Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3618

Georges Bizet

franz. Komponist

* 25.10.1838 Paris
† 03.06.1875 Paris

Georges Bizet, der Schöpfer der weltberühmten Oper Carmen, wurde am 25. Oktober 1838 in Paris geboren. Bereits mit neun Jahren wurde Bizet Schüler des Pariser Konservatoriums, mit 16 Jahren schrieb er seine erste Symphonie in C-Dur. Sie blieb unbekannt bis sie 1933 in den Archiven der Pariser Konservatoriumsbibliothek gefunden wurde, wo die Partitur von Reynaldo Hahn hinterlegt worden war, der sie wiederum von Bizets Witwe erhalten hatte. Ihre Erstaufführung erlebte sie am 26. Februar 1935 unter der Leitung von Felix Weingartner, sie wurde als ein frühes Meisterstück gefeiert. Im Konservatorium studierte Bizet bei Fromental Halévy, dessen Tochter Geneviève er 1869 heiratete. Als Halévy 1862 starb, hinterließ er seine letzte Oper Noé als Fragment, die Bizet vollendete. Das Werk wurde jedoch erst 1885, zehn Jahre nach Bizets Tod, aufgeführt. Bizet war auch ein ausgezeichneter Pianist, der in der Lage war, anlässlich einer Soirée im Hause Halévys ein kompliziertes Stück von Franz Liszt, der ebenfalls anwesend war, fehlerfrei vom Blatt zu spielen. 1857 gewann er mit der Komposition der einaktigen Operette Le docteur Miracle einen Teil eines von Jacques Offenbach gestifteten Preises. Außerdem gewann er den Rompreis, der mit einem dreijährigen Studienaufenthalt in Rom verbunden ist. Dort schrieb er neben einigen anderen Werken auch sein bedeutendes einziges liturgisches Werk, das Te Deum (1858). Die Partitur des Te Deum blieb allerdings bis 1971 unveröffentlicht. Kurze Zeit, nachdem Bizet nach Paris zurückgekehrt war, starb seine Mutter. Im Jahr 1863 komponierte er für das Théâtre Lyrique die Oper Les pêcheurs de perles (Die Perlenfischer), anschließend die Oper La jolie fille de Perth (1867 im Théâtre Lyrique uraufgeführt), die allerdings nur mäßigen Erfolg hatten. Die populäre L’Arlésienne war ursprünglich eine Gelegenheitskomposition, aus der Bizet schließlich eine Suite machte (Uraufführung am 10. November 1872). Am 22. Mai 1872 wurde die einaktige Opéra comique Djamileh uraufgeführt, das wohl bekannteste Werk von Bizet aber, die Oper Carmen (1875), wurde zunächst vom Publikum nicht gut aufgenommen. Den durchschlagenden Erfolg aber, der Carmen zu einem der populärsten Werke der gesamten Opernliteratur machte, erlebte Bizet jedoch nicht mehr. Nur drei Monate nach der Uraufführung von Carmen, am 3. Juni 1875, an seinem sechsten Hochzeitstag, starb er im Alter von 36 Jahrenan einem Herzanfall. Er wurde auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris begraben. Noch kurz vor seinem Tod war Bizet zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden.

Biographie Diskographie [38] Texte [2] Werke [89]

Text

Golo Berg zur Neuinszenierung von Bizets Carmen

KLASSIK HEUTE: Welche Textfassung verwenden Sie für die Neuinszenierung von Bizets Carmen am Anhaltischen Theater in Dessau?

Golo Berg: Für unsere Arbeit dient die Felsenstein-Fassung als Grundlage.

Walter Felsenstein hat ja zwei Textfassungen erstellt: eine Rezitativ- und eine Dialog-Fassung. Welche der beiden verwenden Sie?

Ich habe mich mit der Rezitativ-Fassung nicht weiter befaßt, weil sie für mich nicht in Frage kommt. Sie kommt deshalb nicht in Frage, weil sie hergestellt wurde, um der Carmen damals vor mehr als 100 Jahren den Weg weiter zu ebnen. Sie hat aber das Stück auch sehr verändert und weggeführt von den Ursprüngen, die es hatte, nämlich der Opéra comique. Die Rezitativ-Fassung weicht die Unmittelbarkeit und die Schärfe des Originalwerks von Bizet doch sehr auf, z.B. das Nebeneinander von sehr weit voneinander entfernten Tonarten. In der Rezitativ-Fassung wird da natürlich vermittelt und moduliert, auch viele unerlässliche Dialog oder melodramatische Stellen im Werk – die es sowieso gibt bei Bizet -, erscheinen als nichts Besonderes mehr, wenn man ohnehin Rezitative hätte.

