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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3618

Ludwig van Beethoven

dt. Komponist

* 17.12.1770 Bonn
† 26.03.1827 Wien

Am 7. Mai 1824 erklang Beethovens „Neunte“ zum ersten Mal im Wiener Kärntnertortheater. In Auftrag gegeben war sie ursprünglich von der Philharmonic Society of London. Dort erklang sie aber erst ein Jahr später, am 21. Mai 1825. Gewidmet hat Beethoven die Sinfonie König Friedrich Wilhelm III. von Preußen „in höchster Ehrfurcht“. Bei der Uraufführung begeistert umjubelt, war die Resonanz der Kritiker später allerdings zwiegespalten und stieß durchaus auch auf Ablehnung. Die Sinfonie selbst sprengt alle Grenzen der bisherigen Sinfonik, sowohl im Umfang als auch durch die erstmalige Einbeziehung von Solo- und Chorgesang. Textgrundlage ist Schillers Ode „An die Freude“. Beethoven hatte sich viele Jahre mit dem Gedanken getragen, diese Ode zu vertonen. Nach der Uraufführung erwog er, das Chorfinale durch ein rein instrumentales Finale zu ersetzen. Er beließ es aber dabei, und so wurde die „Neunte“ nicht nur für die folgenden Komponistengenerationen wegweisend, sondern erklang als Sinnbild höchster menschlicher Ideale bis in unsere Zeit bei zahlreichen öffentlichen Anlässen, nicht zuletzt am 2. Oktober 1990 anlässlich der deutschen Wiedervereinigung unter Kurt Masur. Seit 1972 ist die Melodie offizielle Hymne des Europarats, seit 1985 ist sie die offizielle Hymne der Europäischen Union.

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Text

Internationales Beethovenfest Bonn 2004: Bohemia

Ludwig van Beethoven verstand sich weniger als deutscher oder österreichischer Komponist, sondern vor allem als Europäer, wenn nicht Weltbürger. Im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter der tiefer werdenden europäischen Einheit, möchte das Internationale Beethovenfest Bonn daran wieder nachdrücklich erinnern und hat deshalb „Beethoven und seine internationalen Beziehungen“ zum übergreifenden Schwerpunkt der nächsten Jahre gemacht. Dies bedeutet ausdrücklich nicht nur, solche Beziehungen aufzuzeigen und zu thematisieren, sondern auch, Komponisten anderer Länder vorzustellen und Einblicke in die Vielfalt verschiedener Kulturräume zu gewähren.

Beethoven und seine internationalen Beziehungen

Den Künstlern des 18. Jahrhunderts war jeglicher Nationalismus fremd. Die Elite des Barock empfand sich im Gegenteil als das, was wir heute als „europäisch“ bezeichnen würden. Doch mit dem Beginn der Aufklärung trieb die Nationalkultur auf dem Kontinent immer stärkere Blüten – eine Weltsicht, die Albert Schweitzer in seiner „Kulturphilosophie“ als „krankhafte Erscheinung“ bezeichnete. In der Musik nahm insbesondere der deutsch-österreichische Kulturkreis eine immer stärkere Rolle ein. Infolgedessen dominiert bis heute ein ausgesuchter, sehr begrenzter Kanon deutsch-österreichischer Werke unser Musikleben. Sie sind inzwischen Monumente unseres imaginären Kunst-Museumsbetriebes geworden und werden sogar in Übersee verehrt. Nur wenige Meister anderer Länder konnten es zu ähnlicher Beliebtheit bringen. Umso wichtiger scheint es heute, wieder genauer hinzuhören, sich zugleich auf das verbindende Element der Musik zu besinnen und die interkulturelle Debatte um die Hinwendung zur Musik anderer Länder nachhaltig zu bereichern.

Noch im direkten Einflußbereich der französischen Revolution, stand Ludwig van Beethoven (1770–1827) im Zentrum europäischer Verflechtungen, die aus seinem Schaffen überall hervorspringen. Das politische Geschehen in ganz Europa interessierte ihn ebenso wie dessen geistig-kulturelles Erbe. Der in Bonn geborene Komponist lebte seit 1792 dauerhaft in Wien, erwog aber auch eine Zeit lang, nach Paris umzusiedeln. Beethoven unternahm Reisen, war bemüht, seine Werke in verschiedenen Ländern aufführen und verlegen zu lassen, und er pflegte Kontakte zu verschiedensten Elite-Persönlichkeiten seiner Zeit. Zu seinen Kompositionen zählen beispielsweise 162 Lieder und Gesänge mit Texten und Originalmelodien aus Dänemark, Irland, Italien, Polen, Portugal, Russland, Schottland, Spanien, Schweden, der Schweiz und Ungarn, Tänze, Klaviervariationen und Kammermusik, inspiriert durch Musik verschiedenster Länder, zahlreiche Text-Vertonungen europäischer Dichter von Rang, und nicht zuletzt Werke, die ihre Entstehung einem konkret-aktuellen Zeitbezug verdanken – beispielsweise die Eroica, Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria oder Egmont.

