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Besprechung CD

Chopin In Vienna

Natalia Rehling piano

azure sky AZ1009

1 CD • 57min • 2025

07.04.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Über sich selber verrät die Pianistin Natalia Rehling wenig, auch sonst lassen sich nur spärlich biografische Notizen finden: Sie ist eine polnisch-österreichische Pianistin (sie ist als Natalia Sawościanik geboren), hat in Polen und Österreich studiert, mehrfach Preise gewonnen und unterrichtet derzeit an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Und sie ist Vizepräsidentin der Internationalen Chopin-Gesellschaft in Wien. Folgerichtig wird sie in Kritiken gerühmt für ihr exzellentes Chopin-Spiel. Dies gilt es hier zu überprüfen. Natalia Rehling hat auf dieser CD Werke von Chopin versammelt, die er in Wien komponiert oder zu komponieren begonnen hat oder die er in Wien gespielt hat.

Glasklares Spiel

Festzuhalten ist einmal, dass technische Problem hier keine Rolle spielen, die Virtuosität der Pianistin ist blitzend, aber nicht blendend, weil sie immer in der Funktion des Gespielten steht. Vor allem hört man bei jedem Stück wirklich jeden einzelnen Ton, auch in den wildesten Passagen. Da opfert sie nichts dem Überschwang. Ihr Spiel ist glasklar, geradezu glänzend rein. Es wird unterstützt von dem Yamaha-Flügel, den sie verwendet (sie ist ausweislich ihrer Homepage „Yamaha-Artist“) sowie von der Aufnahmetechnik. Aufgenommen ist die CD in der Yamaha Concert Hall in Wien. Diese Glasklarheit kann manchmal zu einem etwas geheimnislosen Klang führen – ein Bösendorfer (mein Favorit) klingt da farbenreicher, geradezu – wenn diese Formulierung erlaubt sei – menschlicher. Aber ein mehrmaliges Hören führt zu differenzierten Urteilen.

So spielt Natalia Rehling das Nocturne op. 15/2 (Track 12) in ihrer Klarheit sehr bewusst und reflektiert, zu Beginn reizt sie die Tempovorschrift „Larghetto“ aus, anders als die meisten Kolleg(inn)en, aber es hat seine Logik: Der Mittelteil fordert „doppio movimento“ – und genau das spielt sie auch: Sie nimmt Chopin ganz ernst und wörtlich. Dafür ist sie meiner Meinung nach bei den Mazurkas op. 7 (Tracks 13-16) ein bisschen zu eilig: Sie sollte, um den typischen Mazurka-Rhythmus herzustellen, ein klein bisschen länger auf der Eins verweilen und die dortigen Mazurka-typischen Punktierungen damit chevaleresker, charmant-werbender gestalten. Am besten demonstriert das immer noch Arthur Rubinstein. Dafür aber überzeugt Natalia Rehling mit einem intensiv durchgehaltenen Legato, das immer etwas drängend, immer bezwingend, etwas zitternd erregt und damit immer spannend klingt. Alle Verzierungen und chromatischen Durchgänge und Fiorituren sind überaus fein ziseliert, wie spitzengeklöppelt. Und schließlich versinkt man in der Tiefe des tief empfundenen „smorzando“ in der As-Dur-Mazurka…

Packende Spannungsbögen und pathetische Wucht

Ein berückend duftiges Klangbild, „obwohl“ man jede einzelne Note hört, schafft sie in der Es-moll-Etude op. 10/6 (Track 11). Und hervorragend in ihrer Klarheit gelingt der Pianistin der Gegensatz von höllisch aufschießendem Pandämonium und polnischem Weihnachtslied im Scherzo No. 1 (Track 10). Mit ungenierter Freude am virtuosen Spiel, aber auch mit brillanter Grazie sowie „con bravura“ (so eine Vortragsbezeichnung von Chopin) präsentiert Natalia Rehling am Beginn der CD Chopins Variationen über Là ci darem la mano op. 2, die Schumann zu dem berühmten Ausruf „Hut ab…ein Genie!“ veranlasste. Rehling wählt die reine Klavierfassung, die Chopin selber öfter spielte. Dabei verwendet sie auch die – von Chopin selber durchgestrichene – Version der Variation IV mit den waghalsigen Staccati (so das ausführliche zweisprachige Booklet), wovon ein Manuskript in der österreichischen Nationalbibliothek liegt: Rehling kennt „ihren“ Chopin. Für mich das überwältigendste Stück ist die Ballade No 1 (Track17), es ist zu Recht das krönenden Ende dieser CD: Hervorragend genau trifft Natalia Rehling das Erzählerisch-Balladeske mit packenden Spannungsbögen und pathetischer Wucht. Beim Hören hat man schließlich das Gefühl: So und nicht anders muss diese Ballade gespielt werden!

Rainer W. Janka [07.04.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Frédéric Chopin
1Variationen über La ci darem la mano aus »Don Giovanni« von Mozart op. 2 00:19:15
10Scherzo Nr. 1 h-Moll op. 20 00:11:11
11Etüde es-Moll op. 10 Nr. 6 00:03:37
12Nocturne Nr. 5 Fis-Dur op. 15 Nr. 2 00:03:45
13Mazurka B-Dur op. 7 Nr. 1 00:02:17
14Mazurka a-Moll op. 7 Nr. 2 00:03:30
15Mazurka f-Moll op. 7 Nr. 3 00:02:28
16Mazurka As-Dur op. 7 Nr. 4 00:01:16
17Ballade Nr. 1 g-Moll op. 23 00:09:46

Interpreten der Einspielung

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