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CD-Besprechung

Tempus Loquendi... Musik für Flöte solo

Fontastix 322131

1 CD • 64min • 2008

26.11.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

„Tempus loquendi“ (Reden hat seine Zeit) – so der Titel dieses Solo-Flöten-Recitals mit Werken des 20. Jahrhunderts, kombiniert mit frühbarocken Stücken des blinden Flötenvirtuosen und Glockenspielers Jacob van Eyck (um 1590-1657). Was aber, wenn diese Zeit gar nicht vergehen mag? Die hier aufgezeigten mannigfaltigen Spieltechniken und Ausdrucksmöglichkeiten der Flöte üben zwar eine gewisse Faszination aus. Dazu ist Hans Balmers Spiel technisch über jede Kritik erhaben; auch seine unglaublich nuancenreiche Tonformung lässt keinerlei Wünsche offen. Doch dem Hörer wird viel abverlangt, schon allein deshalb, weil Gängiges und Herkömmliches nur einen Bruchteil dieses ambitionierten Programms ausmachen. Genießen ist nicht möglich, Beobachten ja. Das gilt für die seltsam nervösen, seriell auskomponierten Proporzioni des italienischen Avantgardisten Franco Evangelisti (1926-1980) ebenso wie für Bernd Alois Zimmermanns (1918-1970) zwölftöniges Werk Tempus loquendi... über den alttestamentarischen Text Prediger Salomo 3,7. Es ist Zimmermanns einziges Werk, in dem das Prinzip der Aleatorik zur Anwendung kommt: In manchen Teilen der Komposition bleibt es dem Interpreten überlassen, frei in der Partitur verstreute Notenpartikel nach Belieben neu zusammen zu setzen. Dieser Umstand, auch der zugrunde liegende Bibeltext erleichtern aber keineswegs den Zugang zu diesem Werk voller subtiler Ausdrucks- und Dynamikvarianten.

Edgard Varèses (1883-1965) für die Flötenmusik des 20. Jahrhunderts richtungweisendes Density 21.5 klingt dagegen fast schon vertraut, erinnert doch manches trotz des Ausreizens selbst der extremsten Flötenregister und der in dieses lyrisch-brillante Stück hineinkomponierten perkussiven Klappengeräusche an Claude Debussys Syrinx. Um so mehr irritiert dafür das Hauptwerk dieser CD: Im Zeremonienbuch – 25 Zeremonien auf sechs Texte deutscher Dichter aus 6 Jahrhunderten des 1939 geborenen Schweizer Komponisten, Interpreten, Pädagogen und Improvisators Urs Peter Schneider stehen artifizielle Kompositionstechniken neben überraschend Trivialem (beispielsweise einer immer neu variierten Tonleiter) und neben kurzen melodischen Gestalten, die fast alle eine eigene Sprache sprechen. Auch die Texte, denen die musikalischen Zeremonien an die Seite gestellt sind, tragen nicht unbedingt zum Verständnis dieses Werks – wie es der Komponist formuliert – „zwischen radikal experimentellen und radikal expressiven kompositorischen Ansätzen“ bei. Kaum kann man sich auf zusammenhängende, längere Phrasen konzentrieren kann. Die Aufmerksamkeit liegt hier wie in den schon genannten Kompositionen eher auf dem einzelnen Ton, wodurch diese mutige, nicht gerade auf Verkaufszahlen schielende Einspielung doch schnell an Reiz verliert. Die als willkommene Abwechslung empfundenen tänzerischen und verspielten Stücke Jacob van Eycks ändern an diesem Eindruck leider nur wenig.

Christof Jetzschke [26.11.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Edgard Varèse
1Density 21.5 für Flöte solo 00:03:37
Jacob van Eyck
2Stemme nova (aus: Der Fluyten Lust-hof) 00:03:16
Franco Evangelisti
3Proporzioni (strutture per flauto solo, 1958) 00:04:31
Jacob van Eyck
4Prins Robberts masco 00:02:15
Bernd-Alois Zimmermann
5tempus loquendi... (Pezzi ellittici per flauto grande, flauto in sol e flauto basso solo) 00:14:05
Jacob van Eyck
6Comagain 00:05:40
Urs Peter Schneider
7Zeremonienbuch (25 Zeremonien auf sechs Texte deutscher Dichert aus sechs Jahrhunderten) 00:29:54

Interpreten der Einspielung

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