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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3376

Silvestre Revueltas

* 31.12.1899 Santiago Papasquiaro, Durango
† 05.10.1940 Mexiko City

Silvestre Revueltas ist einer der bedeutendsten modernen mexikanischen Komponisten. Er wurde am 31. Dezember in Santiago Papasquiaro geboren und studierte am Staatskonservatorium in Mexico, außerdem in Chicago und in New York. Zunächst trat er als Geiger auf, war 1926-1928 Dirigent in verschiedenen Städten im Süden der USA und wirkte bis 1935 als Assisten von C. Chávez Ramirez und als zweiter Dirigent des Orquesta Sinfónica de México sowie als Professor für Violine und Kammermusik am Staatskonservatorium in Mexico. In dieser Zeit begann er auch zu komponieren. Auf seiten der Republikaner nahm er am spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) teil. Nach dem Sieg Francos kehrte er als Lehrer nach Mexiko zurück. Er verdiente schlecht, verarmte und verfiel dem Alkohol. Seine Musik, inspiriert von der mexikanischen Folklore, ist gekennzeichnet durch glänzende Melodik, rhythmische Kraft und vielfach durch einen sarkastischen Humor. Revueltas schrieb Orchesterwerke (u.a. Cuauhnahuac 1930, Esquinas 1931, Ventanas 1931, Alcancías 1932), Kammermusik (u.a. drei Streichquartette), Klavierwerke, Lieder und Filmmusiken. Er starb am 5. Oktober 1940 in Mexiko.

Biographie Diskographie [5] Texte [1] Werke [17]

Text

Alles ist Rhythmus

Silvestre Revueltas (1899–1940)

Neben Carlos Chavez verlieh er seiner Heimat Mexiko im 20. Jahrhundert eine eigene musikalische Stimme, die für ganz Südamerika von Bedeutung war:

„Ich mag alle Arten von Musik. Ich kann sogar einige der Klassiker tolerieren und einige meiner eigenen Kompositionen, aber ich ziehe die Musik der einfachen Leute auf den Farmen und in den Dörfern meines Landes vor.“ (Silvestre Revueltas)

Nur in den letzten zehn Jahren seines kurzen Lebens fand er Zeit, sich dem Komponieren zu widmen, und doch zählt er zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der südamerikanischen Musik. Sensemayá von 1938 (nach dem Gedicht Gesang um eine Schlange zu töten des kubanischen Dichters Nicolas Guillén) wurde in der Orchesterfassung so etwas wie ein Klassiker der modernen Musik: eine Orgie des Rhythmus, ein bedrohliches Ritual.

Geboren wurde Revueltas in dem kleinen Ort Santiago Papasquiaro im Bundesstaat Durango/Mexico an Silvester 1899, dem letzten Tag des 19. Jahrhunderts. Sein Vater schenkte ihm zum fünften Geburtstag eine Geige, mit sechzehn schickte er ihn zum Studium in die USA. Über seine Anfänge schreibt Revueltas mit dem für ihn kennzeichnenden Sarkasmus, der sich auch in vielen Kompositionen (wie beispielsweise dem Oktett Ocho por radio) niedergeschlagen hat: „Auf dem Dorf fing ich an, Musik zu machen, dann studierte ich in der Stadt, ohne jemals viel zu lernen. Später fand ich bessere Lehrer auf dem Lande.“ Silvestre wurde ein ausgezeichneter Geiger (zu seinen Lehrern gehörten Sevcik und Kochan-sky), und als solcher verdiente er zunächst seinen Lebensunterhalt. Im Süden der USA gründete und leitete er verschiedene Orchester, bis ihn 1929 der gleichaltrige Carlos Chavez als Assistent an das neu gegründete Orquesta Sinfonica de Mexico berief.

