Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3618

Gioachino Rossini

italienischer Komponist

* 29.02.1792 Pesaro
† 13.11.1868 Passy b. Paris

Biographie Diskographie [67] Texte [4] Werke [214]

Text

Augsburg sucht die Superbraut

Theater Augsburg – Rossini: La Cenerentola

In seiner ersten Opern-Inszenierung befaßt sich der Oberspielleiter des Augsburger Theaters, Holger Schultze, mit Rossinis lange vergessener Oper La Cenerentola, die am Samstag, den 24. Januar 2004 am Theater Augsburg Premiere hat. Er möchte die Möglichkeit nutzen, um der heutigen, auf äußere und oberflächliche Effekte abzielenden Mediengesellschaft mit den allseits bekannten Auswüchsen den Spiegel vorzuhalten. KLASSIK HEUTE sprach im Vorfeld der Premiere mit dem Regisseur über seinen interpretatorischen Ansatz.

KLASSIK HEUTE: La Cenerentola von Rossini führte lange Zeit ein Schattendasein auf den deutschen und internationalen Opernbühnen, das Werk war lange Zeit unbekannt. In den letzten Jahren wurde das Werk sozusagen wieder neu entdeckt, u.a. Teresa Berganza, Cecilia Bartoli nahmen sich dieser Oper an. Worauf führen Sie diese Renaissance zurück?

Holger Schultze: Zunächst einmal denke ich, dass dies ganz pragmatische Gründe hat. Die Theater haben weniger Geld, und La Cenerentola ist ein wunderschönes Ensemblestück. Ich würde mich eher fragen, warum dieses Werk in Vergessenheit geraten ist. Rossini hat eine mitreißende Musik komponiert. In einer Gesellschaft, in der die Werte immer weniger werden und die Menschen immer mehr funktionalisiert werden, ist das Thema von Aschenputtel natürlich inhaltlich ganz aktuell: Aschenputtel möchte nur nach den großen Idealen – Liebe, Treue – leben. Und das steht natürlich in krassem Gegensatz zu unserer heutigen Gesellschaft. Das ist etwas, was auch mit unserer Gegenward zu tun hat, und deshalb auch heute wieder besonders aktuell ist.

Warum zeigt das Theater Augsburg La Cenerentola? War es der Kostenaspekt?

Nein. Es ist ja klar, dass der Spielplan auch eine Spieloper beinhaltet. Ich denke – und ich spreche jetzt auch als Regisseur –, dass dieses Werk auch für junge Leute ein wunderbarer Einstieg in die Welt der Oper ist. Die Oper, das Musiktheater ist das Eine, das Andere ist, dass dieses Werk doch eine ungeheure Aktualität besitzt. Und da wir am Theater Augsburg versuchen, Musiktheaterstücke zu spielen, die mit unserer Zeit zu tun haben, halte ich das für ein sehr wichtiges Werk.

Was ist Ihr inszenatorischer Ansatz?

Als ich hörte, dass ich La Cenerentola inszenieren sollte, habe ich mich natürlich mit dem Umfeld beschäftigt. Da ich vom Schauspiel her komme, ist es spannend zu beobachten, dass im Augenblick in vielen Stücke die großen menschlichen Ideale thematisiert werden, und dass Ideale wie Liebe und Treue in unserer Gesellschaft doch stark in Frage gestellt werden. Es wird vielfach die Frage gestellt, ob diese Idel überhaupt noch in einer Beziehung lebbar sind. Das ist der eine Ansatz, der für unsere Überlegung wichtig war.

Der zweite Ansatz ist, dass wir im Moment ja richtiggehend zugedröhnt werden von Fernsehshows – „Millionär sucht die schönste Frau der Welt“ etwa. Das sind Ansätze für uns auf der einen Seite mit der Beschränktheit des Vaters in La Cenerentola eine Spaß-Fernsehgesellschaft zu zeigen und eine Figur – Aschenputtel – dagegen zu stellen, die wirkliche Ideale leben möchte. Dieser Gegensatz hat uns interessiert, so dass das Werk auf eine sehr heutige, verrückte Weise modernisiert wird.

Ein weiterer Ansatz betrifft die Musik – es wird Rossini ja oft nachgesagt, dass seine Musik etwas ,Maschinenartiges’ hat. Und da haben wir uns überlegt, die Idee der Puppen aufzunehmen – wie, will ich aber noch nicht verraten. Das hängt aber auch damit zusammen, dass es in der Oper die Figur des Alidoro gibt, der als eine Art Deus ex machina von außen in die Handlung eingreift und man diese Figur auch vernünftig begründen muß.

Rossini und Ferretti haben diesem Werk auch Elemente der Commedia dell’Arte beigemischt. Wie gehen Sie damit in Ihrer Inszenierung um?

Der Gattung Oper haftet generell das Klischee an, dass das schauspielerische Element nicht so berücksichtigt wird. Was mich sehr interessiert und was auch die Arbeit ungeheuer lustvoll macht ist, dass die Sänger große Spielfreude dabei sind. Die große Aufgabe wird sein, eine Lebendigkeit herzustellen bis hin zu komödiantischen Szenen, bis hin zu wirklichen Charakteren. Die Oper hat ja auch etwas vom Schauspiel, es sind wunderbare Szenen – auch dramaturgischer Art, die da beschrieben sind. Das Ganze wird sicher etwas sehr Spielerisches haben.

