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CD-Besprechung

Totentanz

Liszt Symphonic Poems Piano 4 Hands

Odradek ODRCD329

1 CD • 64min • 2016

15.07.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Die beiden Vortragenden Chie Tsuyuki und Michael Rosenboom formulieren den bedauernswerten Tatbestand in einem der insgesamt sehr lesenswerten Booklet-Beiträge: „Liszts Bearbeitungen seiner sinfonischen Werke sind immer noch weitgehend unbekannt, liegen gleichsam im Verborgenen und werden leider sehr selten gespielt. Bedenkt man aber, dass sich viele seiner Transkriptionen für Klavier zu zwei Händen, als eigenständige Werke emanzipiert, im Konzertleben etabliert haben, dann stimmt es uns zuversichtlich, dass auch seine vierhändigen Bearbeitungen ihre Renaissance erleben werden.“ Die vorliegende Veröffentlichung könnte dieser Hoffnung durchaus musikantischen Rückenwind verleihen, denn dem Duo Tsuyuki – Rosenboom gelingt es in den Farb- und Lichtwechseln, in den dynamischen und mobilen Überraschungsmomenten der drei eingespielten „Dichtungen“ die von Liszt dargestellten Vorgänge sozusagen beim Namen zu nennen. Der „szenische“ Aufbau der Stücke, ihr poetischer Leitfaden, ihre Spannungskurven, all dies wirkt sicher erfasst und wenn nötig mit lustvollem Zugriff zum Brodeln, ja zur Explosion gebracht.

Wie feinfühlig Chie Tsuyuki und Michael Rosenboom malend-taktieren, zeigt sich im Mittelteil der zumeist kämpferisch auftrumpfenden Mazeppa-Erzählung. Während in der viel kürzeren Version für Klavier solo die schwärmerische Melodie mit gewissermaßen gleitenden Akkordserien stimuliert wird, betören in der Duo-Ausgabe zierliche, lieblich-nervöse Umrankungen das kantable Planspiel. Das atmet und hat Duft, es hilft dem Hörer, die von Victor Hugo geschilderte Schauerlichkeit als Folge von Hörbildern zu entschlüsseln, konkret: den nackt auf ein Pferd gebundenen und dahin galoppierenden Kosakenführer Mazeppa geradezu körperlich zu erfahren.

An Franz Liszts Totentanz, also an seine schier grenzverletzend virtuose Paraphrase über das düstere „Dies irae“-Thema, haben sich Tsuyuki und Rosenboom mangels einer Fassung für Klavier zu vier Händen persönlich heran gewagt. Sie spüren den vor allem für die damalige Zeit ungewöhnlichen Klang- und Geräuscheffekten der Konzertversion für Klavier und Orchester nicht nur im Möglichkeitsbereich eines Konzertflügels nach. Vielmehr bedrängen sie den Hörer schon zu Beginn mit einem ungewöhnliches, von Liszt nicht vorgesehenen Grollen und Trommeln in Nachbarschaft zur Eröffnung des Griegschen a-Moll-Konzerts. Das Duo erlaubt es sich also, Liszts Text zu erweitern, die klanglichen Perspektiven des Klavier etwa mit Schlagwirkungen auf den Holzkörper zu verschärfen und zu verdichten. Die brillanten Variationen mit ihren rasanten Akkord- und Oktavstafetten, mit ihren „Dies irae“.Tonrepetitionen gelingen Tsuyuki und Rosenboom mit Verve und „solistischer“ Risikobereitschaft. Unter solch günstigen Umständen gerät der Totentanz zu einem Schlager instrumentaler Lebendigkeit. Holbeins warnende Gerippe – hier zeigen sie Muskeln, Fleisch und musikalischen Daseinswillen.

Vergleichseinspielungen: Sinfonische Dichtungen: E. u. J. Kutrowatz (Organum OGM 980050), Les Préludes: Ferrier – Moselle (Orion Master Recordings LP ORS 80396).

Peter Cossé † [15.07.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Liszt
1Totentanz S 126 (Paraphrase über Dies irae) 00:17:21
2Mazeppa S 100 (Symphonic Poem No. 6) 00:16:30
3Hunnenschlacht S 105 (Symphonic Poem No. 11) 00:14:41
4Les Préludes S 97 (Symphonic Poem No. 3) 00:15:33

Interpreten der Einspielung

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