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CD-Besprechung

Emmerich Kálmán

Die Bajadere

cpo 777 982-2

2 CD • 1h 49min • 2014

17.01.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der Untergang der k.-und-k.-Monarchie besiegelte auch das Ende der alten Wiener Operette. Imre Kálmán und seine Librettisten Julius Brammer und Alfred Grünwald erkannten die Zeichen der Zeit und kamen mit ihrer Operette Die Bajadere, die 1921 in Wien uraufgeführt und kurz darauf in Berlin nachgespielt wurde, glücklich in den 20er Jahren an. Das Sujet war ebenso à la mode wie die Musik. Indische Sujets hatten Konjunktur im Theater wie im Kino. Die Handlung spielt in Paris, wo die Sängerin Odette Darimonde im Théâtre du Châtelet allabendlich als indische Tempeltänzerin auftritt und die Liebe des Prinzen Radjani aus Lahore gewinnt, der keine ihrer Vorstellungen auslässt. Sie fühlt sich auch zu ihm hingezogen, lässt aber als emanzipierte Frau die Heirat mit ihm im letzten Augenblick platzen. Der findige Theaterdirektor sorgt im Schlußakt für ein überraschendes Happy-End auf offener Bühne.

Parallel zu dieser Handlung wird die Geschichte von der luxussüchtigen Marietta erzählt, die ihren langweilig gewordenen Ehemann, den Schokoladenfabrikanten Louis-Philipp, gegen ihren langjährigen Liebhaber Napoleon eintauscht, dessen sie aber auch bald überdrüssig wird, so dass sie schließlich gerne zu Louis-Philipp zurückkehrt. Das traditionelle Buffo-Paar wird hier also zum Trio erweitert. Partnerwechsel und Ehescheidungen waren zu dieser Zeit en vogue und auch auf der Bühne kein Tabu.

Kálmán hat aus diesem Sujet viel musikalisches Kapital geschlagen. Er leugnet seine Herkunft aus der österreichisch-ungarischen Tradition nicht, aber er verbindet Walzer und Volksweisen mit modernen amerikanischen Tanzrhythmen (vor allem dem damals gerade angesagten „Shimmy“) und würzt diese Melange kräftig mit exotischen Klangfarben. Die Mischung geht auf und gibt der sich ins Aberwitzige steigernden Handlung den nötigen Drive.

Für die Bühne ist das Werk erst noch wieder zu entdecken. Eine Produktion in Erfurt (2003, Regie Wolfgang Quetes und Volker Klotz) blieb ohne Folgen. Dagegen fand Die Bajadere in konzertanter Form an der Komischen Oper Berlin wie beim WDR (dessen Produktion hier auf CD vorliegt) großen Anklang und überzeugte vom hohen musikalischen Rang der Partitur.

Man kann dem Dirigenten Richard Bonynge und dem WDR Funkhausorchester nicht vorwerfen, dass sie die Musik Kálmáns unter Wert verkaufen. Im Gegenteil. Schon bei den einleitenden Takten brandet der Klang spätromantisch auf und die opernhafte Seriosität weicht auch in der Folge nur zögerlich operettenhaftem Schwung. Beim Walzer fühlt sich der auch in der leichten Muse sehr erfahrene Dirigent zuhause, den fetzigen Shimmy aber geht er sehr behäbig an und bringt ihn damit um die Wirkung.

Die Ironie, die Volker Klotz in seinem Handbuch dieser Operette nachrühmt, ist in dieser Aufführung nur zu erahnen. Zumal auch die Sänger ihre Meriten in anderem Repertoire erworben haben. Rainer Trost ist ein kultiviert singender Prinz, dem man das Schmachten nicht so recht abnimmt, und Heike Susanne Daum sucht als Odette einen Mittelweg zwischen Soubrette und Opern-Diva. Ansprechend, aber komödiantisch zurückhaltend agieren Anke Vondung als Marietta und die Baritonisten Stephan Genz und Miljenko Turk als ihre sich abwechselnden Ehemänner Napoleon und Louis-Philipp. Die gesprochenen Dialoge sind (mit Ausnahme der Melodramen) eliminiert, wodurch die Handlung nur bedingt nachvollziehbar ist.

Ekkehard Pluta [17.01.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Emmerich Kálmán
1Die Bajadere (Operette in drei Akten) 01:48:45

Interpreten der Einspielung

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