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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3618

Arnold Schönberg

* 13.09.1874 Wien
† 13.07.1951 Los Angeles

Biographie Diskographie [60] Texte [2] Werke [148]

Text

Arnold Schönberg und sein Wiener Kreis.

Die unglückseligen Ereignisse des Jahres 1938, der „Anschluß“ seiner Heimat Österreich an Nazi-Deutschland, die beginnende Judenverfolgung, all das hat Arnold Schönberg nur aus der Ferne beobachtet. Bereits fünf Jahre zuvor war er über Paris und Boston nach Los Angeles emigriert. Der Begründer der Zwölftonmusik baute sich dort eine neue Existenz auf. Und die Kinder aus der ersten Ehe mit Mathilde Zemlinsky, der Schwester des bekannten Komponisten, blieben zurück: Georg („Görgi“) und Gertrud („Trudi“).

An Literatur, die Werk und Wirkung des Revolutionärs Schönberg bis zur letzten Note einer umfangreichen Analyse unterzieht, besteht wahrlich kein Mangel. Dünn sieht es eher auf dem rein biographischen Sektor aus: Schönbergs Privatleben – offenbar kein ergiebiges Thema. Ein Buch seines Enkels Arnold Greissle-Schönberg versucht, diese Lücke zu füllen. Greissle-Schönberg, der Sohn „Trudis“, hat eine Autobiographie vorgelegt, die gerade die Vorgänge des Jahres 1938, in seinen Augen offenbar das österreichische Trauma schlechthin, in den Mittelpunkt stellt.

Welches Interesse die musikalische Fachwelt an den Bubenstreichen Greissle-Schönbergs, an seiner ersten Begegnung mit Autos, Radios und Nazis haben sollte, erschließt sich freilich nur auf den zweiten Blick. Was dieses Buch so faszinierend macht, das sind weniger die (in liebenswerter Naivität verfertigten) Plaudereien eines Komponistenenkels, sondern die Schlaglichter, die seine Erinnerungen auf den Charakter Schönbergs und die Familienverhältnisse werfen.

Zwischen öffentlichem und Privatleben klaffte offenbar eine deutliche Lücke: auf der einen Seite Schönbergs Intellektuellenzirkel, in dem er einen fruchtbaren Austausch mit Anton Webern, Alban Berg, Alexander von Zemlinsky oder Oskar Kokoschka pflegte; andererseits die Familie, die – so klingt es bei Greissle-Schönberg – diesen Anforderungen nicht ganz genügte. Auf Sohn Georg ruhten zwar die Hoffnungen des Vaters, der Luftikus mußte sich aber sein Geld als Notensetzer verdienen. Tochter Gertrud heiratete den Schönberg-Jünger Felix Greissle, der ebenfalls Noten stach statt komponierte, später freilich Chef eines amerikanischen Musikverlages wurde.

Wenig vorteilhaft nimmt sich eine weitere Begebenheit für Schönberg aus: Der Komponist zierte sich jahrelang, seine von Judenverfolgung und Armut bedrohte Familie in die USA zu holen. Die rettenden Visa wurden nie beantragt, Gertrud (und mit ihr der Autor) schafften es erst 1938 mit Besuchsvisa über den großen Teich. Greissle-Schönberg läßt durchblicken, daß dafür die zweite Frau des Komponisten, Gertrud Kolisch, verantwortlich war, die wohl einen Schlußstrich unter die „frühere“ Familie ziehen wollte.

Der Enkel, das ehrt ihn, vermeidet jedoch Schuldzuweisungen. Greissle-Schönberg schildert die Vorgänge in einer ungekünstelten, schlichten Sprache, setzt vielmehr (ungewollte?) Hinweise und Zeichen, die sich zwischen den Zeilen verbergen. Und gerade deshalb ist dieses Buch für Musikliebhaber, vor allem aber für die Schönberg-Forschung so beachtenswert.

Markus Thiel [1.10.1998]

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[Benjamin G. Cohrs, 2.12.2002]weiterlesen ...

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