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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3618

Gioachino Rossini

italienischer Komponist

* 29.02.1792 Pesaro
† 13.11.1868 Passy b. Paris

Biographie Diskographie [67] Texte [4] Werke [214]

Text

Wie angle ich mir einen Popstar?

Theater Augsburg: Giacchino Rossini, La Cenerentola

Blau ist die Farbe der Sehnsucht. Blau ist die Farbe der Romantik. Blau gekleidet ist der Junge, der die Zuseher überlebensgroß von der Leinwand anblickt und später als dessen Alter Ego Alidoro live auf der Bühne erscheint. Mit treuherzigen Augen steht er da in seinem blauen Dress und tippt die am Boden kauernde Protagonistin Angelina, genannt das Aschenputtel, mit der Geste an: „He du, steh auf.“ Und los geht’s mit Cenerentola, der verträumten Stieftochter Magnificos, die sich von einer Ballett-Truppe grauer Mäuse in Schwung bringen läßt. Ein Rahmen, wie hier der Film, muß sein. Märchen fangen heute nicht irgendwo als Märchen an, sondern mitten im realen Leben, so wie Spielbergs Hook. Am besten bei einem vermeintlich unschuldigen Kind, mit dem wir dann durch dessen Fantasyweltbrille auf das Durcheinander der Erwachsenen schauen und all die Ungerechtigkeiten der Welt zurechtträumen können. Aber auch diese Fantasywelt ist schon vollgestopft mit den Ikonen der Medienwelt: Film, Fernsehen, Paparazzi. Aus diesem Stoff sind die Träume von heute. Zumindest legt das Holger Schultzes Augsburger Opern-Debüt mit Giacchino Rossinis Dramma giocoso La Cenerentola ossìa La bontà in trionfo nahe – kein Melodramma, wie im Programmheft fälschlicherweise angegeben.

Der Regisseur, eigentlich im Schauspiel zu Hause, hat daraus eine muntere Medienfarce gemacht, ein bißchen Comic, ein bißchen Slapstick, alles geboren aus dem Geist des Märchens und auf Trab gehalten durch Rossinis unermüdliche Soundwalzen.

Dabei sind sowohl das Bühnenbild (Donald Becker, auch für den Film und die Kostüme verantwortlich) als auch die Lichtführung wohltuend einfach stilisiert, gänzlich unspektakulär. Wie ein großes Puppenhaus etwa wirkt Don Magnificos (Stefan Sevenich) Schloß im ersten Akt mit zahlreichen Fenstern und Türen, Platz genug für den Chor der Bediensteten. Kehrschaufeln, als Emblem für Cenerentolas Los, zieren die Fassade, vor der die Luder-Schwestern Tisbe (Katrin Sander) und Clorinda (Petra van der Mieden) ihrer Halbschwester einheizen. Der zum Popstar mutierte Prinz (Rolf Romei) turnt im braven Jogginggewand herum, sein Schloß ist das Fernsehstudio von Tele Zero, seine Bediensteten sind die allzeit mit Kameras und Tonutensilien herumfuchtelnden Filmmenschen.

Diese Aktualisierung geht vor allem auch deshalb auf, weil Holger Schultze Rossinis Musik nicht einfach abschnurren läßt, sondern akribisch jede Möglichkeit für die Personenregie ausschöpft. Und hier kann er sich schauspielerisch voll auf sein Sänger-Ensemble verlassen. Glänzend wie die aufgedonnerten Zicken Katrin Sander und Petra van der Minden das hohe Tempo meisterten. Stimmlich ausgewogen trotz überdimensionierter Masken behaupteten sich auch Dandini (Manuel Wiencke), der Prinzenstellvertreter als immer gut gelaunter Dauergrinser, und der allwissende Strippenzieher Alidoro (Dimitri Ivashchenko), der, etwas albern, als Rieseninsekt daherkommt. Komödiantisch einmal mehr aber einsame Spitze: Stefan Sevenich. Es ist eine Show für sich, wie er Inlineskatend über die Bühne saust oder sich im Takt der Musik Stufe für Stufe von der Treppe hinabsacken läßt. Mimisch, gestisch: da stimmt alles.

Kathrin Kochs anmutige Cenerentola rückte dagegen trotz ihrer brillanten Koloraturen angesichts des geballten, komödiantischen Feuerwerk um sie herum fast ein wenig in den Hintergrund. Daß manchmal die Stimmen in den Ensemble-Szenen vor lauter Spielwitz der Verve, mit der Dirigent Hans Norbert Bihlmaier und seine Truppe im Graben Rossinis Partitur durchpeitschten, Tribut zollen mußten, störte das rundum begeisterte Publikum am Ende überhaupt nicht.

Ralf Kasper [2.2.2004]

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