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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3618

Gioachino Rossini

italienischer Komponist

* 29.02.1792 Pesaro
† 13.11.1868 Passy b. Paris

Biographie Diskographie [68] Texte [4] Werke [214]

Text

Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ in Dessau

Am Samstag, den 18. Dezember hat Rossinis Oper Der Barbier von Sevilla am Anhaltischen Theater in Dessau Premiere. Für die Inszenierung, die ganz in der Tradition des Hauses in deutscher Sprache auf die Bühne kommen wird, zeichnet Patrick Guinand verantwortlich, die musikalische Leitung liegt in den Händen von Markus L. Frank, das Bühnenbild besorgte Pierre Albert. Im Vorfeld der Premiere sprach KLASSIK HEUTE mit dem Tenor Christian Baumgärtel, der in Dessau in der Rolle des Grafen Almaviva zu erleben sein wird.

KLASSIK HEUTE: Sie werden in Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ die Rolle des Grafen Almaviva singen. Wie legen Sie die Rolle an?

Baumgärtel: Zunächst einmal ist in dieser Rolle nichts Ungewöhnliches zu finden. Graf Almaviva ist ein junger Mann, der – meiner Meinung nach – sehr umtriebig ist und der sich eine Truppe von Leuten zusammengestellt hat, mit der er die jeweiligen Damen bezaubert. Bei der einen nun ist es ihm etwas ernster als bei den anderen, weil es so schwierig ist, sie zu bekommen. Sie reagiert ja zunächst sehr abweisend, bis der Barbier ihm dann hilft, was auch zu gewissen Ergebnissen führt.

Gab es für Sie als Sänger besondere Schwierigkeiten bei bei der Arbeit an dieser Rolle?

Ich habe die Rolle in Dessau zum ersten Mal in deutscher Sprache gesungen. Ich habe sie sonst immer auf italienisch gesungen. Das stellte sich doch als Schwierigkeit heraus, denn es ist tatsächlich sehr viel schwerer als man denkt, gerade in einer Rolle, die man schon öfter gesungen hat, weil man Automatismen entwickelt hat, die überhaupt nicht mehr funktionieren, wenn man die Sprache wechselt.

Können Sie für derartige Automatismen ein Beispiel anführen?

Die Rezitative zum Beispiel. Wenn man gewöhnt ist, ein Rezitativ als Frage und Antwort zu machen, dann hat man plötzlich ganz andere Stichworte. Hinzu kommt, dass die Rezitative musikalisch nicht sehr unterschiedlich sind. Sie gleichen sich ja sehr. Und da muß man sich sehr klar machen, an welcher Stelle man seinen Einsatz hat.

Oder im zweiten Akt, das berühmte Buona sera!, das hier auf italienisch bleibt und dann in deutsch wechselt. Das ist auch ein bisschen komisch, weil man sofort in die italienische Schiene kommt.

Eine weitere Schwierigkeit bei dieser Oper ist, dass – wie häufig bei Rossini – die Ensembles sehr groß und auch dementsprechend anstrengend sind. Dies um so mehr, als Rossinis Oper hier in Dessau – mit Ausnahme der zweiten Tenor-Arie, die weggelassen wurde – strichlos gemacht wird. Ansonsten ist allerdings alles offen, was vor allen Dingen auch die Finali angeht, und das ist schon sehr ermüdend. Da muß man sehr diszipliniert singen und sehen, dass man sich in diesen großen, hohen Ensembles nicht allzu sehr verausgabt – insbesondere auf deutsch.

Wie stehen Sie zu der Frage, italienische Opern zu übersetzen und in deutscher Sprache zu singen? Hat dies große Nachteile?

Nein, von Nachteilen möchte ich nicht sprechen. In den großen Opernhäusern hat es sich ja eingebürgert, die Opern in der Originalsprache zu singen. Ich bin eigentlich der Auffassung, dass es geschickter ist, die Rezitative in deutscher Sprache zu singen. Das hat für die Sänger keinerlei Nachteile und für das Publikum den Vorteil, dass es wirklich alles versteht. Es gibt im Barbier von Sevilla ja eine ganze Reihe von wirklich komischen Ensembles, bei denen es schade wäre, wenn sie nicht auf deutsch gesungen würden. Zumal bei einem Publikum, das nicht mehr so opernkundig ist wie in früheren Jahren. Vor allem hier kann man den Effekt erzeugen, dass es auch wirklich komisch wird.

Man muß dies aber abgenzen von den reinen Arien. Im Barbier gibt es ja auch diese kleine Serenade, die im Text ja auch sehr schön überzeichnet wird, und die auch die Form einer Canzonetta hat. Diese auf deutsch zu machen, finde ich eigentlich unsinnig. Dazu kommt, dass eine Oper, die in italienischer Sprache komponiert worden ist, natürlich Melodien hat, die dem Italienischen folgen. Günther Rennert hat das stellenweise wirklich sehr gut übersetzt, aber es ist eben doch nicht italienisch. Ich habe des öfteren schon erlebt, dass die Rezitative auf deutsch und die Arien in der jeweiligen Originalsprache der Oper gesungen wurden. Das finde ich sehr gut und zukunftsweisend, denn die Musik verliert – meiner Meinung – durch die deutsche Sprache. Ein hartes Urteil, ich weiß... Man bewegt sich auf einem schmalen Grat: man muß darauf achten, dass zum einen das Publikum alles versteht, also dem Fortgang der Geschichte folgen kann, zum anderen aber darf man auch der Schönheit der Oper als komponiertem Kunstwerk nicht zu sehr schaden.

Wird man in Dessau eine konventionelle Inszenierung erleben können?

Ich will es einmal so formulieren: es ist eine nicht-zeitgebundene Inszenierung, es gibt keine eindeutige Zeitfestlegung. Es ist eine sehr theatralische Inszenierung, die relativ reduziert ist. Es gibt immer einen Wechsel zwischen realistischem und überzeichnetem Spiel. Überzeichnet in den Fällen – was mich konkret angeht – wo ich irgendjemanden darstelle, also den betrunkenen Soldaten oder den Musikschüler. Realistisch immer dann, wenn ich aus diesen Spiel-im-Spiel-Momenten aussteige, um mit Rosina zu sprechen oder um über mich selbst etwas zu sagen. Ich finde das einen sehr guten Ansatz, denn die einzelnen Bereiche sind zudem gegeneinander sehr gut abgegrenzt.

Wie empfanden Sie die Probenarbeit in Dessau?

Wir haben jetzt die ersten Proben mit Orchester gemacht. Das Orchester ist sehr, sehr gut, es spielt engagiert. Und auch der Dirigent Markus L. Frank ist ein Mann, der von dieser Musik sehr viel versteht. Er macht das wirklich sehr gut. Er erzeugt einen sehr trockenen, knackigen, kultivierten Rossini-Sound mit zügigen Tempi – ich finde die musikalische Seite sehr, sehr gut.

Josef Manhart [16.12.2004]

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