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CD-Besprechung

harmonia mundi HMC 901796.98

3 CD • 3min • 2002

28.07.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 1

Der Ärger beginnt schon in der Ouvertüre, die René Jacobs neu instrumentiert, obwohl an Händels Vorstellungen eigentlich kein Zweifel bestehen kann. Und so geht es munter weiter: Kaum eine Arie oder ein Rezitativ vergeht, ohne daß der Dirigent kräftig in der Partitur herumpfuscht. Da werden Instrumente hinzugefügt, Harmonien geschärft, Übergänge erfunden und die Melodien so weit verändert, daß man nicht mehr von Verzierungen, sondern nur mehr von einer Umkomposition sprechen kann. Jacobs rechtfertigt sein Vorgehen im Beiheft sehr ausführlich unter der Überschrift: „In einer Zauberoper wird gezaubert“, doch seine Argumentation, die eher auf Monteverdis Zeit zutrifft, kann ebenso wenig überzeugen wie das musikalische Ergebnis. Zu laut, zu ungehobelt geht es allenthalben zur Sache, und Jacobs lenkt den Blick nicht auf Händel, sondern voller Eitelkeit auf sich selbst, so als ob er der große Zauberer wäre. Dabei verschweigt er sogar, daß der Einsatz von Kastagnetten in der Szene der Sirenen (CD 2, Tr. 8) auf eine Idee zurückgeht, die Jean-Claude Malgoire schon vor 26 Jahren präsentiert hat.

Hinzu kommen einige fragwürdige Entscheidungen bezüglich der Tempowahl: Almirenas berühmtes Lascia ch’io pianga (CD 2, Tr. 11) ist zäh und kommt nicht von der Stelle, während der Mittelteil von Armidas Ah, crudel! (CD 2, Tr. 22) die Solistin Hals über Kopf davonstürzen läßt – Händels „presto“ wird hier ohne Grund als „prestissimo“ ins Extrem gezogen, wie auch die Cembaloimprovisationen in der Schlussarie des zweiten Aktes den guten Geschmack weit übersteigen. Wie schade, daß René Jacobs, dem wir so viele exzellente Operneinspielungen (auch in Sachen Händel) verdanken, hier über das Ziel hinausgeschossen ist! Denn sein Solistenteam leistet erstklassige Arbeit und ist stimmlich ausgesprochen attraktiv. Wer allerdings den Herold singt (CD 1, Tr. 6), geht aus dem Beiheft nicht hervor – dem Timbre nach zu urteilen, könnte es sein, daß Jacobs diese kleine Rolle selbst übernommen hat.

Erst vor gut zwei Jahren hat Christopher Hogwood eine mustergültige Aufnahme von Händels Rinaldo vorgelegt (Decca). Hogwoods Solistenriege ist mindestens so handverlesen und ausgezeichnet wie die von Jacobs, doch seine Interpretation ist klanglich schöner und dramaturgisch wesentlich ausgewogener. Jacobs dokumentiert hier, daß er Extreme schätzt. So wird er gegen eine extreme Gesamtbewertung seiner Leistung nichts einzuwenden haben.

Dr. Matthias Hengelbrock [28.07.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Friedrich Händel
1Rinaldo HWV 7

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