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CD-Besprechung

Hans Gál

Piano Quartet in A major

cpo 555 276-2

1 CD • 59min • 2019

19.09.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der aus Niederösterreich stammende Hans Gál (1890-1987) wurde in Wien bei Eusebius Mandyczewski – mit dem er später 10 Bände der Brahms-Gesamtausgabe von Breitkopf & Härtel herausgab – privat zum Komponisten ausgebildet, studierte zugleich bei Guido Adler Musikwissenschaft. Obwohl er sich gegenüber allen modernen Strömungen zeitlebens verschlossen hielt, war Gál bis zu seiner Flucht vor den Nazis 1938 nach Großbritannien mit seinem konservativen, sich auf Brahms berufenden Stil sehr erfolgreich, ebenso dann als Lehrer in Edinburgh, wo er auch Mitbegründer des dortigen Festivals war. Wie die meisten eher rückwärtsgewandten Zeitgenossen geriet Gál als Komponist jedoch nach 1960 in Vergessenheit, obwohl er noch mit 90 seine 24 Fugen verfasste. Erst seit Mitte der 1990er begann man, seine Musik wieder auszugraben, vorrangig für den Schallplattenmarkt.

Klavierquartett für Paul Wittgenstein

Neben den zahlreichen Klavierkonzerten, die etliche Komponisten in den 1920ern für den kriegsversehrten Paul Wittgenstein schrieben – die meisten davon ließ dieser freilich links liegen, haderte selbst mit dem Ravel-Konzert – gibt es auch ein paar Kammermusikwerke mit Klavier nur für die linke Hand. Obwohl Wittgenstein Gáls Klavierquartett von 1926 sogar dreimal spielte, wartete der Komponist anscheinend mit einer Revision bis zu dessen Tod (1961), hat es dennoch nie veröffentlicht. Und so liegt hier tatsächlich die Erstaufnahme des halbstündigen, gehaltvollen Werkes vor. Die drei Mitglieder des Aron Quartetts und der Wiener Pianist Gottlieb Wallisch, der zuletzt vier CDs der Vielfalt europäischer Foxtrotts widmete, fesseln hier mit stets kontrollierter Dramatik und einer gewissen Strahlkraft, die sich – Wien-typisch – ähnlich in einigen Werken Korngolds findet. Schön herausgearbeitete Kontraste bei immer vorhandener Durchsichtigkeit überzeugen gerade in den beiden etwas leichtfüßigeren Sätzen zwei und vier.

Concertino alten Stil

Zum kürzesten von Gáls Concertini für Soloinstrumente und Streicher – die drei Sätze dauern gerade mal 13 Minuten – hat sich Wallisch das ungarische Franz Liszt Kammerorchester hinzugeholt, geleitet vom als Bratschisten hochgefragten Kammermusiker Hartmut Rohde, mit dem er auch das schlichte Impromptu für Viola & Klavier am Ende der CD musiziert. Das zarte Concertino ist gefällig „im alten Stil“ geschrieben, wie man es von Griegs Holberg-Suite oder anderen spätromantischen Adaptionen „galanter“ Musik her kennt. Keine kompositorische Großtat – immerhin mit einer wirkungsvollen, klar nachvollziehbaren Doppelfuge endend, die einfühlsam dargeboten wird.

Suite mit französischem Einschlag

Sozusagen ein absoluter Gegenentwurf etwa zu den Suiten Hindemiths oder gar Schönbergs frönt Gáls Klaviersuite von 1922 einer merkwürdigen Nostalgie, allerdings mit erstaunlichem Tiefgang, besonders in der zentralen Sarabande funebre. Ist bereits das Präludium leicht impressionistisch angehaucht, begegnet uns im Menuett klar ein Pariser Walzer, im Capriccio eine hinreißende Burleske. Und in der finalen Gigue demonstriert Gál auf verspielte Art einmal mehr seine kontrapunktischen Fähigkeiten. Das klingt bei Wallisch alles deutlich charakteristischer und inspirierter als bei Martin Jones in dessen Gesamtaufnahme – großartig! Aufnahmetechnisch einwandfrei und mit einem fundierten Booklettext von Michael Haas ist das Album eine durchaus interessante Entdeckungsreise in freilich wenig überraschende Gefilde.

Vergleichsaufnahme (Suite): Martin Jones (Nimbus NI 5751/2, 2005).

Martin Blaumeiser [19.09.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hans Gál
1Quartett A-Dur für Klavier linke Hand, Violine, Viola und Violoncello (Paul Wittgenstein gewidmet) 00:27:21
5Suite op. 24 für Klavier 00:14:36
10Concertino op. 43 für Klavier und Streichorchester 00:12:45
13Impromptu für Viola und Klavier 00:03:45

Interpreten der Einspielung

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