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CD-Besprechung

Ludwig van Beethoven Sämtliche Klaviersonaten Vol. 7

hänssler CLASSIC 98.207

1 CD • 68min • 2005, 2006

29.05.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Gegensätzlichere Werkkonzeptionen wie Beethovens Sonaten op. 54 und op. 78 auf der einen, die „Hammerklaviersonate“ op. 106 auf der anderen Seite lassen sich kaum denken (und auf einer CD einander gegenüber stellen). Gerhard Oppitz wagt es im Rahmen der Folge 7 seiner Gesamtaufnahme der 32 Sonaten für Hänssler classics! Und er leistet Erhebliches, um selbst einem weniger der Noten kundigen Hörer diese Kontrastprogramme, diese zwei und mehrteiligen Musiklandschaften akustisch zu erschließen, ja mehr noch: sie gleichsam begehbar, begreifbar zu machen. Mit den ersten Menuetto-Grazilitäten der F-Dur-Sonate gelingt es dem Pianisten aus dem bayerischen Frauenau eine Atmosphäre zu beschwören, die Tänzerisches, Historisierendes mit einem sanften Schuss von Aufbegehren, von Querköpfigkeit verbindet. Beethoven – wenn man will – auf den Spuren Haydnscher Zweisätzigkeit, auf den Spuren des Gesellschaftstanzes. Und dennoch bewegt er sich auf experimenteller Ebene, sofern man die beiden „rahmenden“ Sonaten op. 53 (Waldstein) und op. 57 (Appassionata) hinsichtlich ihrer expressiven Botschaft und im Ohrenmerk auf ihre konventionelle Dreisätzigkeit zum Vergleich heranzieht.

Im Finale der Sonate op. 54 – einem surrenden, kreiselnden Vivace-Abenteuer – entgeht Oppitz der Versuchung (genauer noch: der Gefahr), sich mit allzu rasantem Tempo einer Atemlosigkeit hinzugeben, die das an sich schon etwas rätselhafte Geschehen noch krasser in klangliche Wolken hüllen würde. Klar konturiert, dabei keineswegs pedantisch „durchnumeriert“ kommen die mobilen, wie für einen pianistischen Slalom extrem enggesteckten Notenstaffetten der rechten Hand, ergeben ein sinnvolles, vom Hörer bequem decodierbares Ganzes – und dies als kluge, brillante Vorbereitung für die (auch biographischen) Eigentümlichkeiten der Fis-Dur-Sonate, zu denen im Begleitheft der Autor das Bekannte, aber auch seine eigenen Mutmaßungen zu Papier gebracht hat.

Stramm, aber nicht verbissen wirft sich Oppitz mit hoher klavieristischer Schlagzahl in die Sonate op. 106, die den Beinamen „Hammerklavier“ aus schwer erfindlichen Gründen niemals abgelegt hat. Alle Sonaten dieser Zeit waren für das Hammerklavier konzipiert – freilich nicht in diesem Umfang und mit diesem aufführungstechnischen Schwierigkeitsgrad. Das Werk – so könnte man das Motto auf heutigen Umgangston nachjustieren – war schlicht und einfach „der Hammer“ für die damalige Vorstellung einer Klaviersonate.

Ich zögere nicht, Oppitz’ Wiedergabe als eine seiner stärksten Leistungen auf Tonträgern hervorzuheben: packend, beherrscht im Eröffnungssatz, pikant und fintenreich im Scherzo, weit ausholend, aber niemals schläfrig in den „Sostenuto“-Weiten des (zu Recht auch „appassionato“) empfundenden Adagios und mit atemberaubender Brillanz in den polyphonen Logikwirrnissen des Fugenfinales. Der erwähnte langsame Satz darf nicht zu flott gehandhabt werden, wie seit Neuestem auf einer polnischen CD zu hören ist. Jezior Oskar heißt der junge, an sich sehr begabte Pianist, der diesen Satz wie ein verlängertes Andante favori aus den Ärmeln gleiten lässt.

Hier halte ich mich an Oppitz, fühle mich insgesamt verantwortungsvoll unterrichtet und bei der „Lektüre“ in eine Stimmung versetzt, die ich mit „bester Beethoven-Laune“ umschreiben möchte.

Vergleichsaufnahme: Sonate op. 106: Oskar (Polske Nagrania / Muza PNCD 872).

Peter Cossé † [29.05.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Klaviersonate Nr. 22 F-Dur op. 54 00:11:14
3Klaviersonate Nr. 24 Fis-Dur op. 78 00:09:54
5Klaviersonate Nr. 29 B-Dur op. 106 (Hammerklaviersonate) 00:46:47

Interpreten der Einspielung

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