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CD-Besprechung

G.I.B. Classics GIB079192

2 CD • 2h 12min • 1997

01.06.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Auch die neue Folge aus dem Berlioz-Zyklus von Fabio Luisi macht einen überdurchschnittlich guten Eindruck. Er nimmt sich für das Stück insgesamt zehn Minuten mehr Zeit als Myung Whun Chung (DG 453 500 2), was deutlich zugunsten der Durchhörbarkeit ausfällt.

Vinson Cole mit schöner, schlanker Stimme und etwas französisch näselnd, verleiht dem Faust mehr die Züge eines jugendlichen Draufgängers als Keith Lewis mit seinem gesetzten, baritonal-goldwarmen Timbre; allerdings ist er fast nie mit Luisi zusammen, was auf Dauer doch ziemlich stört. Der Bariton Philippe Rouillon gibt einen bissig-agressiven Mephisto mit gelegentlichen kleinen Schwächen im pianissimo-Bereich, erfreut aber durch ein warmes Timbre; der Bassist Paata Burchuladze ist als Brandner eine echte Entdeckung – er hat ein herrlich rabenschwarzes Timbre! Julia Varady ist immer noch eine großartige Sängerin; ihre reife, warme Stimme paßt nur charakterlich hier nicht recht zu dem jugendlichen Faust, wenn sie auch allen Aspekten ihrer Rolle gerecht wird: Ihre Marguerite ist eine vielschichtige Frau, die sich ihrem Schicksal mit Würde stellt. Mit Anne-Sofie von Otter hat Chung in der Wahl seiner Marguerite vielleicht dennoch eine glücklichere Wahl getroffen.

Wenn auch der ungenannte Booklet-Autor vehement für Aufführungen im Konzertsaal plädiert, legt Fabio Luisi das Werk mit dem zielsicheren Instinkt des erfahrenen Operndirigenten an. Die dramatische Disposition zielt überlegen auf die eindrucksvolle Schlußszene mit der fulminanten schwarzen Messe ab, und das bestens aufgelegte Orchester folgt ihm buchstäblich durch Himmel und Hölle. Der Chor spricht und artikuliert vorbildlich und erfreut durch Intonationssicherheit und Klangfülle. Vor allem trifft er auch die charakterliche Vielfalt der Partie überzeugend, für die lyrischen Momente (erste Szene!) hat der Chor subtile Farben und eine große piano-Kultur. Jeder, der schon einmal im Chor gesungen hat, kann nachvollziehen, was für eine großartige Leistung hier in Sachen Einteilung der Kräfte insgesamt erbracht wurde, wenn auch in der Schluß-Verklärung wirklich das Ende der Fahnenstange erreicht ist (CD 2, Tr. 18).

Auch das heikle Balance-Problem zwischen Soli, Chor und Orchester ist in den Tutti überzeugend gelöst; nie steht das Orchester im Vordergrund wie in der DG-Produktion. Mitunter sind allerdings hörbar die Sänger nach vorn gezogen (etwa CD 2, Tr. 9). Der Klang ist direkter und präsenter, läuft dadurch allerdings Gefahr, aufzudicken, die ganz leisen Stellen etwas anzuheben und an Räumlichkeit zu verlieren. Mühsam ist es, die Tracks im Libretto zu verfolgen, da sie nur in der deutschen Übersetzung markiert sind, nicht jedoch im gesungenen französischen Originaltext. Trotz dieser Einschränkung ziehe ich insgesamt diese Neuproduktion der Einspielung mit Chung vor. Wirklich gespannt bin ich nun auf die lange überfällige Neueinspielung des ganzen Lélio – hoffentlich in dieser Besetzung!

Dr. Benjamin G. Cohrs [01.06.2000]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hector Berlioz
1Fausts Verdamnis op. 24

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