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CD-Besprechung

Erato 8573-80233-2

3 CD • 3h 10min • 1999

01.08.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 4
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Händel komponierte Alcina 1735 als zweite Oper für das Theater von Covent Garden. Hier hatte er Zuflucht gefunden, nachdem ihn der Prince of Wales – dem modernen galanten Stil zugeneigt – gemeinsam mit dem Komponisten Porpora aus dem King's Theater vertrieben und ihm gleich auch noch die Mehrheit seiner Musiker und Sänger abspenstig gemacht hatte. Alcina knüpfte indes an alte Publikumserfolge Händels an – mit achtzehn Aufführungen in der Premierenspielzeit und weiteren fünf in der folgenden Saison erreichte die Oper eine für damalige Zeiten bemerkenswerte Popularität. Danach fiel das Werk allerdings in einen 250 Jahre währenden Schlaf, aus dem erst das 20. Jahrhundert es wieder erweckte.

William Christie wird gemeinhin den Interpreten der historisch informierten Aufführungspraxis zugerechnet, doch kommen die Gesangssolisten dieser Aufnahme nicht aus dieser Sphäre: als absoluter Weltstar sticht Renée Fleming hervor, Susan Graham und Nathalie Dessay haben sich ihre internationalen Meriten nicht eben auf dem Feld des Barockgesangs verdient. Bindeglied zwischen dieser Aufnahme und der 1986 entstandenen Einspielung unter Richard Hickox ist Kathleen Kuhlmann, die in beiden Fällen die Bradamante singt: Sie bleibt ihrer Gestaltung im wesentlichen treu, wenn sich auch ein kehliges Timbre in tiefer Lage in den vergangenen dreizehn Jahren deutlich verstärkt hat. Nathalie Dessay zeigt sich in der Rolle der Morgana ihrer Konkurrentin Eiddwen Harrhy deutlich überlegen, sie vereint Agilität und Einfühlungsvermögen zu einer makellosen Leistung. Susan Graham besticht als Ruggiero mit denselben Tugenden.

Zwischen Renée Fleming und Arleen Augér als Alcina tut sich die wahre Kluft zwischen den beiden Einspielungen auf: Renée Fleming geht mit großer Stimme, stupender Verzierungskunst und romantischem Pathos an die Rolle heran, Arleen Augér entspricht sicher mehr den Anforderungen stilsicheren Barockgesangs. Doch beide erreichen auf grundverschiedenen Wegen eine außerordentlich dichte Gestaltung der Alcina, der Händel weit über die Stereotypen der opera seria hinaus persönliches Profil verlieh.

Das Beiheft weist diese Aufnahme als Live-Einspielung in der Pariser Oper (Palais Garnier) aus und gibt fünf Entstehungstermine an. Das inkoherente Klangbild läßt allerdings an eine Mischung von Live-Aufnahme und Nachproduktion denken: Ensemble-Szenen klingen deutlich nach zweigeteilter Akustik von Bühne und Orchestergraben, während sich bei den Arien Orchester und Vokalsolist in so perfekter Balance befinden, als handele es sich um einen Oratoriumsmitschnitt.

Detmar Huchting [01.08.2000]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Friedrich Händel
1Alcina HWV 34

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