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CD-Besprechung

Naxos 8.570456

1 CD • 73min • 2004, 2006

07.12.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Kontrovers werden bis heute die Stärken und Schwächen der Schumannschen Chor-Romanzen und -Balladen erörtert. Der Komponist, der diese Werke 1847 bis 1849 als Leiter der Dresdner Liedertafel und für den von ihm gegründeten Frauenchor geschrieben hatte, meinte, „sie klingen eigentümlich (Anmerkung: im Sinne von neuartig) und sind sehr leicht zu singen.“ Sein zeitgenössischer Rezensent Riccius hielt ihm damals jedoch in der Neuen Zeitschrift für Musik zu Recht entgegen: „Die technische Ausführung ist sehr schwer.“ Heute verweist im Harenberg-Chormusikführer der Autor Matthias Walz auf die soziale Rolle dieser Werke (für Volkschöre?), während andere Zeitgenossen – wie auch der Schreiber dieser Zeilen – sie auf das Leistungsniveau hochqualifizierter Chöre beschränkt wissen möchten.

Die Begründung dafür liegt nahe, gerade wegen der Bedeutung dieser Balladen und des Anspruchs ihrer unverwechselbaren „Eigentümlichkeit“: Nicht nur sind für Laiensänger Ausdrucksvielfalt und ein Vortrag, der zwischen extremer Akzentuierung und Dynamik pendelt, nur schwer erreichbar, sondern erforderlich sind auch Romanzenstimmung bei gleichzeitig verständlicher Textdeklamation. Diese Anforderung kommt jedoch einer Quadratur des Kreises nahe, denn Schumann experimentiert aus vollem Herzen tonmalerisch (Track 1 Der König von Thule oder Track 10 Vom verwundeten Knaben mit Stimmenverdopplungen), harmonisch (Track 8 Der traurige Jäger) und besonders raffiniert in der flott und exakt zu parlierenden Romanze vom Gänsebuben mit notenweise wechselndem forte und piano (Track 21) – ein „Schaustück“ sondergleichen für hohes chorisches Können. Dazu kommen manche polyrhythmische Wortverschränkungen und extreme Stimmführungen. Angesichts dieser Situation vermißt man eine Textbeilage, auch wegen ihrer vielen, heutzutage durchaus nicht mehr geläufigen Literaturvorgaben. Als Ersatz verweist die Produktionsfirma auf die Möglichkeit, sich diese unverzichtbare (!) Lesehilfe unter www.naxos.com/libretto/570456.htm auf 15 Din-A4-Seiten herunterzuladen.

Alle Bestandteile einer künstlerisch voll befriedigenden Interpretation sind schwer auf einmal zu realisieren. Auch dem profilierten belgischen Spitzenensemble Aquarius – 1995 gegründet, bekannt auch als Goeyvaerts Consort – gelingt das nicht. Mit romantischem Überschwang hat Schumann im Streben nach einer Art „Gesamtkunstwerk“ selbst für Universalkönner offensichtlich des Guten zuviel verlangt. Unter diesem Vorbehalt wartet die vorliegende Neuaufnahme mit einer reifen Leistung auf. Angesichts des stets auf Klangschönheit bedachten Auskostens der unterschiedlich innigen Gefühlsstimmungen bis hin zu den dramatischen Ausbrüchen balladesker Szenen gewährt man ihr jetzt gern den Vorzug gegenüber der bisher einzigen, älteren dänischen Gesamtaufnahme aller Schumann-Chöre durch den Canzone Choir unter Frans Rasmussen.

Dr. Gerhard Pätzig [07.12.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Robert Schumann
1Romanzen und Balladen I op. 67 00:11:29
6Romanzen und Balladen II op. 75 00:12:05
11Romanzen für Frauenstimmen Heft I op. 69 für Frauenstimmen (1849 - Tamburinschlägerin, Waldmädchen, Klosterfräulein, Soldatenbraut, Meerfey, Die Kapelle) 00:13:02
17Romanzen und Balladen III op. 145 00:10:04
22Romanzen und Balladen IV op. 146 00:11:09
27Romanzen für Frauenstimmen Heft II op. 91 für Frauenstimmen (1849 - Rosmarien, Jäger Wohlgemut, Der Wassermann, Das verlassene Mägdelein, Der Bleicherin Nachtlied, In Meeres Mitten) 00:14:17

Interpreten der Einspielung

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