Chavez hatte sich bereits die Position eines angesehenen Komponisten und die führende Rolle im mexikanischen Musikleben erobert. Trotz ihres grundverschiedenen Naturells widmeten sich die beiden gemeinsam mit Feuereifer der Erneuerung des mexikanischen Musiklebens, für Revueltas gleichbedeutend mit der Befreiung von der europäischen Tradition. „Was wir erlebten, war durchaus ermutigend“, schreibt Revueltas, „Gezische, Getrampel und die aggressive Entrüstung der ewig gestrigen Kritiker.“ In dieser Zeit begann die eigentliche Aktivität von Revueltas als Komponist, was schließlich zum Zerwürfnis mit Chavez führte. Zu verschieden waren die kompositorischen Ansätze: Während Chavez „Mexikonismus“ sich um notengetreue Zitate volkstümlicher Melodien und Rhythmen bemühte, ließ Revueltas seiner eigenen Kreativität und Originalität freien Lauf, auf den Geist Mexikos vertrauend, den er tief in sich spürte. Zwar verwendete auch er typische Stilmittel der mexikanischen Volksmusik wie Terzparallelen und Alternanz von 3/4- und 6/8-Takt, doch stieß er hinsichtlich des Gebrauchs von Dissonanzen und asymmetrischen Rhythmen weiter als alle seine Kollegen in Neuland vor. Ostinati und Orgelpunkte, formelhafte Wiederholungen und die formale Knappheit seiner Werke sichern gleichwohl immer die Verständlichkeit.

Den Bruch mit Chavez markierte die Gründung eines eigenen Orchesters, des Orquesta Nacional. Revueltas’ Idealismus und Begeisterung für die Idee des Sozialismus, die seinen Einsatz für das mexikanische Musik-leben, die Förderung junger Komponisten und die Durchführung von Kinder- und Arbeiterkonzerten prägten, trieben ihn 1937 nach Spanien, wo er den Kampf der republikanischen Bewegung unterstützte. Ein Jahr zuvor hatte er mit der Homenaje a Federico Garcia Lorca eine seiner einfallsreichsten Partituren geschrieben. Nach seiner Rückkehr nach Mexiko widmete er sich (auch ökonomischem Zwang gehorchend) überwiegend der Filmmusik, während zunehmend das Gefühl der Vereinsamung und Alkoholismus von ihm Besitz ergriffen. Der vitale Charakter seiner Musik blieb davon unberührt, wie die ausdrucksstarke Musik zu dem Film La noche de los Mayas aus dem Jahre 1939 zeigt. Vermutlich an den Folgen der Feier, mit der der Erfolg dieses Werkes begossen worden war, starb Revueltas im Alter von vierzig Jahren. An seinem Grab las der Dichter Pablo Neruda, damals chilenischer Konsul in Mexiko, die seinem Freund gewidmeten Zeilen: „Jetzt sind Amerikas Sterne deine Heimat und die grenzenlose Erde ist dein Heim.“

Auswahldiskographie Silvestre Revueltas

Anspieltip: La noche de los mayas (1. Satz)

Sensemayá (+ Werke von Chavez, Villa-Lobos, Copland u.a.); New York Philharmonic, Leonard Bernstein.
Sony CD 60571

La noche de los mayas, Sensemayá, Ocho por radio, Homenaje a Federico Garcia Lorca,

Ventanas; Los Angeles Philharmonic, Esa-Pekka Salonen.
Sony SK 60676

The Unknown Revueltas: Sensemayá (Fassung für Kammerensemble 1937), Troka, Cuauhnáhuac, Five Songs u.a.; Solisten, Camerata de las Americas, Enrique Arturo Diemecke.
Dorian 90244

Redes (Netze) – Filmmusik, Sensemayá (+ Werke von Ginastera und Orbon); Simon

Bolivar Symphony Orchestra of Venezuela, Eduardo Mata.
Dorian 90178

Caminos, Musica para charlar, Ventanas (+ Chavez); Philharmonisches Orchester

Mexiko, Enrique Batiz
ASV 942

Streichquartette Nr.1–4; Cuarteto Latinoamericano.
New Albion 062

Peter T. Köster [2.12.2002]

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