:01:46 |
| Laurent Couson | ||
| 5 | Elegy | 00:07:14 |
| Ionel Petroï | ||
| 6 | Solo for H. | 00:02:51 |
| Pascal Proust | ||
| 7 | Capriccio | 00:06:27 |
| Didier Benetti | ||
| 8 | Sur un thème de George Enesco | 00:01:25 |
| Laurent Couson | ||
| 9 | The Rest is Silence | 00:03:21 |
| Elise Bertrand | ||
| 10 | Couleurs-Nacre op. 28 | 00:06:29 |
| Jean-François Zygel | ||
| 11 | Hommage à Britten | 00:12:21 |
| Laurent Zeller | ||
| 15 | Sumerki | 00:03:31 |
| Martial Solal | ||
| 16 | Avlocardie | 00:05:37 |
| Charles van Hemelryck | ||
| 17 | Vers le soleil | 00:12:58 |
| Pierre Badol | ||
| 18 | Odyssey | 00:05:15 |
Interpreten der Einspielung
- Hervé Joulain (Horn)
- Sinfonietta Rīga (Orchester)
- Kaspars Ādamsons (Dirigent)