Lassen Sie uns noch etwas über die Musik sprechen. Den für Sie wichtigen Aspekt des ,Maschinenhaften’ haben Sie schon angesprochen. Heinrich Heine glaubte gar, die Musik besitze ,subversives Potential’. Wie stehen Sie dazu?

Ich denke, die Musik hat eine ungeheuer große Spannung. Die Mischung aus fast komischen Elementen auf der einen Seite – Rossini treibt ja wirklich die Wiederholung in den Aberwitz – und sehr vielen lyrischen Passagen auf der anderen Seite macht genau die Qualität des Werkes aus. Einerseits diese Wiederholungen, die fast ins Leere laufen, und damit subversiv sind, weil sie letzten Endes auch etwas mit dem ,Ins-Leere-Laufen’ der Gesellschaft zu tun hat. Das ist das Eine, das mich interessiert. Das Andere ist die Musik, die ungeheuer viele Wechsel hat. Ich habe selten eine Oper gehört, die so extrem auf der einen Seite eine komische Ebene und eine romantisch-lyrische Ebene verbindet. Und das ist sehr spannend.

Würden Sie auch so weit gehen zu sagen, die Musik bindet die Kontraste, die im Werk selbst schon angelegt sind: Ernst und Komik, Zauberei und Leidenschaft… Es gibt ja eine ganze Menge solcher kontrastierender Gegensätze.

Ja. Diese Gegensatzpaare betonen – und das auch noch verbunden -, ein bißchen den Nummerncharakter. Die Alidoro-Arie ist ganz große Oper, dann gibt es fast komödiantische Themen, die aus einem ganz anderen Genre kommen, und das ist für mich auch der Reiz, mit diesen vielen Brüchen, die genial verbunden sind, umzugehen.

Welche Umgebung hat der Bühnenbildner geschaffen?

Das Bühnenbild wird sehr einfach sein. Das bin ich bereit zu verraten: Es geht um die Puppenwelt natürlich auch. Das Bühenbild wird Donald Becker machen, mit dem ich in Augsburg schon verschiedentlich zusammengearbeitet habe. Die Spannung bei diesem Bühnenbild wird unsere Definition des Schlosses sein. Denn das ist die Frage in dem Werk, was ist heutzutage für ein junges Mädchen, das einen Millionär heiraten will, der Traum? Ist es wirklich noch das Schloss oder ist es etwas anderes, was der Gesellschaft näher kommt. Das werden wir umsetzen auf eine – wie ich glaube – einfache und eindeutige Art und Weise.

Josef Manhart [20.1.2004]

weitere Texte

Alte Intrigen von jugendlicher Frische

Rossinis „Barbier von Sevilla“ in Dessau

Ob Bertas Begehr, ihren griesgrämigen Dienstherrn Doktor Bartolo für sich zu gewinnen, wie die vom vielen Tabakgeruch ständig niesende Haushälterin in ihrer einzigen großen Arie gegen Ende des 2. Akts hoffnungsfroh verkündet, sich erfüllt, lassen Textdichter Sterbini und Komponist Rossini seit der Premiere 1816 in Rom offen.

[Volkmar Draeger, 22.12.2004]weiterlesen ...

Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ in Dessau

Am Samstag, den 18. Dezember hat Rossinis Oper Der Barbier von Sevilla am Anhaltischen Theater in Dessau Premiere. Für die Inszenierung, die ganz in der Tradition des Hauses in deutscher Sprache auf die Bühne kommen wird, zeichnet Patrick Guinand verantwortlich, die musikalische Leitung liegt in den Händen von Markus L. Frank, das Bühnenbild besorgte Pierre Albert. Im Vorfeld der Premiere sprach KLASSIK HEUTE mit dem Tenor Christian Baumgärtel.

[Josef Manhart, 16.12.2004]weiterlesen ...

Wie angle ich mir einen Popstar?

Theater Augsburg: Giacchino Rossini, La Cenerentola

Blau ist die Farbe der Sehnsucht. Blau ist die Farbe der Romantik. Blau gekleidet ist der Junge, der die Zuseher überlebensgroß von der Leinwand anblickt und später als dessen Alter Ego Alidoro live auf der Bühne erscheint. Mit treuherzigen Augen steht er da in seinem blauen Dress und tippt die am Boden kauernde Protagonistin Angelina, genannt das Aschenputtel, mit der Geste an: „He du, steh auf.“ Und los geht’s mit Cenerentola, der verträumten Stieftochter Magnificos, die sich von einer Ballett-Truppe grauer Mäuse in Schwung bringen läßt.

[Ralf Kasper, 2.2.2004]weiterlesen ...

⇑ nach oben

Impressum Kontakt AGBs Datenschutz Haftungsausschluss Mediadaten Sitemap

© Klassik Heute GbR

jpc