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CD-Besprechung

Dmitry Kabalevsky

Complete Preludes

cpo 555 272-2

1 CD • 76min • 2017, 2018

29.04.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Seit mehreren Jahren erkundet das Label cpo das Schaffen von Dmitrij Kabalewskij. Die bereits erfreulich weit gediehene CD-Edition ist nun um eine weitere Scheibe vermehrt worden, auf der Michael Korstick – durch seine Gesamteinspielungen der Klavierkonzerte und -sonaten hinlänglich als Kabalewskij-Freund ausgewiesen – sämtliche Klavierpräludien des Komponisten vereinigt hat. Die Stücke stammen aus unterschiedlichen Phasen seines Schaffens. Während die Drei Préludes op. 1, die erst 2014 veröffentlicht wurden, und die Vier Préludes op. 5 Talentproben aus Kabalewskijs Studienzeit darstellen, die wertvolle Auskünfte über seine künstlerische Selbstfindung geben, setzt er sich in den 1959 vollendeten Präludien und Fugen op. 61 pädagogische Ziele: Es sind Stücke zur Schulung des polyphonen Spiels, und zugleich hervorragende Beispiele der guten russischen Tradition qualitativ hochstehender Klaviermusik für die Jugend.

Abwechslungsreicher Zyklus

Das Hauptwerk der CD bilden die 24 Préludes op. 38, ein dreiviertelstündiger Zyklus, der zu den großen Leistungen der russischen Klavierminiaturistik gehört. Während des Zweiten Weltkriegs komponiert, sind die Stücke im wahrsten Sinne des Wortes aus patriotischen Motiven entstanden, denn ihnen allen liegen Volksmelodien zu Grunde. Mittels seines satztechnischen Könnens, seiner Klangphantasie und seines harmonischen Einfallsreichtums assimiliert Kabalewskij dabei die Vorlagen vollkommen seinem persönlichen Idiom: Er umrankt die Volkslieder mit Kontrapunkten, untermalt sie mit charakteristischen Begleitfiguren, schickt sie auf modulatorische Reisen, fügt eigene Zwischensätze ein, etc., beschränkt mitunter aber auch die Zutaten auf ein Minimum, sodass jeder einzelne Ton bedeutungsvoll erscheint. Nie wiederholt sich der Komponist, jedes Stück hat sein eigenes Gesicht.

Gesang?

Michael Korstick besitzt zweifellos die nötige technische Brillanz und das Gespür für dynamische Gestaltung, um den Klavierklang zu transzendieren und dem Flügel die Glocken-, Chor- und Orchesterklänge zu entlocken, auf die Kabalewskij immer wieder anspielt. Dennoch kommt in seinen Darbietungen ein Aspekt zu kurz, der gerade in op. 38 wichtig ist: Grundlage dieser Stücke sind Volkslieder, das Werk wurzelt mithin im Gesang. Unter diesem Gesichtspunkt empfiehlt es sich, Korsticks Einspielung mit der historischen Aufnahme des Uraufführungspianisten Jakow Flier zu vergleichen, die Beiheftautor Charles Tomicik freundlicherweise erwähnt. Korstick mag der technisch bessere Virtuose sein, wie er im es-Moll-Prélude unter Beweis stellt, keineswegs aber ist er der größere Sänger. So vermag er zwar mühelos im D-Dur-Prélude die Klangfülle eines Chores heraufzubeschwören, doch konterkariert er den Effekt durch ein Rubatospiel, das die Melodie zerdehnt, ihr die scharfe Kontur und Stringenz eines gesungenen Liedes nimmt. Einige langsame Stücke – fis-Moll, gis-Moll, As-Dur –, die mit wenig Kontrapunkt bzw. elaborierter Begleitung auskommen, wirken orientierungslos und ungelenk, da Korstick der Ausformung der Melodielinie, auf die es hier besonders ankommt, zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Flier gelingt es in den betreffenden Stücken, die Melodien zielgerichtet zu entfalten und Rubati so einzusetzen, dass sie sich schlüssig in den Verlauf einfügen. Doch auch die raschen Stücke profitieren bei Flier von dessen größerem Verständnis für melodische Bögen. Im b-Moll-Prélude etwa spielt er nicht minder schwungvoll als Korstick, legt aber mehr Wert auf feine Abstufungen und Kontraste – Korstick präsentiert ein virtuoses Klavierstück, Flier erzählt eine spannende Kurzgeschichte.

Die Stärken und Schwächen, die Korstick in op. 38 zeigt, prägen auch seine Darbietungen der übrigen Opera. Am besten gelingen ihm die lebhaften, verspielten Stücke in fortlaufender Bewegung.

Norbert Florian Schuck [29.04.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Dimitri Kabalewsky
124 Preludes op. 38 00:44:54
256 Preludes and Fugues op. 61 00:18:19
313 Preludes op. 1 00:07:09
344 Preludes op. 5 00:05:33

Interpreten der Einspielung

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