Elegie
Chausson • Babajanyan • Rachmaninoff
Schwarzenberg Trio
decurio DEC-014
1 CD • 71min • 2025
27.05.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
In seiner Urbesetzung bereits 2009 gegründet, hat sich das Schwarzenberg Trio (mit dem Wiener Café Schwarzenberg als Namenspatron) vor einigen Jahren um seinen Cellisten Roland Lindenthal neu formiert und ist in dieser Besetzung mittlerweile auch diskographisch aktiv. Bei der vorliegenden Neuerscheinung handelt es sich um das zweite Album des Ensembles, und wenn der Erstling mit Beethoven, Mendelssohn Bartholdy und Werner Pircher aufwartete, dann zeugt die Wahl von Chausson, Babadschanjan und Rachmaninow davon, dass sich das Trio in Sachen Repertoire relativ breit aufstellt.
Elegisch geprägte Trios der Spätromantik
Der Terminus „Elegie“, so der Titel des neuen Albums, nimmt nicht nur Bezug auf Sergej Rachmaninows Klaviertrio Nr. 1 g-moll (1892), einen erst posthum publizierten Einsätzer, der wie auch sein ungleich größer dimensioniertes Schwesterwerk als Trio élégiaque bezeichnet ist, hier vielleicht noch eher im Sinne des Heraufbeschwörens einer entsprechenden Grundstimmung zu verstehen denn als Gedenkwerk (trotz des Trauermarsches am Schluss). Auch die beiden anderen Werke sind von eher dunklen Farben dominiert. Elegisch ist im Klaviertrio g-moll op. 3 (1881) von Ernest Chausson, einem wiederum frühen Werk, bis zu einem gewissen Grade von César Francks kurz zuvor entstandenem Klavierquintett geprägt, vor allen Dingen der herrliche dritte Satz. Aber auch das eigentlich eher als luftiges Zwischenspiel fungierende Scherzo kommt nicht ohne eher gedämpfte, verhaltene Zwischentöne aus, und spätestens dann, wenn am Ende des Finales, ursprünglich von gelöstem G-Dur ausgehend, das Hauptthema des ersten Satzes wieder hereinbricht und die Musik zu einem düsteren Abschluss bringt, erhält das Werk eine durchaus fatalistische Note.
Expressiv geprägtes Verständnis armenischer Volksmusik
Die Begleittexte zu den drei Werken sind von den drei Mitgliedern des Trios verfasst, eher im Sinne persönlicher Eindrücke gehalten, und im Falle des dritten und chronologisch jüngsten Trios auf diesem Album ist es der Cellist Roland Lindenthal, der zunächst einmal zugibt, den Armenier Arno Babadschanjan (1921–1983) vorher nicht gekannt zu haben. So geht es vermutlich vielen Musikern, und doch ist Babadschanjan zum einen eine zentrale Figur in der armenischen Musik seiner Generation, und zum anderen bei näherem Hinsehen ein gar nicht einmal so unbeschriebenes Blatt. Gerade sein Klaviertrio fis-moll (1952) ist mehrfach eingespielt worden, bereits 1953 von Babadschanjan selbst zusammen mit den Widmungsträgern Oistrach und Knuschewizki, und unlängst erfreulicherweise auch von einigen Ensembles unserer Zeit. Dass Babadschanjan von der Trias armenischer Komponisten seines Alters (gemeinsam mit Alexander Arutjunjan und Eduard Mirsojan) derjenige war, der sich am intensivsten mit moderneren Tendenzen auseinandersetzte, ist dem Werk noch nicht unbedingt anzuhören, und doch ist seine leidenschaftliche Intensität, sein Zugang zu armenischer Folklore, der einen besonderen Schwerpunkt auf Expressivität legt, bereits typisch auch für spätere Werke Babadschanjans.
Kultivierte, elegante, hochklassige Lesarten
Das Schwarzenberg Trio erweist sich in diesen drei in ihrem Wesen also durchaus verwandten Werken als ausgesprochen kultiviertes Ensemble, fein aufeinander abgestimmt musizierend, den Schwerpunkt dabei weniger auf kompromisslose Ausdrucksschärfe legend denn auf eine gewisse grundsätzliche (hier melancholisch dominierte) Eleganz. Dies wird nicht zuletzt in Babadschanjans Trio deutlich, dessen Kopfsatz das Schwarzenberg Trio ein gutes Stück verhaltener, introspektiver begreift als der Komponist selbst am Klavier. Das Werk erlaubt beide Lesarten, wobei ich allerdings wenigstens solch rhythmisch pointierten Passagen wie dem Più mosso kurz vor Ziffer 10 bzw. 15 ein wenig mehr ungeschliffene Urwüchsigkeit zugestehen würde – der Weg von hier zu den aggressiv-dissonanten Schlusstakten von Babadschanjans Cellokonzert von 1962 ist so weit nicht. Vieles gelingt dem Ensemble dabei vorzüglich, man höre etwa den feinen, delikaten Klavierpart von Hanna Bachmann zu Beginn von Rachmaninows Trio oder das gesangliche Duettieren von Franz-Markus Siegert und Roland Lindenthal in den langsamen Sätzen der Trios von Chausson und Babadschanjan. Hier und da könnten die Übergänge vielleicht mit einem Hauch mehr Flexibilität, mit einem noch bewussteren Auskosten neuer harmonischer und atmosphärischer Zentren gestaltet werden, aber dabei geht es bereits eher um Feinheiten auf hohem Niveau. Insgesamt ist dies ein gelungenes, empfehlenswertes Album, das gespannt auf den weiteren Weg des Ensembles macht.
Holger Sambale [27.05.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Ernest Chausson | ||
| 1 | Klaviertrio g-Moll op. 3 | |
| Arno Babajanian | ||
| 5 | Klaviertrio fis-Moll | |
| Sergej Rachmaninow | ||
| 8 | Klaviertrio Nr. 1 g-Moll (Trio élégiaque) |
Interpreten der Einspielung
- Schwarzenberg Trio (Klaviertrio)
