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CD-Besprechung

cpo 999 915-2

2 CD • 2h 02min • 2002

04.02.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Händels vorletzte Oper hat eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte: Bereits im September 1738 brachte der Komponist die wesentlichen Teile des Imeneo zu Papier, doch es kam zu keiner Aufführung. Im kommenden Frühjahr wandte Händel sich erneut dieser Partitur zu und änderte die Partien zum Teil erheblich, offenbar im Hinblick auf eine neue Solistenriege. Doch auch diesmal gelangte das Werk nicht auf die Bühne. Erst im Oktober 1740 war es soweit, allerdings nicht ohne weitere Eingriffe in den ursprünglichen Notentext. In jener Saison kam es zu nur zwei szenischen Aufführungen. Zwei Jahre später erklang Imeneo noch einmal konzertant in Dublin (wiederum in einer starken Überarbeitung), und dies sollte die letzte Darbietung eines italienischen Bühnenwerkes unter Händels eigener Leitung sein – der Komponist sah bekanntlich in der Oper keine Zukunft mehr und hatte mit dem englischen Hördrama eine erfolgreiche Alternative etabliert.

Mit gut zwei Stunden ist Imeneo eine ungewöhnlich kurze Oper; in zeitgenössischen Berichten wird sie daher auch „operetta“ genannt, und konzertant erklang sie als „serenata“. Zudem ist die Handlung ungewöhnlich einfach und klar, fast privat und nur mit Mühe im Heroisch-Mythologischen anzusiedeln. Doch die Musik ist – wie nicht anders zu erwarten – erstklassig und inspiriert, weswegen das Werk auch ohne Inszenierung sehr gut wirkt. Bisher gab es nur eine Gesamtaufnahme auf CD, und die würfelte die verschiedenen Fassungen der Arien und Rezitative munter durcheinander. Überdies konnte das musikalische Konzept des Amerikaners Rudolph Palmer nur mit starken Einschränkungen überzeugen.

Um so willkommener ist daher Andreas Sperings Einspielung, die erstmals die Londoner Fassung von 1740 in Gänze präsentiert, und zwar auf einem deutlich höheren spiel-, sanges- und klangtechnischen Niveau als die inzwischen 17 Jahre ältere Konkurrenzaufnahme.

Um die Einschränkungen vorwegzunehmen: Obwohl die Capella Augustina (das Orchester der Brühler Schloßkonzerte) zweifellos über mehr Routine und Souveränität verfügt als seinerzeit Palmers Ensemble, unterlaufen auch ihr einige unkultivierte Töne, und die Ouvertüre des Stückes, deren Fugato aus dem Concerto grosso op. 6 Nr. 9 hinlänglich bekannt ist, sollte man heute nicht so lieblos durchhecheln, wie es die Capella Augustina es tut. Auch scheinen einige von Sperings Tempowahlen fragwürdig: Nie und nimmer ist bei ihm das tiefsinnige Terzetto Consolami, mio bene (CD 2, Tr. 13) ein Larghetto.

Davon abgesehen kann man der Interpretation nur hohes Lob zollen. Die Solisten passen stimmlich gut zu ihren Rollen, sind untereinander ausgewogen und übertreiben in der Ausgestaltung des Dramas nicht, sondern achten auf eine sorgfältige Detailgestaltung. Vom Komponisten etwas bevorzugt ist dabei Ann Hallenberg, die als Tirinto einen sehr guten Kastratenersatz abgibt.

Das Klangbild ist etwas eng und wenig brillant. Dies entspricht sicherlich einer trockenen Theaterakustik; für eine CD-Produktion könnte man sich allerdings einen offeneren Raumklang wünschen.

Dr. Matthias Hengelbrock [04.02.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Friedrich Händel
1Imeneo HWV 41 (Dramma per musica in tre atti)

Interpreten der Einspielung

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