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DG 477 8101

Measha Brueggergosman
Night and Dreams

Measha Brueggergosman • Justus Zeyen

1 CD • 66 Min. • 2009

Details (08.02.2010)

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477 8101

Zunächst hielt sie es mit Überraschungen, jetzt ist sie ins Traumland aufgebrochen. Measha Brueggergosman, die inzwischen 33jährige kanadische Sopranistin, liebt neckische Titel für ihre CD-Rezitals. Ging es bei Surprise um pointiert Kabarettistisches (mit dem Schwergewicht auf Schönbergs Brettl-Liedern), so ist jetzt in Night and Dreams die Zeit der sinnlichen Melodien angesagt. Kurzum, eine ziemlich kunterbunte und zugegeben abwechslungsreiche Folge von Liedern in deutscher, französischer, englischer und spanischer Sprache. Offenbar sind es die (momentanen) Lieblingsstücke der Sängerin, die nach ihrer Ausbildung bei Edith Wiens einst beschlossen hatte, „den Rest meiner Karriere mit Liedgesang zu verbringen“ (eine hehre Absicht, die sie freilich vor Auftritten auf der Bühne keineswegs abhalten kann).

Zu Measha Brueggergosman gehört überhaupt die Exzentrizität als Markenzeichen. Daher darf im CD-Heft die Beschreibung, wie sie im Aufnahmestudio erschienen ist, natürlich nicht fehlen: „…in einem königlichen Outfit aus Spitze, Satin, Netzstrümpfen und ohne Schuhe – egal, wo sie ist, Measha bevorzugt, barfuss zu singen“. Dort in Berlin absolvierte sie ein Programm aus lauter „schöner Musik“, das sie selber als „verträumt, sexy und romantisch“ definiert. Und noch ein unverblümtes Bekenntnis aus ihrem Mund: „Eine rein intellektuelle Annäherung an den Liedgesang interessiert mich nicht.“

Aber singen, und zwar hinreissend singen, kann die kesse Dame zweifellos. Das demonstriert sie auf Night and Dreams mit nicht weniger als 21 Kostproben. Sie verfügt über eine fast überreiche lyrische Stimme, die sie scheinbar mühelos in vielfältigste vokale Masken schlüpfen lässt. Sie kann ihren üppigen Sopran durchaus in tragende pianissimo-Regionen zurückfahren, am deutlichsten spürbar in den französischen Mélodies von Fauré, Chausson, Debussy, Duparc, Hahn. In den deutschen Beiträgen dagegen, am frappantesten natürlich bei Richard Strauss, erweitert sie die Gefühlsskala. Und ein Bijou wie Liszts Oh! Quand je dors steigert sie zur emphatischen Opernszene. Dieser Findling gehört zu den Raritäten, an denen es auch sonst nicht fehlt: Werke von Montsalvatge, Warloch und ganz besonders Anoiteceu des Brasilianers Francis Hime. Measha Brueggergosman schafft in der Tat die heikle Balance zwischen den erkorenen Singstücken und dem eigenen Ton. Ein Akt von Anverwandlung: eigensinnig und doch überzeugend. – Klar, dass bei einem solchen Temperament der begleitende Pianist unweigerlich in den Hintergrund gerät. Immerhin, Justus Zeyen bemüht sich am Klavier stilvoll um Unterwerfung.

Mario Gerteis (08.02.2010)

Künstlerische Qualität:

9

Bewertungsskala: 1-10

Klangqualität:

9

Gesamteindruck:

9


Komponisten/Werke Interpreten

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