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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3376

Franco Alfano

ital. Komponist

* 08.03.1875 Posillipo bei Neapel
† 27.10.1954 San Remo

Der italienische Komponist Franco Alfano wurde am 8. März 1875 (oder 1876) in Posillipo bei Neapel geboren. In Neapel studierte er zunächst privat Klavier, besuchte dann das Conservatorio di San Pietro a Majella (Harmonielehre, Komposition) und ging 1895 an das Konservatorium nach Leipzig. Dort begegnete er Edvard Grieg, den er sehr verehrte. Zunächst reiste er als Klaviervirtuose und komponierte Klavier- und Orchesterwerke. Von Leipzig führte sein Weg nach Berlin, Paris, Moskau bis er 1904 nach Turin zurückkehrte. Seine Opernversuche waren bis dato nur von mäßigem Erfolg erfolgt gekrönt, erst mit der Uraufführung seiner Oper Risurrezione (nach Tolstoi) am 30. November in Turin wurde er weltberühmt. Größeren Ruhm als die Kompositionen seiner Opern und Klavierwerke trug ihm allerdings seine Arbeit an Puccinis Turandot (1925) ein. Er vollendete die Oper anhand von hinterlassenen Skizzen und auf Vorschlag des Dirigenten Arturo Toscanini. Das von Alfano vollendete Finale der Oper Turandot ist seitdem zu dessen meistgespieltem Werk geworden. 1923 wurde er Leiter des Lico Musicale Giuseppe Verdi in Turin und 1940 Intendant des Teatro Massimo in Palermo. Als Komponist ist Franco Alfano ein Vertreter einer gemäßtigten Moderne. Er starb am 27.Oktober 1954 in San Remo.

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Text

Ausgrabung des Jahres

Franco Alfano: Cyrano de Bergerac

Franco Alfano? Experten erinnern sich, daß dieser Komponist die unvollendete Turandot seines Kollegen Giacomo Puccini mit Fingerspitzengefühl komplettiert hat. Dieser Alfano (1875-1954) war eine bedeutende Persönlichkeit im italienischen Musikleben. Er verschwand zu Unrecht in der Versenkung, wie die 1936 in Rom uraufgeführte Oper Cyrano de Bergerac zeigt. Die Kieler Wiedergabe dürfte die Ausgrabung, ja die Entdeckung des Jahres sein.

Drei Faktoren tragen dazu bei. Erstens ist das Sujet des Dichters mit der großen Nase eine eindringliche Metapher für Sein und Schein im Leben. Dann gelang dem Praktiker Alfano eine Partitur, die auf dem Verismo basiert, doch den Impressionismus eines Debussy ebenso integriert wie Erzähl- und Beschreibungsstrukturen etwa von Strawinsky. Schließlich fesselt die Realisierung musikalisch und szenisch.

Allerdings bleibt von Edmond Rostands „Heroischer Komödie“ am Ende nichts mehr übrig. Denn Alexander von Pfeil nimmt vom Barock des ersten Aktes immer stärker Kurs auf die Gegenwart: Die fechtenden Gascogner mutieren zu abgerissenen Fremdenlegionären mit Gewehr, das Finale hält auf leerem Terrain dem Publikum den Spiegel der alkoholisierten Spaßgesellschaft vor. Da wird die Sicht denn doch etwas banal, daß heute kein Platz mehr ist für Lyrik und Liebe.

Der Regisseur mißtraut Heldentum und Sentimentalität. Er bricht die Kulinarik der Oper, indem er viele Köche aufmarschieren läßt; sie verderben aber nicht den Brei. Er läßt die Gascogner fechten, was das Zeug hält. Er konzentriert sich auf die Personenregie, da ihm Bernd Damovskys Abstraktion (schräges Geviert, kahler Vorhang, nackte Bühne) nichts in den Weg stellt. Und er schafft es im dritten Bild, wenn Alfanos Musik so schön und bitter schwelgt wie die Puccinis, daß die Melodramatik nicht überbordet.

Hier, wenn Cyrano für den linkischen Christian die Liebesworte bei Roxane findet, kulminiert die Partitur - und lassen Manuela Uhl (Roxane), Paul McNamara (Christian) und Roman Sadnik (Cyrano) das Melos wunderschöne Höhenflüge antreten. Uhl und Sadnik geben ihren Stimmen nicht nur Flügel, sondern ihren Rollen auch Profil - vor allem der Wiener Tenor, der mit jeder Geste hinter die Raufbold-Fassade blicken läßt, wo Liebe, Ehrhaftigkeit und Entsagen wohnen.

Ein engagiertes Ensemble samt Chor und großer Statisterie ohne Fehl und Tadel und die von Markus Frank zu ganz dichtem Musizieren - im Filigran wie im massierten Klang - geführten Philharmoniker runden die drei Stunden zu dem erhofften Erfolg. Dieser Cyrano ist eine Reise unbedingt wert (16., 22., 25., 30. Mai sowie 2., 7., 16. und 25. Juni). Wer auf das Optische verzichten muß, kann Alfanos Werk am 8. Juni um 19.30 Uhr im Rundfunk vernehmen: DeutschlandRadio hat die Kieler Produktion aufgenommen (und 16 weitere europäische Rundfunkanstalten werden sie noch bis November ausstrahlen).

Günter Zschacke [15.5.2002]

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