Der böhmisch-mährische Kulturraum

Der böhmisch-mährische Kulturraum war stets eng mit den deutsch-österreichischen Nachbarn verbunden, wie bereits die ältesten erhaltenen Musikmanuskripte aus dem 11. Jahrhundert zeigen. Die tschechische Kultur empfing über Jahrhunderte Anregungen aus der deutschen Kultur; schon an den Höfen zu Prag des 13. und 14. Jahrhunderts wirkten deutsche Minnesänger wie Tannhäuser und Ulrich von Eschenbach. Andererseits gab es immer starke Bestrebungen, eine gewisse Eigenständigkeit zu erhalten: Schon im 9. Jahrhundert, der Zeit des kurzlebigen Großmährischen Reiches, sang man dort Messen auch in altslawischer Sprache. Der Choralgesang in der von Jan Hus (1331–1415) geführten reformatorischen Bewegung hatte wiederum Einfluß noch auf lutherische Hymnen der deutschen Reformation. Bereits im Barock war die böhmisch-mährische Musikkultur schließlich derart reich und innovativ, dass diese Region lange Zeit den Ehrennamen „Konservatorium Europas“ führte.

Die Niederlage in der Schlacht am Weißen Berg (1620) gegen die Österreicher war für die tschechischen Bürger ein einschneidendes Erlebnis: Seitdem wurden sie von den gegenreformatorischen Habsburgern aus Wien regiert. Beethoven selbst hatte bereits in seiner Bonner Zeit böhmisch-mährische Kompositionen kennengelernt, die in der kurfürstlichen Kapelle gepflegt wurden. Einer der größten tschechischen Meister, Anton Reicha, zählte zu seinen Lehrern. Zu seinem alltäglichen Umfeld in Wien gehörten böhmische Musiker als Mitglieder der Hofkapelle und des Theaters. Zahlreiche seiner adligen Gönner unterhielten enge Beziehungen ins heutige Tschechien, beispielsweise Graf Waldstein oder Fürst Carl von Lichnowsky. Lichnowksy hatte bereits Mozart dorthin eingeladen; er weilte 1787, 1789 und 1791 in Prag. Beethoven komponierte dort zwischen Februar und April 1796 unter anderem die Szene und Arie Ah, perfido, Kammermusik und Entwürfe zu einer unbeendeten C-Dur-Sinfonie. Außerdem gab er Konzerte, darunter eine Akademie am 11. März im Konviktsaal. Vielleicht hat er damals bereits Frühfassungen seiner ersten beiden Klavierkonzerte gespielt, die er dann – wie bezeugt ist – bei einer weiteren Prag-Reise im Oktober 1798 wiederholte.

Erst nach Beethovens Tod erwachte das tschechische Nationalbewußtsein, nicht zuletzt durch das Vorbild der deutschen Freiheitsbewegung. Antonin Dvorák (1841–1904) zählt zwar neben Bedrich Smetana (1824–84) zu den eigentlichen Begründern tschechisch-nationaler Romantik. Er hat sich in seinem Schaffen aber zugleich in verschiedenster Weise auf deutsch-österreichische Komponisten berufen; ausdrückliche Bezüge zu Beethoven weisen insbesondere seine zahlreichen Streichquartette und viele Orchesterwerke auf. Leos Janácek (1854–28) hat bereits als 25jähriger Chormeister in Brünn Beethovens Missa Solemnis aufgeführt; auch seine Werke gehören zum exponierten tschechischen Kulturgut. Beide Komponisten haben Entscheidendes insbesondere auch zur nationalen Ausprägung der Oper geleistet und sind für die tschechische Kultur nicht weniger bedeutend als beispielsweise Verdi für Italien.

