Franz Danzi
Flute Trios op. 71
cpo 555 548-2
1 CD • 56min • 2020
06.04.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Zu den letzten veröffentlichten Werken des Komponisten Franz Danzi gehörten seine drei Flötentrios op. 71, die er 1824 an seinen Verleger Johann Anton André in Offenbach schickte. Geboren wurde Franz Danzi 1763 in eine Musikerfamilie am Mannheimer Hof, wo sein Vater als Cellist tätig war. Zu dieser Zeit galt der Mannheimer Hof europaweit als Paradies für Musiker – nicht grundlos hatte auch Wolfgang Amadeus Mozart den Versuch unternommen, dort eine Anstellung zu erhalten. Auch der berühmte Musikreisende Charles Burney äußerte sich sehr positiv über den Mannheimer Hof, vor allem die zahlreichen herausragenden Solisten in der Hofkapelle (zu denen übrigens auch Danzis Vater zählte).
Die Möglichkeit, den Mitgliedern der Hofkapelle auch Kompositionen mit kleineren Besetzungen auf den Leib zu schreiben, förderte die Entstehung von Kammermusik. Danzi tat sich besonders in der Kammermusik für Bläser hervor, u.a. mit seinen Bläserquintetten, in denen er seinem Vorbild Anton Reicha nacheiferte. Eine enge Beziehung in seinem Schaffen hatte er auch zu Wolfgang Amadeus Mozart, nicht zuletzt auch über seine Frau, die als junges Mädchen von Leopold Mozart Unterricht erhielt und im Hause der Mozarts gelebt hatte. In seiner Zeit an der Badischen Hofkapelle in Karlsruhe, wo er nach München und Stuttgart eine Anstellung innehatte, entstanden weitere Kammermusik-Kompositionen. Dies wurde noch mal zusätzlich durch die „Museums- und Liebhaberkonzerte“ gefördert, die Danzi aktiv mitgestaltete. Er genoss die lebendige Liebhaberszene in Karlsruhe, die Musik über das höfische Umfeld hinaus ermöglichte.
Kammermusik im Originalklang aus Mannheim
Die drei Flötentrios, die Danzi an seinen Verleger sandte und für die er nicht einmal ein Honorar erwartete, scheinen ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein: Die Besetzung mit Flöte, Violine und Violoncello war zu der damaligen Zeit kaum noch verbreitet und war eher bei Anton Reicha zu finden. Zugleich ist die Zusammenfassung von drei Werken unter einem Opus eine Erscheinung der Romantik. In den drei jeweils viersätzigen Trios vereint Danzi Virtuosität, symphonische Elemente, klassische Formstrenge, dichte Harmonien und eine Hinwendung zum Pastoralen, was typisch für die Romantik ist. Besonders auffällig ist auch immer wieder die Gleichberechtigung der Instrumente, wobei Flöte und Violine häufig in ein Zwiegespräch gehen, aber auch das Violoncello viel mehr als nur die Basis ist und mit virtuosen Passagen überzeugt.
In der Konstellation mit Lorenzo Gabriele, Anna Kaiser und Johannes Berger fällt klanglich besonders die Verwendung der passenden historischen Instrumente auf. Während die historisch informierte Aufführungspraxis in der Musik des Barock schon seit Jahrzehnten verbreitet ist, ist dies bei der Musik der späten Klassik und frühen Romantik eher eine Erscheinung der letzten Jahre. Umso erfreulicher ist hier also Lorenzo Gabrieles deutlich anderer Klang der Traversflöte, auf die er sich spezialisiert hat. Auch Anna Kaiser und Johannes Berger haben sich schon früh in ihren Studien und ihrem Betätigungsfeld auf die historische Aufführungspraxis fokusiert. Damit ist hier eine Aufnahme von Franz Danzis op. 71 entstanden, die nicht nur technisch und musikalisch ausgezeichnet umgesetzt ist, sondern zugleich auch eine neue – originalgetreue – Klangfarbe bringt.
Verena Düren [06.04.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Franz Danzi | ||
| 1 | Trio G-Dur op. 71 Nr. 1 für Flöte, Violine und Violoncello | 00:23:01 |
| 5 | Trio e-Moll op. 71 Nr. 2 für Flöte, Violine und Violoncello | 00:19:12 |
| 9 | Trio D-Dur op. 71 Nr. 3 für Flöte, Violine und Violoncello | 00:13:39 |
Interpreten der Einspielung
- Lorenzo Gabriele (Flöte)
- Anna Kaiser (Violine)
- Johannes Berger (Violoncello)
