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CD-Besprechung

Johann Erasmus Kindermann

Opitianischer Orpheus
Lieder nach Gedichten von Martin Opitz

cpo 555 123-2

1 CD • 67min • 2016

08.07.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die längste Zeit des nur 39 Jahre währenden Lebens von Johann Erasmus Kindermann (1616-1655) stand im Bann des 30-jährigen Krieges, jener europäischen Katastrophe, die in Prag begann, vor allem auf deutschem Boden wütete und hierzulande die schlimmste Katastrophe mit den meisten Todesopfern seit der großen Pestepidemie im 14. Jahrhundert war. Geboren als Sohn eines Kammachers in Nürnberg entstammte Kindermann dem Milieu kleiner Handwerker in der bedeutenden freien Reichsstadt, in der man zunächst von den Kriegshandlungen wenig spürte. Es war ja ohnehin so, dass das Unglück des Krieges Deutschland in wechselnden Wellen überzog, während andere Gebiete mehr oder weniger unbehelligt blieben; dort konnte auch das kulturelle Leben in Blüte stehen. Kindermann erhielt durch ein Stipendium seiner Vaterstadt Gelegenheit, in einer zweijährigen Italienreise die neuesten Entwicklungen der Musik dort zu studieren; so wurde er nach Heinrich Schütz der an zweiter Stelle bedeutende Vermittler der italienischen Musik des 17. Jahrhunderts in Deutschland. 1636 nach Nürnberg zurückgekehrt, wurde er zunächst zweiter Organist an der Frauenkirche und erlangte 1640 die Stelle als Organist an St. Egidien. Er war auch als Lehrer tätig, so gehörte etwa Johann Pachelbel zu seinen Schülern.

Auf dieser CD sind Lieder der Sammlung Opitianischer Orpheus vereinigt, eine Hommage des Komponist an den Dichter Martin Opitz (1597-1639). Als Sohn eines Metzgers hatte Opitz einen ähnlichen sozialen Hintergrund wie Kindermann, seine schlesische Heimatstadt Bunzlau verfügte über eine eigene Lateinschule (eine der Früchte der Reformation in der nach 1522 protestantisch gewordenen Stadt), hier wurde Opitz auf seinen Aufenthalt am Maria-Magdalenen-Gymnasium in Breslau vorbereitet. Er begründete die schlesische Dichterschule und steht in der Literaturgeschichte als einer der wichtigsten Dichter und Theoretiker der deutschen Barockliteratur da.

Die im Opitianischen Orpheus vertonten Gedichte feiern die Lebenslust, deren Lob zu Lebzeiten von Martin Opitz eine wichtige Stütze zur Erhaltung der Lebensfreude bedeutete – der Dichter starb ja 1639 mitten im Krieg noch vor dem im Jahr 1648 erreichten Westfälischen Frieden. Die Gedichte und ihre Vertonungen machen deutlich, dass auch der Barock, hundert Jahre vor dem so genannten „galanten Stil“, seine galanten Aspekte hatte.

Die Sopranistin Ina Sedlaczek und der Tenor Jan Kobow beweisen sich als vorzügliche Interpreten für dieses Programm, sie agieren sowohl im solistischen Vortrag wie auch als Duo in stimmlich ausgesprochen schöner und künstlerisch perfekter Harmonie. Instrumental werden sie bestens unterstützt durch das United Continuo Ensemble, das vom Namen her vielleicht weniger bekannt ist – liest man allerdings die Besetzungsliste der Gruppe, ist die vorzügliche Leistung der instrumentalen Begleitung dieses Liederprogramms leicht erklärlich: Hochkarätige Interpreten vereinen sich hier zu einem erstklassigen Instrumentalensemble, das in wechselnden Besetzungen den Vortrag der Vokalsolisten aufs Beste begleitet; zwei Sonaten stellen darüber hinaus Kindermanns Fähigkeiten als Komponist moderner Instrumentalmusik seiner Zeit ebenso unter Beweis wie den virtuosen und musikalischen Einklang der ausführenden Musiker. Mit diesem Programm ist eine Facette der deutschen Barockmusik des 17. Jahrhunderts wieder zu erleben, die bisher – außer dem Werk von Heinrich Schütz, an dem wegen der außerordentlichen Qualität seiner Musik schon lange kein Weg mehr vorbeiführt – leider zu oft vernachlässigt wurde.

Der co-produzierende bayerische Rundfunk steuert ein exzellentes Klangbild bei.

Detmar Huchting [08.07.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Erasmus Kindermann
1Jetzund kommt die Nacht herbei 00:02:22
2O du kleiner nackter Schütze 00:02:38
3Allhier in dieser wüsten Heid (Duett)
4Zehnte von den Pierinnen 00:03:01
5Sonata prima für Violine und B.c. 00:03:37
6Ich empfinde fast ein Grauen 00:03:05
7Wann sich der wehrte Gast, die Seele, nun soll scheiden 00:04:02
8O Wertest auf der Welt, o Schönest aller Schönen 00:02:38
9Sonata seconda für Violine und B.c. 00:05:06
10Hochzeitslied 00:03:10
11Als ich nächst war ausspazieret 00:03:40
12Es hat der Jupiter 00:04:25
13Nachtklag 00:04:20
14Amandus und Amoena (Dialogus)
15O wohl dem, der die rechte Zeit 00:02:20
16Ach Liebste, lass uns eilen 00:02:07
17Schwarz ist mein Farb 00:02:51
18Corydon sprach mit Verlangen 00:03:10
19Ist irgend zu erfragen ein Schäfer um den Rhein 00:02:27
20Kommt, lasst uns ausspazieren 00:03:10

Interpreten der Einspielung

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