Wilfried Hiller
Works for Violin & Piano
Franziska Strohmeyr Violine • Laura Pitz Piano
TYXart TXA21155
1 CD • 69min • 2020
02.04.2026
Künstlerische Qualität:![]()
Klangqualität:![]()
Gesamteindruck:![]()
Angesichts dieser bei TYXart erschienenen Einspielung seiner sämtlichen Werke für Violine und Klavier – als Soloinstrumente und im Duo – muss man Wilfried Hiller gratulieren, dass er mit der Geigerin Franziska Strohmayr und der Pianistin Laura Pitz zwei Musikerinnen gefunden hat, denen der Dienst an seiner Musik offensichtlich ein Herzensanliegen ist. An der Hingabe, mit der Strohmayr und Pitz in Hillers Stücken aufgehen, und der Spontaneität ihrer Darbietungen hat man durchaus seine Freude.
Szenische Aspekte
In dem ausführlichen Interview, das als Einführungstext dient, bezeichnet sich Wilfried Hiller als „in erster Linie Theaterkomponist“ und hebt hervor, dass auch „seine Kammermusik nahezu immer szenische Aspekte aufweist“. Weiterhin erfährt man daraus von der großen Rolle der bildenden Kunst als Inspirationsquelle für sein Schaffen. Zu Wort kommt außerdem die Malerin und Bildhauerin Antje Tesche-Mentzen, auf deren Arbeiten nicht weniger als drei der auf der CD präsentierten Werke Hillers Bezug nehmen. Dass sich im Beiheft Abbildungen mehrerer Plastiken Tesche-Mentzens finden, ist somit nur folgerichtig. Das Album wird dadurch beinahe zu einem Gesamtkunstwerk. Und hätten die Grenzen des Mediums es gestattet, wären die Aufführungen möglicherweise auch szenisch festgehalten worden, da Hiller seine Stücke mitunter nicht nur gespielt, sondern auch getanzt wünscht bzw. eine Interaktion der Interpreten mit den vertonten Kunstwerken verlangt.
Interessante Ansätze
Auf der CD müssen wir mit dem rein musikalischen Eindruck vorlieb nehmen. Dass dabei auf die Dauer dennoch kein völlig zufriedenstellender Eindruck aufkommt, liegt nicht an den Interpretinnen, sondern an den Stücken selbst. Nicht dass die Musik keine Vorzüge hätte! Das Problem besteht viel mehr darin, dass sie oft genug hinter den Erwartungen, die sie weckt, zurückbleibt. Hiller hat sehr wohl gute Einfälle, was sich namentlich dann zeigt, wenn er einen elegischen Ton anschlägt. Tiefe Empfindung spricht aus Stücken wie der Klage aus dem Zyklus Vernissage oder dem Schlussabschnitt der Agnes-Umspielungen. Vor allem glänzt Hiller im Klanglichen. Diesbezüglich ist seine Musik stets abwechslungsreich, was nicht zuletzt daran liegt, dass er ungewöhnliche Instrumente heranzieht, die zusätzlich zu Violine und Klavier von den Ausführenden zu spielen sind. So wird das einleitende Violinsolo des Zyklus Finissage, Lilith in Venedig, von Steppschuhtritten, die letzte Nummer, „A-Dur ist blau“, von Weingläsern (mit Orgelpunkten in der Art einer Glasharmonika) grundiert. In anderen Stücken kommen nordindische Klangschalen zum Einsatz, um Atmosphäre zu schaffen.
Episodische Musik
Wer aber erwartet, dass sich aus diesen Ansätzen heraus fesselnde Entwicklungen entspinnen, wird enttäuscht. Die Musik verliert sich in der zwanglosen Reihung von Episoden ohne erkennbare Dramaturgie. Zwar herrscht Abwechslung, doch erscheint diese letztlich beliebig, da es kein Wechselspiel aus Spannung und Entspannung, keine Steigerungen und Höhepunkte gibt. Obwohl die Stücke sämtlich knapp gehalten sind, stellt sich wiederholt der Eindruck von Längen ein. Als Beispiel mögen die Körperlandschaften für Klavier dienen, in denen hohe und tiefe Register reizvoll gegenübergestellt werden, die Musik sich aber in diesen Wechseln erschöpft, ohne dass noch etwas Interessantes geschieht. Nach Wunderwerken musikalischer Gedankenführung, wie es etwa Bachs Präludien oder Chopins Etüden sind, wird man unter den Miniaturen Hillers leider vergeblich suchen.
Norbert Florian Schuck [02.04.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Wilfried Hiller | ||
| 1 | Vernissage für Violine solo (nach Skulpturen von Antje Tesche-Mentzen) | 00:16:34 |
| 10 | Schwankende Gondeln für Klavier | 00:02:00 |
| 11 | Agnes-Umspielungen für Violine solo (nach Motiven aus Die Bernauerin von Carl Orff und der Bronzestatue Vohburg, Stadttor von Antje Tesche-Mentzen) | 00:08:45 |
| 14 | Körperlandschaften für Klavier | 00:04:37 |
| 17 | Teresas Tanz auf dem Roten Planeten für Violine und Klavier | 00:06:22 |
| 18 | Erinnerung für Klavier | 00:00:57 |
| 19 | Ophelia für Violine solo (Erotische Visionen nach Motiven von H. Berlioz) | 00:08:09 |
| 22 | Sümpfe der Traurigkeit für Klavier (nach Michael Ende) | 00:04:30 |
| 23 | Der Tod ist eine schöne Frau für Violine und Klavier (nach der Trilogie der Sagen) | 00:07:40 |
| 24 | Finissage für Violine und Klavier (und Weingläser nach Antje Tesche-Mentzen) | 00:09:05 |
Interpreten der Einspielung
- Franziska Strohmayr (Violine)
- Laura Pitz (Klavier)