Nun ist eine Übersetzung immer ein Kompromiß, besonders eine Übersetzung vom Französischen ins Deutsche, da diese Sprachen von der Betonung her doch sehr unterschiedlich sind. Wie gehen in der Felsenstein-Fassung Text und Musik zusammen? Mußten Sie Änderungen vornehmen?

Eine Übersetzung ist natürlich immer eine Änderung. Man kann dabei nur versuchen, entweder nah an einer wirklichen Übersetzung zu bleiben, das ist manchmal aus musikalischen Gründen nicht möglich, oder zumindest inhaltlich das zu erfassen, was ein Librettist oder ein Komponist vorhatte. Dabei ist der Übersetzer gleichzeitig auch ein Mitinterpret, das läßt sich gar nicht vermeiden, denn jede Übersetzung ist eine Interpretation.

Die grundsätzliche Entscheidung für die Felsenstein-Übersetzung beinhaltet natürlich auch eine Richtung, die man der Inszenierung dabei gibt. Die Walter Felsenstein-Fassung ist die Grundlage unserer Übersetzung, wir haben sie aber weiter adaptiert und angepaßt, auch unserer konzeptionellen Richtung angepaßt. In diesem Sinne ist sie auch zu verstehen, in diesem Sinne finde ich sie auch gelungen und verwendbar.

Bizets Oper Carmen war ja konzipiert als eine Opéra comique, sie sagten es bereits. Sehen sie in dem Werk auch einen Bruch mit der Opéra comique?

So einfach ist es nicht. Ich denke, daß Bizet die Form der Opéra comique benutzen, aber sie doch mit einem neuen Inhalt füllen wollte. Es ist natürlich kein Singspiel im deutschen Sinn geworden, das liegt auf der Hand, es ist aber auch keine Grand Opéra, und das ist der große Fehler, den viele heute noch begehen, diese Oper aufplustern zu wollen zu einem großen, rauschenden, gerne auch in Folklore schwelgenden Opernabend. Das ist eben nicht gemeint, sondern Bizet wollte die Glaubwürdigkeit, die die Opéra comique automatisch vermittelt. – auch durch ihre Textbehandlung: die Opéra comique in Frankreich hebt sich auch hervor durch die Genauigkeit und Schärfe der Textbehandlung. Und ich denke, es war dieses Bemühen um Glaubwürdigkeit, das Bizet angetrieben hat, die Form der Opéra comique zu wählen, wenngleich er diese Form im selben Akt auch sprengt oder doch zumindest erweitert.

Wodurch sprengt er diese Form?

Er sprengt sie einfach durch seine unerhörte musikalische Sprache, etwa durch das Nebeneinander der Tonarten. Er ist nicht jemand gewesen, der irgendetwas Vermittelndes getan hat, der versucht hätte, Kontraste aufzuweichen oder zu verstecken, ganz im Gegenteil. Es ist ja eine ungemein drastische Sprache, die er dabei spricht. Gleichzeitig ein Realismus, der zur damaligen Zeit auch viele Gegner und Kritiker auf den Plan gerufen hat. Wenn man sich die doch sehr unterschiedlichen Kritiken der Uraufführung ansieht, dann bemerkt man auch einen ganz großen Anteil von Kritikern, die große Zweifel hatten.

Was ist die Charakteristik der musikalischen Sprache bei Bizet in diesem Werk?

Die Musik zu charakterisieren ist in wenigen Sätzen nicht möglich, da sie zu vielgestaltig ist. Das ist ja auch, was uns dabei so besonders interessiert, wie unterschiedliche Ausdrucksformen Bizet findet für unterschiedliche Charaktere und wie unglaublich deutlich, klar und realistisch sie gezeichnet sind. Und in gleicher Weise fängt er auch Atmosphäre ein auf eine Art, die ich gar nicht folkloristisch finde. Ich war immer sehr skeptisch beim Anblick dieser „Kostümfeste“, beim Anblick dessen, was man in Deutschland für zigeunerhaft hält. Natürlich ist das keine authentische spanische Musik, die Habanera hat – wenn man so will – kubanischen Ursprung. Es ist eher so, daß Bizet einen Topos geschaffen hat und daß Carmen heute für uns für das Spanische steht, aber es ist genau so wenig original spanisch, wie Karl Mays Wilder Westen authentisch war.

