Ondine ODE 1127-2
1 CD • 70min • 2007
19.02.2009
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Kimmo Hakola (Jg. 1958) ist einer jener zeitgenössischen Komponisten, deren komplexe Tonsprache man sich durch mehrmaliges Hören erarbeiten muss. Für die knapp viertelstündige Sinfonietta (1999) befand Booklet-Autor Kimmo Korhonen beispielsweise, sie "stampft vorwärts wie ein tödlich verwundetes, orientierungsloses musikalisches Monster": Godzillas Todeskampf, diesmal in Finnland respektive im heimischen Wohnzimmer. Hört man dann die Musik, findet man diese Charakterisierung platt: Man wird als Hörer zwar von dem fortgesetzten Furioso durchaus anfangs erschlagen, doch die klanglichen Energien folgen einer hörbaren Dramaturgie aus Kontrasten, Hoch- und Tiefpunkten, Erschöpfungen und Neu-Anläufen, hin zu einem Schluß, der abrupt aus dem Geschehen herausreißt. Das Stück ist üppig instrumentiert, bietet jedoch bei aller Konzentration dankbare Aufgaben für verschiedene Solisten im Orchester. Besonders interessant ist das Zusammenspiel der Klanggruppen (Streicher, Holz- und Blechbläser mit Schlagzeug), das fast in barocker Mehrchörigkeit realisiert wirkt.
Wer noch nie etwas von Hakola gehört hat, sollte sich vielleicht dieses kurze Werk zuerst vornehmen (zumal wegen seines offenen Schlusses), denn das 55-minütige, neunsätzige Klavierkonzert ist ein gewaltiger Brocken, dessen erste zwei Drittel zunächst durchaus abschreckend wirken können. Dem eröffnenden Furioso folgt ein doppelt so langes, vor sich hin zickendes Cappriccio, dann ein Block aus drei noch energischeren Sätzen (Forza, Toccata, Fuoco). Im Zentrum steht eine fünfminütige Kadenz, die augenzwinkernd spätromantisch beginnt, immer jazziger wird, schließlich in modernen Kapriolen endet und dem großartigen Pianisten Henri Sigfridsson Gelegenheit zur Vorführung allerlei halsbrecherischer Kunststückchen gibt. Ist man nun von den überwiegend heftigen ersten zwei Dritteln allmählich ermüdet, leitet der Komponist in den letzten 25 Minuten die Energien erfreulicherweise in immer ruhigere Fahrwasser – ein Maestoso mit aparten Klangfarben (z. B. eine an Ravel/Graingers La vallée des cloches erinnernde Chinoiserie zu Beginn von Tr. 7), ein überraschend inniges Triste (Tr. 8), und als Coda schließlich ein ruhevoller Epilog, genannt Lux – wobei man keinen prachtvollen Sonnenaufgang erwarten darf; es ist eher ein Blick in den Sternenhimmel. John Størgårds und sein Tampere Philharmonic Orchestra widmen sich Hakolas Musik mit aller gebotenen Aufmerksamkeit. Freilich wirkt die gesamte Produktion von der Aufführung her ein wenig unterkühlt, mitunter (besonders in der Sinfonietta) eher exekutiert als musiziert. Ausgesprochen unpraktisch ist das ungeheftete, 12-seitige Booklet im Faltblatt-Stil, dessen drei Lagen unweigerlich in den Halte-Laschen des Jewelcase hängenbleiben. Dafür wäre ein Digipack sinnvoller.
Dr. Benjamin G. Cohrs [19.02.2009]
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Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Kimmo Hakola | ||
1 | Piano Concerto | 00:56:14 |
10 | Sinfonietta | 00:13:59 |
Interpreten der Einspielung
- Henri Sigfridsson (Klavier)
- Tampere Philharmonic Orchestra (Orchester)
- John Størgårds (Dirigent)