Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

F. Schubert

Fuga Libera 1 CD FUG563

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 25.05.10

Fuga Libera FUG563

1 CD • 65min • [P]2009

Der 32jährige Severin von Eckardstein betätigt und bestätigt sich mit den Sonaten D 840 und D 959 als ein fordernder, in Klang und „Sang“ als ein keineswegs pflegeleichter Interpret. Das soll freilich nicht heißen, er würde einen kämpferischen Bogen um die Schönheiten, um die lyrischen Schmeichelszenen dieser Stücke machen. Aber in Erinnerung bleiben mir vor allem die hart, ja unbeugsam geschichteten Akkordfolgen im Kopfsatz der C-Dur-Sonate, deren klavierorchestrale Wirkungen manche Wegstrecken der späteren Bruckner-Sinfonien vorauszunehmen scheinen. Im Bereich dieses Werkes hat sich von Eckardstein für die Wiedergabe der beiden ersten Sätze entschieden – in subjektiv sicher begründeter Vernachlässigung der beiden unvollendeten Sätze drei und vier. Ich bedauere dies immer wieder, seit ich schon in frühen Jahren mit Sviatoslav Richters Einspielung auch dieser Fragmente vertraut wurde und auf diese Weise gleichsam einen Einblick in Schuberts kompositorisches Vorgehen (und Verstummen!) erhielt. Immerhin halte ich es für sinnvoller, auf die beiden Torsi zu verzichten, anstatt eine der von Musikologen und engagierten Pianisten zur Verfügung gestellten Satzergänzungen an das Vorhandene sozusagen anzukleben.

Was die „große“ A-Dur-Sonate anbelangt, beharrt von Eckardstein auf einem herben, wenn nötig schroffen, der initialen Dramatik des Werkes durchaus angepassten Tonfall. Es handelt sich – wie ich meine – um eine Schroffheit, die sich aus den Zerklüftungen des Textes ergibt – unterbrochen, durchsetzt von lichteren Momenten im ersten Satz, die im zweiten Abschnitt eine dramaturgische Umkehrung erfahren. Dort wird die träumerisch-pendelnde Melodik im Mittelteil nicht nur in Frage gestellt, sondern bis zur Katastrophe in wild einander kreuzenden und schäumenden Akkordbrechern zugespitzt. Hier lässt es der Pianist nicht an Ätzkraft, an Schonungslosigkeit des Zugriffs fehlen. Aber auch in der folgenden Beruhigung, in den beschwichtigenden Echowirkungen des Andantino-Ausklanges, entbehren der Anschlag und die Klangperspektive Eckardsteins nicht einer gewissen, ja ungewöhnlichen Strenge mit einigen Anteilen von Bitternis. Etwa im Unterschied zu Alfred Brendel, der sich in dieser beschwichtigenden Phase mit weicherem Anschlag um Nuancen deutlicher für die Sonnenseite des Intonierens entschieden hat.

Auch in der meist ungebrochen lieblich und tänzerisch gebotenen Kopfsatzdurchführung mit ihren freundlich gesetzten Akkordrepetitionen der linken Hand scheut sich der Interpret nicht, die Schattenseiten, die Schmerzlichkeiten dieser dem pianistisch Äußeren nach „schönen“ Binnenwelt beim instrumentalen Namen zu nennen. Die erwähnte Akkordbegleitung der Linken variiert von Eckardstein zwischen gebundener und etwas gehärteter Formulierung – und hebt sie damit geschickt und Sinn gebend über die Funktion der harmonischen Grundierung hinaus auf eine Ebene der musikalischen Mitbestimmung. Auf diese Weise gelingt es ihm – im Unterschied zu vielen seiner Kolleginnen und Kollegen – diese „Durchführung“ nicht nur als Zwischenspiel, sondern als musikalische Unabdingbarkeit zu gestalten und damit als wirklich unverzichtbar!

Insgesamt betrachtet und gehört handelt es sich hier um eine wichtige, eigenwillige Schubert-Aufnahme, wenn man will: um das markante Signal eines Künstlers, der seine gereiften handwerklichen Fertigkeiten mit Umsicht einsetzt und im Namen Schuberts das nachschöpferische Risiko nicht scheut, eine individuelle Spur zu legen.

Vergleichsaufnahmen: D 840: Richter (Philips; Le Chant du Monde), Brendel (Philips; Euroarts DVD 2056558 / mit Einführung), Becker (18.6.2008 Mühlheim /Avi-Service 8553150), Pirner (Farao Classics B 108039), Biss (Wigmore Hall Live 0030), Kempff (DG, bzw. Philips 456868-2); D 959: Brendel (London 1988 /Philips DVD 070 1139), Perl (Oehms OC 550), Farkas (Gramola 98786/87), Günther (Cybele SACD 140.402), Zacharias (MDG 940 1440-6), Oppitz (Hänssler 98.297), Babinsky (Discurios 79801), Itoh (fontec FOCD 9428), Scharapan (Mandala 4974), Ashkenazy (Decca 455 148-2), Zitterbart (gutingi 220), Afanassiev (Denon CO-18051-52), Haebler (Philips 456 367-2), Uchida (Philips 456 579-2), Tabe (Denon CO-18071), Andsnes (EMI 557266 2), Dalberto (Denon CO-18027-28), Damgaard (Classico 245-49), Perahia (Sony SMK 89614), Eschenbach (Great Pianists Philips 456 763-2), Lewis (Harmonia mundi HMC 901800), Schnabel (The Piano Library 228), Kawamura (Audite 92.512 SACD), Röhm (Genuin 03015).

Peter Cossé [25.05.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Schubert Klaviersonate Nr. 15 C-Dur D 840 (Reliquie) 00:24:25
3 Klaviersonate Nr. 21 A-Dur D 959 00:40:40

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Severin von Eckardstein Klavier
 
FUG563;5400439005631

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc