Giacomo Carissimi
Jephte • Judicium Salomonis • Motets
Boston Early Music Festival Vocal & Chamber Ensembles
cpo 555 730-2
1 CD • 74min • 2024, 2025
02.07.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Innerhalb des Gruppenbilds bedeutender römischer Meister des 17. Jahrhunderts gebührt Giacomo Carissimi (1605–1674) ein Sonderplatz: Er war derjenige, der die „historia sacra“ und damit das Oratorium als Leitgenre des Hoch- und Spät-Barocks etablierte. Diese neue Produktion des bereits bewährten Leitungsduos für Alte Musik, Paul O´Dette und Stephen Stubbs, stellt neben einer Handvoll kürzerer Motetten zwei der berühmtesten lateinischen Oratorien Carissimis vor, Jephte und Judicium Salomoni, die gleich nach ihrer Entstehung in den Jahren kurz vor 1650 auf ganz Europa ausstrahlten, von Marc-Antoine Charpentier bis hin zu Georg Friedrich Händel, der sich bis in die Spätzeit offen und konkret auf den Vorgänger bezog.
Formale Einheit
Abgesehen von den üblichen Entscheidungen, die bei der Aufführung von Musik des 17. Jahrhunderts zu treffen sind, allen voran die Besetzung und Ausgestaltung des Basso Continuos, ist die interpretatorische Herausforderung für die Oratorien eine vornehmlich formale. Der rasche Wechsel von kurzen Einheiten, rezitativischen und ariosen Soli, Duetten, Trios und mit dramatischer Spontaneität einbrechenden Chören – hier solistisch besetzt –, sorgt für Abwechslung, könnte aber auch in Kleinteiligkeit zersplittern. Mit O´Dette und Stubbs als zupfender Doppelspitze der Continuo-Gruppe entwickeln die sehr guten Sänger und Instrumentalisten aber durchweg einen packenden Durchzug, sodass die kurzen formalen Abschnitte sich unter einem übergeordneten Bogen zu einer formalen Einheit fügen – insbesondere in der Historia di Jephte mit einer klaren Kulmination am Schluss.
Klanglicher Reiz und Physis
Gerade dieser eindrucksvolle Höhepunkt bleibt jedoch im gesamten Verlauf des ganzen Programms eher eine Episode. Wie immer musizieren die Vocal & Chamber Ensembles des Boston Early Music Festivals in puncto Intonationsreinheit, Phrasierungsflexibilität und Koordination auf höchstem Niveau. Dazu kommt noch die technische Virtuosität – man höre nur die höchst beweglichen und weiträumigen Koloraturketten der beiden Sopranistinnen Amanda Forsythe, Danielle Reutter-Harrah sowie der Mezzosopranistin Cecilia Duarte in den beiden Motetten Audivi vocem de caelo und Apritevi inferni. Gerade beim Hören des gesamten Carissimi-Albums und im Vergleich zu vorhergehenden Produktionen der Bostoner drängt sich jedoch auch die Frage auf, ob die unbestreitbare Geläufigkeit des Musizierens nicht durch eine weitere, noch bewusster an Extreme rührende dynamische Bandbreite, bisweilen auch etwas mehr Mut zu verschwenderischem Volumen und geräuschhafter Physis des Klangs gewinnen würde.
Prof. Dr. Michael B. Weiß [02.07.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Giacomo Carissimi | ||
| 1 | Militia est vita hominis | 00:05:28 |
| 2 | Ecce nos reliquimus omnia | 00:07:00 |
| 3 | Audivi vocem de caelo | 00:08:13 |
| 4 | Apritevi inferni | 00:08:43 |
| 5 | Judicium Salominis | 00:12:13 |
| 7 | Confitebor tibi Domine | 00:11:33 |
| 8 | Historia di Jephte (Oratorium) | 00:20:30 |
Interpreten der Einspielung
- Boston Early Music Festival Chorus (Chor)
- Boston Early Music Festival Chamber Ensemble (Ensemble)
- Paul O'Dette (Dirigent)
- Stephen Stubbs (Dirigent)