Nicht zuletzt der 100. Todestag von Dvorák und der 150. Geburtstag von Janácek bieten willkommenen Anlaß, im Rahmen des Beethovenfestes 2004 den mährisch-böhmischen Raum zu erkunden und zugleich aufzuzeigen, wie sich Kulturkreise Europas Weise wechselseitig durchdringen und befruchten. Hinzu tritt eine Fülle weiterer bedeutender tschechischer Komponisten, die bei uns heute leider vergleichsweise wenig bekannt sind – beispielsweise Bohuslav Martinu (1890–1959), der in vielen bedeutenden Werken französischen Esprit, eine bis auf den gregorianischen Gesang zurückgehende freie Rhythmik und eine unbängig vorwärtsdrängende musikalische Energie verband, oder Jindrich Feld (Jg. 1925), dessen vielseitiges, auch international preisgekröntes Schaffen sich in seiner Gesamtheit bei uns überhaupt erst noch wird erschließen lassen müssen. Hinzu treten etliche kammermusikalische Werke von Beethovens Zeitgenossen und direkten musikalischen Nachfahren aus dem „Konservatorium Europas“ – darunter die seinerzeit als sehr progressiv geltenden Komponisten Friedrich Ludwig Benda (1746–92) und Johann Wenzeslaus Vorisek (1791–1825).

Künstler und Programme des Beethovenfestes

In 56 Konzerten und etlichen Zusatzveranstaltungen finden Besucher vom 8. September bis 10. Oktober in Bonn ein umfangreiches und vielseitiges Festivalprogramm vor. Neben zahlreichen Orchestern, Ensembles, Künstlerinnen und Künstler aus dem böhmisch-mährischen Kulturraum konnten auch viele weitere Gäste aus dem In- und Ausland gewonnen werden. Geboten werden Orchesterkonzerte, Kammerkonzerte, Klavierabende (darunter eine „Nacht für Klaviere sowie drei Konzerte junger internationaler Preisträger), Chorkonzerte, Oper, aber auch einige Programme aus dem Bereich „Literatur und Musik“, Jazz, Crossover sowie Konzerte für Kinder. Ein besonderer Höhepunkt in Sachen „Internationaler Beziehungen“ ist das Campus-Projekt mit dem Orchester des Pekinger Konservatoriums: Der renommierte Forscher und Dirigent Peter Gülke wird mit ihm Dvoráks Sinfonie Nr. 9 Aus der Neuen Welt einstudieren. Das komplexe Programmgeflecht mit seinen zahlreichen Verbindungs-Strängen läßt sich auf kleinem Raum unmöglich ausführlich darstellen. Daher seien im Folgenden ein paar ausgewählte Highlights aus den umfangreichen Schwerpunkten Orchester- und Kammermusik vorgestellt.

Orchesterkonzerte

Viele großartige Kompositionen aus Tschechien sind den meisten hiesigen Orchestern unbekannt. Umso erfreulicher, dass die Tschechische Philharmonie unter John Eliot Gardiner neben Mahlers Vierter zwei bedeutende Werke ihrer Heimat aufführen wird – die Variationen op. 78 von Dvorák und das Doppelkonzert von Bohuslav Martinu. Ein mährisches Werk par excellence ist die Sinfonietta von Leos Janácek, gespielt von den Bamberger Sinfonikern, die 1946 von ehemaligen Mitgliedern der Deutschen Philharmonie in Prag und von Musikern aus Karlsbad und Schlesien gegründet wurden. Daher wäre kaum ein anderes Orchester besser geeignet, das diesjährige Beethovenfest zu eröffnen.

Mozarts Prager D-Dur-Sinfonie KV 504 (1786) hat Beethoven bei seinem dortigen Aufenthalt von Februar bis April 1796 vielleicht gehört: Franz Niemetschek berichtete 1798 in seiner Mozart-Biographie, sie sei in Prag noch immer beliebt, obwohl sie schon über 100 Mal gespielt wurde. Beethoven selber hat dort wohl nicht nur seine ersten beiden Klavierkonzerte, sondern auch die Arie Ah perfido aufgeführt – mit eben jener Josefa Dussek, für die Mozart 1787 in Prag bereits Bella fiamma komponiert hatte. Mozarts Freund Josef Myslivecek (1737–81) wurde in seiner Wahlheimat Neapel „Il divino Boemo“ (Der göttliche Böhme) genannt. Sein Violinkonzert F-Dur und das in a-Moll von Dvoràk bilden reizvolle Kontraste zu Beethovens Violinkonzert D-Dur.

