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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3618

Gioachino Rossini

italienischer Komponist

* 29.02.1792 Pesaro
† 13.11.1868 Passy b. Paris

Biographie Diskographie [68] Texte [4] Werke [214]

Text

Alte Intrigen von jugendlicher Frische

Rossinis „Barbier von Sevilla“ in Dessau

Ob Bertas Begehr, ihren griesgrämigen Dienstherrn Doktor Bartolo für sich zu gewinnen, wie die vom vielen Tabakgeruch ständig niesende Haushälterin in ihrer einzigen großen Arie gegen Ende des 2. Akts hoffnungsfroh verkündet, sich erfüllt, lassen Textdichter Sterbini und Komponist Rossini seit der Premiere 1816 in Rom offen. Dass sich die Heiratspläne von Bartolos Mündel Rosina mit dem Grafen Almaviva indes aufs schönste einlösen und wie trickreich die beiden Liebenden das mit des pfiffigen Figaros Hilfe anstellen, macht seit nunmehr 188 Jahren den unverblichen anmutigen Reiz des Barbier von Sevilla aus. Schon 1823, nach europaweiten Übernahmen der Oper, kehrte die amüsante Geschichte auch auf der Dessauer Bühne ein, und dort erlebte sie in Patrick Guinands Regie nun eine weitere Inszenierung. Was der 24jährige Maestro Gioacchino einst angeblich in kaum drei Wochen und einem Anflug von Genie für die römische Karnevalssaison hingeworfen hat, das unterzog Regisseur Guinand einer sorgsam auf so witzige wie logische Spielpointen ausgerichteten Einstudierung. Sie unterhält das Auditorium drei beinah strichfreie Stunden lang trefflich.

Pierre Albert stellt das launige Geschehen in ein sparsames, fast nüchternes Bühnenbild, das alle Aufmerksamkeit den Akteuren sichert. Vor einer in rosiges Licht getauchten Wand mit Tor und Fenster in filigranem Maßwerk maurisch-sevillanischen Kolorits klingt Almavivas Ständchen von der Morgenröte und später seine Canzonetta der Geliebten entgegen. Auch Figaros Faktotum-Arie, illustriert durch vier eifrige Barbiergesellen bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit, züngelt über die leichte Schräge, die während der ganzen Oper für gute Sicht sorgt. Licht modelliert den Balkon, auf dem Rosina erwartet wird und um den herum Bartolo vergeblich den fatal herabgefallenen Brief sucht. Längst hält den der Graf in Händen, plant mit dem gedungenen Barbier das weitere Vorgehen und singt, von Goldblättchen überregnet, sein Glück heraus.

Für alle folgenden Szenen senken sich dreiseitig die weißen Wände eines Zimmers mit dunkelrotem Paneel hernieder, was auch der Akustik bestens bekommt. In der Enge jenes Raums steigert sich das Spiel um Täuschung, Intrige, Bestechung, vermeintliche und ehrliche Liebe mit vielen belebenden, sinnreich erdachten inszenatorischen Einfällen dem endgültigen Chaos entgegen. Patrick Guinand setzt dazu seine Sängerdarsteller häufig tänzerisch in Gang, fügt Text und Musik noch den Bewegungsausdruck hinzu. Dass die inszenierte Konfusion jedoch allzeit kalkuliert und durchsichtig bleibt, ist einer der Vorzüge dieser überaus heiteren Einstudierung. Wohlkomponierte Bilder beschließen jeden Akt. Während des Sextetts der Ratlosigkeit zu Ende des 1. Akts reichen die umstehenden Soldaten angewidert das Barbierbecken von Mann zu Mann, ehe sie zu dem mit seinen Rockschößen flatternden Bartolo hin ihre Knüppel schwingen. Alles erstarrt, als auch noch ein riesiger schwarzer Kater - eine Reminiszenz an einen Vorfall zur Uraufführung in Rom - aus dem Boden auffährt. Zum Finale des 2. Akts rieseln rosafarbene Zettel über alle Beteiligten, auch die salutiernd knieenden Soldaten, bis sich die Zimmerwände um das im Kuss vereinte Liebespaar emporheben und das Licht es vergoldet.

Maßgeblich trägt zum Erfolg des kurzweiligen Abends die Sängermannschaft mit ihrer Spiellaune bei. Christian Baumgärtel ist ein zierlicher, sympathisch aktiver Almaviva von unprätentiöser Jugendlichkeit und mit Bewegungsgespür. Eine Erkältung zwang ihn am Premierenabend zu klug dosiertem Stimmeinsatz, der zwar anfangs die Durchschlagskraft etwas minderte, den kniffligen Koloraturen jedoch nirgendwo Schaden zufügte. Gegen Schluss, im Wissen um das bewältigte Risiko, erreichte sein Tenor makellos strahlende Höhe. Seine Szene als Klavierlehrer mit der beglückten Rosina und vor einem argwöhnischen Bartolo gerät zum Kabinettstück. Als dessen Tochter, kokett wehrhaft, widersätzlich und bis zum Brief im Strumpfband bewusst um ihre Liebe kämpfend, brilliert Sabine Noack in der Mezzo-Fassung der Rosina mit einer dunkel timbrierten, federleicht die Verzierungen nicht nur ihrer berühmten Kavatine auskostenden Stimme. Durch ebenmäßig strömenden Gesangsfluss und überlegene Rollenzeichnung sorgt Ulf Paulsen als übereifrig gestikulierender Dottore mit roter Troddelmütze gerade in seiner stierartigen Rage und den Wortduschen, die sich irrwitzig flink über sein Mündel ergießen, für köstlich komische Momente. Dampf von unten und Zwielicht hüllen ihn und den Basilio Peter Loehles bei der Verleumdungsarie ein. Publikumsliebling ist allemal der umtriebig lebensfrohe, selbstsicher umherwieselnde Figaro, als der Kostadin Arguirov mit Schmalztolle und weißer Blume am schwarzen Kurzfrack behend die Fäden zieht, kraftvoll, in der Höhe bisweilen etwas forciert singend. Kulinarischen Genuss, schmackhaft wie dereinst Rossinis Pastetenkreationen, entfaltet die Partitur in ihrer nimmermüden Melodik unter Markus L. Franks beschwingt ziselierendem Dirigat.

Volkmar Draeger [22.12.2004]

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