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CD-Besprechung

Ondine ODE 1143-2

1 CD • 65min • 2009

27.04.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Uuno Klami (1900-1961), der Schüler von Erkki Melartin in Helsinki, Maurice Ravel in Paris und Arthur Willner in Wien, beherrschte eine wunderbare Orchesterpalette, und das mit solcher Souveränität, dass wir nie etwas „Instrumentiertes" hören, sondern immer ein Gesamtkonzept, das nur so und nicht anders sein dürfte. Ob es die beiden Sinfonien sind oder die plastische, originelle Ouvertüre zu König Lear (Ondine-CDs 854-2 und 858-2), ob das Ballett Pyörteitä (Wirbel) oder das Violinkonzert – alles kommt immer aus einem Guss, als wäre es die Arbeit eines Klangskulptors. Daher musste auch die jetzt veröffentlichte Tscheremissische Fantasie von 1931 beinahe zwangsläufig ein konzertantes Stück für Violoncello und Orchester werden: Die folkloristischen Themen verlangen genau die breite, tiefe, samtige Kantilene, die sich nur auf diesem Streichinstrument ausführen lässt und von Samuli Peltonen mit der Hingabe eines Musikers realisiert wird, der weiß, welche Kostbarkeit er da unter seinen Händen hat. Dass die zweisätzige Komposition sowohl in ihrem unwiderstehlichen Lento wie auch in dem anschließenden Presto con bravura wie ein freundlicher Gruß an Aram Chatschaturjan wirkt, liegt einzig in der Natur des „Materials" begründet, denn der drei Jahre jüngere Armenier brütete damals noch über der Partitur seiner Examensarbeit ...

Überdies war für Klami der Ausflug in die exotische Folklore immer nur eine und eine von der Zeit unabhängige Facette, die man nicht etwa als Ausdruck einer kontinuierlichen Entwicklung („aus den Dörfern in die Welt" oder „zurück zum Wurzelwerk") deuten kann. Die hier eingespielten Nordlichter op. 38 stehen direkt zwischen der ersten und zweiten Fassung des Violinkonzerts op. 32, doch während dieses erneut einen dezenten Abstecher in die Regionen der sogenannten Wolga-Finnen unternimmt, erscheinen die glitzernden Texturen der etwa gleichaltrigen Orchesterfantasie über weite Strecken wie abstrakte Impulse oder tönende Funken, die sich gegenseitig entflammen in Regionen zwischen romantischer Harmonik und freien Beziehungen, stets changierend und doch gebändigt durch eine große Bogenform, ein dirigiertes Naturschauspiel gewissermaßen, das die Philharmoniker aus Helsinki unter John Storgårds in allen Schattierungen auskosten und zelebrieren.

Es fällt auf, dass Uuno Klami den „ganz Großen" nur wie beiläufig streift: Wohl fällt gelegentlich ein Schimmer der Nordlichter auf eine Wendung von Jean Sibelius, erinnert eine Farbmischung an die charakteristisch tiefen Orchesterfarben des Mannes aus Järvenpää; doch Klami hat ganz offensichtlich nie vorgehabt, die tausend Seen in dem Boot des Übervaters zu befahren. Das wird besonders deutlich bei der symmetrisch-fünfsätzigen Kalevala-Suite (1933/43), deren Kreisbogen von der Erschaffung der Welt bis zur Herstellung des Sampo geradezu nach Sibelius schreit. Klami jedoch beschränkt sich auf einige spärlich gestreute Anspielungen und durchstreift ansonsten die Welt der Musik in alle vier Himmelsrichtungen, ohne je epigonal zu wirken, singt beispielsweise ein hinreißend schönes, jenseitiges Wiegenlied für Lemminkäinen und lässt am Ende, wenn der Schmied Ilmarinen die glückbringende „Zaubermühle" bearbeitet, ganz plakativ und publikumswirksam auf den Amboß hauen. Das klingt, nach einem letzten musikalischen Aufschwung à la Tschaikowsky, besonders witzig und erinnert gleich an die wüsten Sagengestalten, die Jón Leifs aus der Edda herausspringen ließ: Irgendwo unter allen äußeren Erdschichten müssen halt doch verborgene Gänge und Kanäle diese Regionen miteinander verbinden.

Rasmus van Rijn [27.04.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Uuno Klami
1Northern Lights op. 38 (Fantasie für Orchester) 00:18:49
2Cheremissian Fantasy op. 19 00:13:27
4Kalevala Suite op. 23 (Fünf Tonbilder für großes Orchester) 00:32:56

Interpreten der Einspielung

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