Geballte Trauerarbeit beziehungsreicher Kompositionen aus vier Jahrhundert wartet hier auf den Hörer. Nicht alles würde zum Kauf der CD animieren – die Purcell-Chaconne gerät den Musikern dafür doch etwas schwammig. Doch bei Brittens Lachrymae sieht das schon ganz anders aus. Das erst spät orchestrierte Kammermusik-Opus, für das Britten die Komposition von Billy Budd unterbrach, erklingt hier als zugespitztes Sensorium, das die Dowlandsche Vorlage mit großer suggestiver Kraft gewissermaßen von hinten aufzäumt und von Bone und dem Chamber Orchestra of Europe wie in Glas geritzt erklingt: Klar, schmerzvoll und von eisiger Einsamkeit umgeben. Auch Vaughan-Williams Tallis-Adaption oder Tippetts Corelli-Fantasie gehören zu den Pluspunkten dieser CD: Kein Potpourri saftiger Barockschinken, sondern eigenständige Anverwandlungen sind hier zu hören, bei denen das Chamber Orchestra of Europe auch schon mal gehörig aus sich heraus geht.
Norbert Rüdell (11.05.2004)