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CD-Besprechung

Naxos 8.110325-27

3 CD • 3h 18min • 1954

15.03.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Dies ist eine von jenen Aufnahmen, die so einseitig von einem künstlerischen Monolith dominiert und zeitlos geprägt sind, dass sie schon allein deshalb einen dauerhaften Platz im Opern-Olymp sicher haben. Keine Frage, wer damit gemeint ist: Maria Callas in ihrer ersten Studioaufnahme jener Partie, die mit ihrem Namen in vielerlei Hinsicht eng verknüpft ist: als ihre eigentliche Signaturrolle, noch vor Lucia und Violetta, als ihre vielleicht wichtigste stilbildende oder besser: stilregenerierende Kreation. Gemessen an ihrem künstlerischen Ausnahmerang verblassen die übrigen drei Protagonisten zur durchschnittlichen oder allenfalls passablen Entourage: Ebe Stignani als Adalgisa verfügt zwar an ihrem Karriereende immer noch über einen klangschönen Mezzosopran, unüberhörbar sind aber ihre problematische Agilität und ihr allzu pauschaler Vortragsstil. Schon bei seinem ersten Auftritt „Ite, sul colle, o Druidi“ irritiert Nicola Rossi-Lemeni als Oroveso durch Intonationsunsicherheiten und forcierte Töne. Mario Filippeschis fanfarenhafte Höhe (bis zu einem brillanten C in „Meco all’altare di Venere“) entschädigen nicht für sein konstantes Nonlegato und Dauerforte. Auch Tullio Serafin wird hier seinem Ruf als kongenialer Sängerbegleiter kaum gerecht. Seine Gangart durch Bellinis Meisterwerk ist geprägt von zu viel äußerlicher Theatralität und zu dramatisierendem Zugriff.

Maria Callas hingegen schreibt wahrhaft Opern- und Schallplattengeschichte. Um ihre innovative – oder noch einmal sei`s gesagt, besser: historisch rekonstruierende – Lesart der Titelpartie zu ermessen, muss man sich vergegenwärtigen, wie damals diese Rolle interpretiert wurde: ohne Rücksicht auf die Koloraturfeinheiten der Musik, mit übertriebenem forte-Einsatz, mit Blick auf eine veristisch geprägte Überexpressivität, häufig nach unten transponiert und aller farblichen und dynamischen Feinheiten beraubt. Maria Callas’ Interpretation von „Casta diva“ oder „Ah! bello a me ritorna“ muss damals wie ein Mirakel gewirkt haben – umso mehr, als sie ja durchaus stimmliche und gesangstechnische Grenzen hatte. Genauso wichtig wie die rein gesanglichen Aspekte ihrer Leistung sind die stilistischen: sie hat der Norma den „stile sublime-tragico“ – um ein Wort Bellinis zu gebrauchen – zurückgegeben. Sie hat dieser Priesterin einerseits wieder die Aura einer unanfechtbaren göttlichen Prophetin verliehen, andererseits ihr aber ihre Fraulichkeit, ihre Femininität und ihre Emotionalität – mit allen Widersprüchlichkeiten - bewahrt. Gerade der Norma innewohnende Widerstreit zwischen wütenden Hassausbrüchen und herzzerreissenden Leidakzenten wird von Maria Callas in unerreichter Weise und mit unüberbietbarer Glaubwürdigkeit verkörpert.

Kurt Malisch † [15.03.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Vincenzo Bellini
1Norma (Tragische Oper in zwei Akten)

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