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CD-Besprechung zum Thema
Nordische Symphonik

Ondine ODE 1006-2

1 CD • 65min • 2001, 2002

09.06.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Diese Produktion mit Werken des schwedischen Komponisten Anders Hillberg (* 1954) bereitet große Freude beim Hören. Esa-Pekka Salonen, der selbst Komponist ist, hat mit Hillborg gemeinsam studiert und setzt hier einer 20jährigen Freundschaft ein Denkmal, wie man es sich schöner kaum denken kann. Das 1998 von Martin Fröst uraufgeführte Klarinettenkonzert ist schnell zu einem viel gespielten Werk geworden. Die hohe Qualität dieser klang-sinnlichen, ansprechenden Musik teilt sich auch in der Produktion mit diesem Solisten mit, dem das Werk auch gewidmet ist. Hillborg stellt beredte, virtuose Phrasen und emphatische Ausbrüche in einen Kontext aus Anspielungen und Allgemeinplätzen. Wie selbstverständlich stehen minimalistisch anmutende Passagen neben jazzigen Breaks, die geradezu von Benny Goodman oder aus Gershwins Rhapsody in Blue herbeigeflogen sein könnten. Möglicherweise verbirgt sich in dieser Musik eine Ebene semantischer Anspielungen, zu der der Komponist im Booklet zwar nicht Stellung nimmt, die aber doch hörbar wird – auch ein unbedarfter Hörer fragt beispielsweise nach der Bedeutung, wenn in Tr. 1, ca. 6’00, der Klarinettist vernehmlich die große Arie des Cavaradossi aus Puccinis Tosca zitiert. Auch der Untertitel Peacock Tales (Pfauen-Erzählungen) deutet auf eine solche inhaltliche Ebene.

Eine besondere Geschichte hat auch das zehnminütige Orchesterwerk Liquid Marble (Flüssiger Marmor/1995): Hillberg dachte bei der Komposition eigentlich an Vulkane und Magmaströme; doch denkwürdig wurde die Uraufführung bei den Londoner Proms 1997 durch die Nachricht des Todes von Lady Diana am gleichen Tage. So wurde das vom Schwedischen Rundfunk Orchester nach einer Schweigeminute und Elgars Nimrod gespielte Werk zum Ventil für die Trauer und Wut des britischen Publikums. Das der Solistin dieser Aufnahme, Anna Lindal, gewidmete Violinkonzert (1999/2000) beweist ebenfalls eindrucksvoll, dass auch in unseren Tagen weniger bekannte Komponisten fernab des Mainstream-Geschmacks vorzügliche,unmittelbar anrührende und zugleich innovative neue Musik schreiben können, die einen manchen großen Namen der Szene rasch und gern vergessen läßt.

Die rastlose Motorik dieses Konzertes ließ mich spontan an Lemminge als Synonym für den modernen Menschen denken: Nach dem weiten Ruhepunkt folgt eine fulminante Steigerung, die sogartig die Bewegungselemente verdichtet, aber nicht in eine Kulmination, sondern in eine Implosion mündet, in der sich kleine Motive immer wieder „über die Klippe stürzen“ – ein bestürzendes Werk.

Dr. Benjamin G. Cohrs [09.06.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anders Hillborg
1Konzert für Klarinette und Orchester (Peacock Tales)
2Liquid Marble
3Violinkonzert

Interpreten der Einspielung

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