Ebenfalls in D-Dur steht die geniale Sinfonie des Wiener Hoforganisten Jan Hugo Vorisek (1791-1825). Sie wäre allerdings ohne Beethoven ebenso wenig denkbar wie Schumanns Frühlings-Sinfonie, Dvoráks Sinfonische Variationen op. 78 oder dessen späte Tondichtung Die Mittagshexe. Die Akademische Festouvertüre von Johannes Brahms und das Klavierkonzert Nr. 1 von Franz Liszt ließen sich ohne weiteres als Hommage an Werke Beethovens verstehen, insbesondere die heroischen Klänge seiner Konzert-Ouvertüren wie Coriolan oder des fünften Klavierkonzerts. Die Ouvertüren von Brahms und Beethoven bilden zugleich eine Brücke mit Mozarts Ouvertüre zur 1791 in Prag uraufgeführten Oper La Clemenza di Tito.

Die Concerti Grossi (1967–91) von Alfred Schnittke und die San Francisco Polyphony (1974) von György Ligeti knüpfen an Formen an, die schon Mozart kannte. Ligetis Concert Romanesc (1951) wiederum verwendet daneben auch nationale Volksmusik, hier aus seiner ungarischen Heimat. Die dreisätzige Suite Orion der Komponistin Kaija Saariaho sowie die Uraufführung des Konzerts für Piccolotrompete und Orchester von Jurai Filas (Solist: Otto Sauter) sind brandneue, aufregende Musik unserer Zeit – so wie auch Beethoven sein damaliges Publikum mit immer neuen Klängen erfreute.

Viele namhafte Orchester und Dirigenten aus dem In- und Ausland interpretieren diese Werke. Neben den beiden bereits genannten Orchestern sind das Orchestre Philharmonique de Monte Carlo unter Marek Janowski, Das Finnische Rundfunksinfonieorchester unter Sakari Oramo, das Philharmonia Orchestra London unter Frans Brüggen, das Orchester des Konservatoriums Peking unter Yong-yan Hu, das Deutsche Symphonieorchester Berlin unter Kent Nagano, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Heinrich Schiff, das Kölner Kammerorchester unter Helmut Müller-Brühler sowie das Bonner Beethovenorchester unter Roman Kofman dabei.

Kammerkonzerte

In der Kammermusik mit ihrer uralten Dorfmusikanten-Tradition offenbart sich die ganze Bandbreite des Böhmisch-Mährischen Kulturraums. Auch Antonin Dvorák machte seine ersten musikalischen Gehversuche auf der Geige und in den Gaststätten seines Geburtsortes Mühlhausen, etwa 30 Kilometer nördlich von Prag an der Moldau gelegen. Ein merkwürdiger Zufall wollte es, dass schon eine Eigenart eben dieser Region auch seine spätere Affinität zu Beethoven illustrierte: Dvoráks Heimatdorf wird nämlich von dem Renaissance-Schloß eben jener Adels-Dynastie überragt, die – vertreten durch Prinz Joseph Lobkowitz (1772–1816) – zu den wichtigsten Gönnern Beethovens gehörte. Dvoráks Großvater mütterlicherseits war sogar Verwalter auf dem Schloß gewesen. Solche Details zeigen, wie nahe sich die Regionen ungeachtet der um die Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommenden National-Bestrebungen in Tschechien standen. Sie werfen auch ein bezeichnendes Licht auf Verflechtungen, die beispielsweise zwischen Dvorák, Smetana, Janácek einerseits und Wiener Komponisten wie Mozart, Beethoven und Schubert andererseits bestanden. Das Beethovenfest lotet solche Zusammenhänge in zwei Kammermusik-Zyklen und verschiedenen Gastspielen gründlich aus.

Eines der besten tschechischen Ensembles konnte für einen Zyklus aus vier Konzerten gewonnen werden: Das Prazak-Quartett (Prag) wird einerseits fünf Werke Beethovens spielen, die vom Quartett op. 18,1 F-Dur (1799) bis hin zu op. 135 F-Dur (1826) reichen und alle Schaffensperioden repräsentieren. Dem gegenüber stehen fünf der bedeutendsten tschechischen Kompositionen – die Meditation über den St. Wenzel-Choral op. 35a von http://www.klassik-heute.de/4DACTION/web_a_kuenstler_suche?Page=komponist&Suchwort=Suche&ID=2812», Smetanas erstes Quartett Aus meinem Leben und Dvoráks herrliches letztes Quartett op. 105 As-Dur (op. 106 G-Dur ist früher entstanden). Im Mittelpunkt eines eigenen Konzertes stehen beide Versionen der Zypressen. Ursprünglich im Jahr 1865 als Zyklus von 18 Liedern komponiert, hat Dvorák 22 Jahre später zwölf davon für Streichquartett bearbeitet. Eine ganz besondere Perle dieses Zyklus stellt schließlich ein Hauptwerk von Jindrich Feld (Jg. 1925) dar, eines der fruchtbarsten, leider auf Tonträgern völlig vernachlässigten zeitgenössischen Komponisten. Sein viertes Streichquartett (1965) gewann 1968 den tschechischen Staatspreis und gehörte lange zum Kernrepertoire des berühmten Smetana-Quartetts.

