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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Albert Roussel • Paul Dukas

BIS 2432

1 CD/SACD stereo/surround • 60min • 2018

29.01.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Kennen Sie Paul Dukas? Wahrscheinlich werden selbst die meisten Klassik-Interessierten diese Frage verneinen, bis man ihnen den Hinweis gibt, dass sie ihn und seine Musik sehr wohl kennen, wenn sie die tanzenden Besen in Disneys Fantasia jemals gesehen haben. Denn die Musik des Zauberlehrling stammt aus der Feder des französischen Komponisten, von dessen Œuvre ansonstenv nur wenig bekannt ist. Dies hat nicht etwa nur mit einer unverdienten Ignoranz der Musikszene zu tun, sondern auch mit einem Perfektionismus Dukas‘, der dafür sorgte, dass recht viele seiner Werke im Kamin landeten. Umso erfreulicher, dass das Orchestre National des Pays de la Loire (kurz: ONPL) unter der Leitung von Pascal Rophé sich nun in einer Aufnahme eines weiteren Werks Dukas angenommen hat. 1891 schuf der damals 27-jährige Komponist mit Polyeucte, Overtüre für eine Tragödie von Corneille sein erstes großformatiges Werk. Hier handelt es sich eindeutig um ein zu Unrecht vergessenes Werk, mit dem Dukas seinen Vorbildern César Franck, Ludwig van Beethoven und Richard Wagner Tribut zollt. Voller Ausdruckskraft erklingt die Musik zu Corneilles Drama rund um Ideale bis zur Aufopferung, Liebe und den christlichen Glauben auch auf dieser Aufnahme, atmosphärisch unglaublich dicht von den ersten Klängen an. Gemeinsam mit der weitestgehend unbekannten Ouvertüre bildet das bekannteste Werk des Komponisten den Rahmen dieser Aufnahme. Sich dessen bewusst, spielen das ONPL und Rophé gekonnt mit den Hörerwartungen des Publikums und so scheint es eine kleine Ewigkeit zu dauern, bis dann wirklich das bekannte Thema der Besen erklingt.

Von tanzenden Besen, einer Tragödie und einem Spinnen-Ballett

Dukas‘ Werke bilden auf dieser CD den Rahmen für das Werk, das sich bereits auf dem filigran wirkenden Cover andeutet, Albert Roussels einaktiger Ballett-Pantomime Le Festin de l’Araignée (Das Fest der Spinne). Auch Roussel gehörte zu der Generation junger französischer Musiker, die sich der Orchestermusik verschrieben hatten, die sie im Verhältnis zur Vokalmusik und den Opern etwas vernachlässigt sahen. Während jedoch der Kollege Dukas begeistert nach Bayreuth pilgerte, wählte Roussel zunächst das Leben bei der Marine, womit er auch immer wieder in den fernen Osten reiste, was seine Musik beeinflussen sollte. 1913 schuf er als Auftragskomposition des späteren Direktors der Pariser Opéra Jacques Rouché das Ballett Le Festin de l’Araignée, das auf der Tierfabel von Graf Gilbert de Voisins basiert. Auch musikalisch stellt Roussel hier eine Miniaturwelt dar, die der unseren gar nicht so unähnlich ist: Die Spinne bereitet sich auf ein Fest vor, wird aber von einer Gottesanbeterin getötet. Mit der Beerdigung einer Eintagsfliege endet der Tag. Ein weitere Hauptfigur ist der Schmetterling. Roussels Musik schwankt zwischen Dramatik und Transparenz – mal sieht man die zarte Wiesenwelt, in der es ganz schnell aber auch um Leben und Tod gehen kann. Die sehr differenzierten Klangfarben Roussels sowie die immer wieder aufsteigende Dramatik werden vom Orchester hervorragend umgesetzt, wobei besonders die exzellenten Bläser zu erwähnen sind. Das Orchestre National des Pays de la Loire legt hier eine Aufnahme vor, die sich sehr engagiert eher unbekannten französischen Orchesterwerken widmet – und das mit ansteckender Begeisterung!

Verena Düren [29.01.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Paul Dukas
1Polyeucte (Ouvertüre zu Pierre Corneilles Tragödie) 00:14:22
Albert Roussel
2Le festin d'araignée op. 17 (Das Gastmahl der Spinne, Sinfonische Fragmente) 00:32:45
Paul Dukas
18Der Zauberlehrling (L' Apprenti sorcier, Sinfonisches Scherzo nach Goethe) 00:11:48

Interpreten der Einspielung

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