Karl Weigl
String Quartets Vol. 2
Thomas Christian Ensemble
cpo 555 530-2
1 CD • 72min • 2021
08.06.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Wie Franz Schmidt oder Joseph Marx, mit dem er gelegentlich verglichen worden ist, zählte Karl Weigl (1881–1949) zur Generation österreichischer Komponisten, die trotz recht enger persönlicher Kontakte zur Neuen Wiener Schule der Tonalität weiterhin treu blieb. Dr. Michael Haas, Produzent der berühmten Decca-Serie „Entartete Musik“ und profunder Kenner der Exil-Komponisten, hält den etwas paradoxen Begriff des „modernen Romantikers“ im Falle Weigls für durchaus treffend und verfasste auch den sehr sorgsamen Booklettext zur vorliegenden CD. Weigl hatte in seiner Geburtsstadt Wien bei Zemlinsky, später bei Robert Fuchs Komposition studiert und bei Guido Adler in Musikwissenschaft promoviert, wurde an der Hofoper Assistent Gustav Mahlers und war in den 1920er Jahren ein vielbeachteter Tonkünstler. Als Jude sah er sich 1938 zur Emigration in die USA gezwungen, wo er überhaupt nicht Fuß fassen und sich anfangs mit Unterrichten so gerade über Wasser halten konnte. Erst seit knapp 20 Jahren rücken seine Hauptwerke, vor allem sechs Symphonien und acht Streichquartette, wieder in den Fokus.
Quartette mit Leidenschaft, Humor und Innerlichkeit
Der Kopfsatz von Weigls Streichquartett Nr. 4 (1924) beginnt in etwas enigmatischem d-Moll und ist mehr von leidenschaftlicher Rhythmik als einprägsamer Melodik geprägt. Emotional erinnert hier manches an Schönbergs Verklärte Nacht oder Zemlinskys 2. Streichquartett. Humorvoll bis grotesk erscheinen mit ihrer „mahlerischen“ Kunst der Karikatur dagegen die Scherzo-Sätze der beiden präsentierten Quartette. Nicht nur in den fugierten Abschnitten der Finalsätze spürt man, über welch absolut meisterhaftes Handwerk Weigl verfügte. Das bereits im Exil entstandene 6. Quartett (1939) wirkt in den Ecksätzen erhabener als das teils bizarre, teils kokette Werk von 1924. Zum Zentrum beider Stücke werden jedoch ganz klar deren dominante Adagios, schon von ihrer Länge her. Das Adagio des 4. Quartetts trägt den Titel Requiem für Eva, wobei deren Identität bis heute unaufgelöst bleibt. Im 6. Quartett bezieht sich die ebenfalls von tiefer Trauer erfüllte Musik, De Profundis, offenkundig auf Psalm 130 und zeigt elaborierte Tonartenverhältnisse.
Gelungene Fortführung des 2017 begonnenen Projekts
Neben den beiden Streichquartetten hören wir noch die knappen, dabei äußerst charaktervollen Drei Intermezzi von 1941. In der hier dargebotenen Fassung erweitert der Kontrabassist Christoph Wimmer-Schenkel das bewährte Quartett des Thomas Christian Ensembles, das mit dieser Einspielung das vor 9 Jahren begonnene Weigl-Projekt sehr überzeugend fortsetzt. Der Innerlichkeit der langsamen Sätze werden die präzise und empathisch agierenden Musiker ebenso gerecht wie dem bissig ironischem Wiener Schmäh, so dass diese auch aufnahmetechnisch vorzügliche CD eine willkommene Repertoire-Erweiterung der Kammermusik einer heterogenen, freilich hochinteressanten Epoche darstellt.
Martin Blaumeiser [08.06.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Karl Ignaz Weigl | ||
| 1 | Streichquartett Nr. 6 C-Dur | 00:28:27 |
| 5 | Revelation (aus: Three Intermezzi for Strings) | 00:03:45 |
| 6 | Capriccio (aus: Three Intermezzi for Strings) | 00:04:19 |
| 7 | Interrupted Serenade (aus: Three Intermezzi for Strings) | 00:03:16 |
| 8 | Streichquartett Nr. 4 d-Moll | 00:32:01 |
Interpreten der Einspielung
- Thomas Christian Ensemble (Ensemble)