Lassen Sie uns zum Ende noch kurz ein Wort zur Regie sagen. Glauben Sie, in der Neuninszenierung stellen sich musikalische Umsetzung und Regiekonzept wie aus einem Guß dar? Wie gestaltete sich der gestalterische Weg der theatralischen Umsetzung?

Das war ein steiniger Weg. Das Regiekonzept ist sehr ungewöhnlich. Das ist aber wiederum nicht so überraschend, nachdem es auch von Peter Brooks oder Harry Kupfer Versionen des Stoffes gab, die sehr frei damit umgingen. Also ist es nicht so ungewöhnlich, daß man sich als Pionier fühlen müßte auf dem Gebiet. Aber die Regiefassung fordert von der musikalischen Seite ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, und das entwickelt sich natürlich auch erst im Laufe der Zeit. Ich denke, daß wir jetzt eine Fassung auf die Bühne bringen, die mehr oder weniger konsequent einen Gedanken fortsetzt, den Bizet damit angefangen hat. Das Werk erscheint nicht in der Originalgestalt auf der Bühne – also es gibt doch ziemlich umfangreiche Streichungen, die es auch ermöglichen, dass wir das Werk ohne Pause spielen - was wiederum doch sehr selten passiert, andererseits aber auch gewährleistet, dass das Publikum und jeder einzelne Zuschauer ohne Ablenkung oder Brüche sich in dieses Werk hineinbegibt. Auslöser für all diese Gedanken und Streichungen war, den Fokus zu richten auf dieses menschliche Drama, das sich letztendlich zwischen zwei, maximal vier Personen abspielt und Ablenkendes nicht zuzulassen, sondern das Werk in unserer Version, die wir hier auf die Bühne bringen, so darzustellen, dass wir sehen, was passiert etwa zwischen José und Carmen.

Das Regiekonzept ist in vieler Hinsicht wirklich kompromisslos unter diesen Voraussetzungen, nämlich vor allem der der absoluten Glaubwürdigkeit und Konzentration und der unbedingten Vermeidung aller Hohlheiten, alles Folkloristischen, was das Publikum ja auch goutiert bei dem Stück, aber eben auch ablenkt von dem, worum es eigentlich geht.

Glauben Sie denn, dass durch dieses Regiekonzept auf der musikalischen Seite Wesentliches verlorenging?

Nein. Überhaupt nicht. Die Gewinnseite ist bei weitem die größere, denn ich glaube, dass das Ganze unglaublich an Stringenz gewinnt und das ist auch die Intention, die ich am Regiekonzept erkenne. Natürlich werden viele bedauern – und das ging mir am Anfang auch so -, dass beispielsweise das Schmuggler-Quartett nicht gespielt wird. Das ist sicher ein ganz gewaltiger Eingriff in die musikalische Gestalt des Werkes und das ist sicher auch auf der Verlustseite aufzuführen, aber ich glaube, daß das, was wir gewonnen haben, weitaus schwerer wiegt.

Josef Manhart [16.6.2003]

weitere Texte

"Carmen" auf der Freilichtbühne am Roten Tor

Auf ins Freie: Wenn andere Stadt- und Staatstheater samt Publikum im Sommer vor sich hinschwitzen, schließt Augsburg das Haus einfach zu und macht vier Wochen Oper open-air. In der Fuggerstadt gehören solche Festspiele zur Grundversorgung, mehr als 2000 Zuschauer faßt die innerstädtische Freilichtbühne am Roten Tor, und die idyllische, von Bäumen gerahmte Festungsanlage ist ein wunderbares Aufmarschgebiet für die Opernhelden und -völker.

[Jürgen Kanold, 30.6.2003]weiterlesen ...

⇑ nach oben

Impressum Kontakt AGBs Datenschutz Haftungsausschluss Mediadaten Sitemap

© Klassik Heute GbR

jpc