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CD-Besprechung

Prémices

Songs by Debussy • Schönberg • Strauss • Rihm

CAvi-music 8553039

1 CD • 64min • 2020

28.12.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit „Anfänge” übersetzt das Wörterbuch von Pons den Begriff „Prémices“, der dem vorliegenden Album als Titel dient. Als „Prämissen“ für die Auswahl der Lieder sieht der Pianist Daniel Heide die Zweisprachigkeit der Sängerin Sheva Tehoval, die in Belgien geboren wurde und mit 18 Jahren nach Deutschland kam, wo sie u. a. bei Christoph Prégardien ihre Ausbildung erhielt. Eingebettet zwischen frühe Lieder von Claude Debussy präsentiert sie hier ebenfalls frühe Zyklen seiner deutschen Zeitgenossen Strauss und Schönberg sowie – als Reverenz vor der zeitgenössischen Musik – die Drei Hölderlin-Gedichte von Wolfgang Rihm. Eine Anfängerin ist sie jedoch nicht und bei diesem Recital handelt es sich auch nicht um eine Debüt-CD. Erst unlängst hat Kollege Rainer W. Janka hier sehr lobende Worte über ihre Aufnahme von Strauss-Liedern beim Label TYXart gefunden. Seine hohe Einschätzung ihrer Möglichkeiten rechtfertigt sie auch mit diesem Album.

Bestrickender Gesang

Ihre Stimme wie ihr Vortragsstil sind von unverwechselbarer Eigenart, was man heute nur von sehr wenigen Sängerinnen behaupten kann. Sie ist ein leichter lyrischer Koloratursopran mit einem bestrickenden Timbre und verfügt über einen echten Seelenton, der den Gesang einer Nachtigall, wie er in Andersens Märchen beschrieben wird, imaginieren lässt. Sie singt mit angenehmem, perfekt kontrollierten Vibrato und beherrscht auch die Kunst des messa di voce. Debussys Ariettes oubliées auf Texte von Paul Verlaine (1885/87) scheinen ihrer Stimme sehr zu liegen, auch in den bekannten Titeln Clair de lune und Apparition aus dem Zyklus Chansons de jeunesse hält sie dem Vergleich mit großen Vorgängerinnen stand. Die vier Strauss-Lieder op. 22 (Mädchenblumen, 1886-88) gestaltet sie mit Charme und vokalem Liebreiz, wobei die Klavierbegleitung von Daniel Heide eine jugendstilartige Klangkulisse bildet.

Noch ganz zwischen Spätromantik und Impressionismus bewegen sich Schönbergs Vier Lieder op. 2 (1899/1900) auf Texte von Richard Dehmel und Johannes Schlaf. Die Sängerin trifft hier genau die Balance zwischen emotionalem Überschwang und deklamatorischer Sachlichkeit. Wie sehr sie die deutsche Sprache schon zu ihrer eigenen gemacht hat und in den Geist komplizierter Lyrik einzudringen versteht, beweist sie in den Hölderlin-Gedichten von Wolfgang Rihm (2004). Daniel Heide ist ihr in allen Stilen ein ebenbürtiger Klavierpartner, der besonders bei Debussy auch als solcher gefordert wird. Das Booklet enthält die Liedtexte nur in der jeweiligen Originalsprache. Bei den französischen Titeln wäre allerdings eine deutsche Übersetzung wünschenswert gewesen.

Ekkehard Pluta [28.12.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claude Debussy
1C'est l'extase langoureuse (aus: Ariettes oubliées) 00:03:01
2Il pleure dans mon coeur (aus: Ariettes oubliées) 00:02:31
3L' ombre des arbres (aus: Ariettes oubliées) 00:02:32
4Tournez, tournez, bons chevaux de bois (aus: Ariettes oubliées) 00:02:45
5Aquarelles I (Green - aus: Ariettes oubliées) 00:02:21
6Aquarelles II (Spleen - aus: Ariettes oubliées) 00:02:30
Wolfgang Rihm
7Abbitte (aus: 3 Hölderlin-Gedichte) 00:03:21
8Hälfte des Lebens (aus: 3 Hölderlin-Gedichte) 00:05:02
9An Zimmern (aus: 3 Hölderlin-Gedichte) 00:02:10
Richard Strauss
10Kornblumen op. 22 Nr. 1 00:02:15
11Mohnblumen op. 22 Nr. 2 00:01:27
12Epheu op. 22 Nr. 3 00:03:09
13Wasserrose op. 22 Nr. 4 00:03:42
Arnold Schönberg
14Erwartung op. 2 Nr. 1 00:03:56
15Jesus bettelt op. 2 Nr. 2 (Schenk mir deinen goldenen Kamm) 00:03:51
16Erhebung op. 2 Nr. 3 00:01:13
17Waldsonne op. 2 Nr. 4 00:03:18
Claude Debussy
18Beau soir L 84 00:02:23
19Clair de lune L 86 00:02:48
20Coquetterie Posthume L 50 00:03:49
21Romance L 56 (Silence ineffable de l'heure) 00:01:50
22Apparition L 57 00:03:38

Interpreten der Einspielung

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