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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3618

Ermanno Wolf Ferrari

* 12.01.1876 Venedig
† 21.01.1948 Venedig

Ermanno Wolf-Ferrari wurde am 12. Januar 1876 als Sohn eines deutschen Kunstmalers und einer italienischen Mutter in Venedig geboren. Bereits seit früher Kindheit zeigte sich seine außerordentliche musikalische Begabung. Zunächst studierte er Malerei in Rom, siedelte aber nach München über, um an der Akademie der Tonkunst Komposition zu studieren. Dort war er Schüler von Joseph Rheinberger. Mit 21 Jahren wurde er Chordirektor in Mailand. 1902 entstanden sein Oratorium La vita nuova und seine erste Oper Aschenbrödel. Von 1902 bis 1909 war er Leiter des Konservatoriums in Venedig, anschließend zog er wieder nach Deutschland um und lebte bei München. Dort entstanden neben zahlreichen Orchester-, Kammer- und Vokalmusikwerken die heiteren Opern, die ihn berühmt machten: Die neugierigen Frauen (1903), Die vier Grobiane (1906), Susannens Geheimnis (1909), Die schalkhafte Witwe (1931), Campiello (1939) und Das dumme Mädchen (1939). Er gilt als Erneuerer der opera buffa. Wolf-Ferrari starb am 21. Januar 1948 in Venedig.

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Text

Fabio Luisi

Interview zu "Sly"

Herr Luisi, warum haben Sie Wolf Ferraris „Sly“ für Ihre konzertanten Opernaufführungen ausgewählt?

Warum nicht? Es ist ein sehr schönes romantisches Sujet. Von der Operndramaturgie her sehr interessant und abwechslungsreich. Vor allem deshalb haben wir uns dazu entschlossen. Noch dazu erfährt Sly ja in den letzen Jahren eine Renaissance – auch dank José Carreras’, CD-Einspielung.

Verlangt aber diese Oper nicht geradezu auch nach einer szenischen Umsetzung?

Jede Oper verlangt nach Szene, aber wenn man sich einem Komponisten wie Wolf-Ferrari widmet, dann kommt man an seinen Opern nicht vorbei. Das gilt nicht nur für Sly. Ob sich diese Oper aber etablieren wird, das ist allerdings die Frage.

Denken Sie, daß Wolf-Ferrari eine Zukunft auf der Bühne hat? Oder ist er, um mal ein Vorurteil zu bemühen, zu harmlos?

Nicht harmlos, seine Opern sind schon sehr gekonnt komponiert. Was ihm aber fehlt, ist der populäre oder populistische Zug, der ihn beim Publikum bekannt und populär macht. Andererseits ist seine Musik sehr raffiniert – gerade wenn man beispielsweise an Campiello denkt. Das ist sehr transparent und für Stimmen komponiert. Die Sänger jedenfalls singen so etwas sehr gern. Wolf-Ferraris Opern lassen sich eigentlich auch wunderbar inszenieren, weil es dramaturgisch reife Stücke sind, die man gerne sieht und hört. Aber daß sie im Gedächtnis haften bleiben, glaube ich nicht, weil der geniale Melodiefluß fehlt, der eben auch für deren Akzeptanz wichtig ist.

Wie weit kann man sich bei konzertanten Aufführungen auf eine Interpretation einlassen?

Das Hineingeraten in die Tiefe des Stückes wird natürlich von der szenischen Interpretation vorgegeben. Wir haben als Basis unserer Arbeit nur die Partitur und – sozusagen als Sekundärquelle – die Sänger und die Instrumentalisten. Wir können in einer konzertanten Aufführung keine versteckten Hinweise geben, also etwas besonders ausleuchten oder außer acht lassen, was in einer szenischen Aufführung durchaus möglich wäre. Daher glaube ich, man sollte sich schon mit dem Stück beschäftigen und es als ein musikgeschichtliches Phänomen betrachten. Als ein Angebot für den Zuhörer.

.... für eine Inszenierung im Kopf?

Genau: wir bieten die Grundlage und jeder soll sich angeregt fühlen darüber nachzudenken. Bei Sly zum Beispiel darüber, was das Gesellschaftskritische dabei ist oder was die Rolle des Künstlers heute betrifft. Jeder kann damit machen was er will und wenn er sich dann eine szenische Realisierung wünscht, umso besser.

Sie haben jetzt Ihren Lebensmittelpunkt in Leipzig – ein Italiener in Deutschland. Kommt daher vielleicht eine besondere Affinität zu Wolf-Ferrari, der ja auch in beiden Kulturen zu Hause war?

Nein, das ist mehr Zufall.

Herr Luisi, Sie sind ja auch ein hochgeschätzter Operndirigent – in Wien etwa mit Ihrem Nabucco gefeiert und schon für zwei weitere Produktionen verpflichtet. Ihre Ambitionen in Sachen Musiktheater gehen also über die konzertanten Aufführungen mit dem MDR Sinfonieorchester hinaus?

In Wien arbeite ich besonders gerne, es ist eine Freude da zu arbeiten. Ich werde dort in der nächsten Saison Donizettis Favorita machen und in der folgende mit Verdis Falstaff eröffnen. Das ist schon Ausdruck der Wertschätzung für meine Arbeit. Als Operndirigent kann ich mir aussuchen, was ich machen will und mich entfalten. In Deutschland wird sich da die Zusammenarbeit vor allem mit Dresden verstärken.

Hagen Kunze [2.12.2002]

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Mozart Redivivus

Ermanno Wolf-Ferrari (1876–1948)

Ihm gebührt das Verdienst, die überkommene, im 20. Jahrhundert als unzeitgemäß verschrieene Form der Opera buffa geistvoll erneuert zu haben. „Warum schimpfen manche ,Neuerer’ auf die ganze Vergangenheit? Kann man sich einen Heiligen denken, der auf alle Heiligen, die vor ihm gewesen sind, schimpft?“ Zweifellos war es eine rhetorische Frage, die Ermanno Wolf-Ferrari sich da stellte.

[Susanne Stähr, 1.3.1999]weiterlesen ...

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