Der zweite Kammermusik-Zyklus des Beethovenfestes wird von einem Ensemble bestritten, das bereits beim Beethovenfest 2001 zu Gast war – dem London Fortepiano Trio. Das Publikum hat hier die einmalige Gelegenheit, in zwei Konzerten zahlreiche Perlen aus dem „Konservatorium Europas“ in historisch informierter Aufführungspraxis zu erleben. Von Beethoven sind zwei Klaviertrios zu hören. Dazu erklingen verschiedene Sonaten von Friedrich Ladislaus Benda, Johann Ladislaus Dussek, Adalbert Gyrowetz und Johann Wenzeslaus Vorisek. Ein besonderer Leckerbissen ist schließlich die tumultöse Schlacht um Prag von Franz Koczwara, eine Kampfszene, die in manchem an Beethovens Wellingtons Sieg erinnert.

Weitere böhmisch-mährische Komponisten sind in verschiedenen Einzel-Konzerten vom Solisten bis hin zu größer besetzten Ensembles zu hören, und zwar sowohl auf alten wie auch auf neuen Instrumenten. Siegbert Rampe zeigt beispielsweise, was ein zeitgenössischer Hammerflügel zu leisten vermochte, wenn er sich Beethovens F-Dur-Sonate op. 10/2, Mozarts c-Moll-Fantasie KV 475 und seiner c-Moll-Sonate KV 457 annimmt. Außerdem stellt er Werke von Josef Anton Stepan und Anton Reicha vor. Der renommierte Piccolo-Trompeter Otto Sauter und der Organist Christian Schmitt stellen Beethoven in einen Kontext mit seinen Vorfahren und Nachfolgern. Sie musizieren unter anderem die Uraufführung der Orgel-Version des Trompetenkonzertes von Jurai Filas, das beim Beethovenfest auch in der Version mit Orchester erklingt.

Das Duo d’accord stellt drei Werke für Klavier vierhändig vor, die aufgrund ihrer großen Dimensionen in späteren Zeiten sogar für Orchester bearbeitet wurden, und zwar die Große Fuge op. 134 von Beethoven, das geradezu sinfonisch anmutende, dreiviertelstündige Gran Duo op. 140 von Franz Schubert und die entzückende Suite Aus dem Böhmerwald op. 68 von Anton Dvorák. Das Ma’alot Bläser-Quintett musiziert Werke, die allesamt von Ulf Guido Schäfer bearbeitet wurden – dabei korrespondieren einerseits die Quintette op. 71 von Beethoven und op. 96 von Dvorák in vielerlei Hinsicht miteinander. Andererseits zeigen drei slawische Tänze von Dvorák und die Uraufführung der Bearbeitung von Tänzen aus Beethovens Prometheus-Ballettmusik die erzmusikantische Seite beider Komponisten.

Ein besonderer Leckerbissen ist der Auftritt des Scharoun-Ensembles der Berliner Philharmoniker: Sie kombinieren wiederum zwei beziehungsreiche Werke: das Terzett für zwei Violinen und Violoncello op. 74 von Dvorák und Beethovens Septett op. 20. Vor allem musizieren sie jedoch eines der spannendsten neuen Kammermusik-Stücke der letzten Jahre – This silence, das Mark-Anthony Turnage 1993 für eine aparte Oktett-Besetzung komponierte –, aufgeführt im ebenso aparten Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses, der zahlreichen der genannten Konzerte einen würdigen Rahmen liefert. Der 1960 geborene Brite wird von Sir Simon Rattle seit Jahren gefördert und wurde im Jahr 2000 zum ersten „Associate Composer“ des BBC Symphony Orchestra London ernannt.

Benjamin G. Cohrs [7.9.2004]

weitere Texte

Beethovens Klaviersonaten.

Klein, aber fein ist dieser Band aus der Reihe „Wissen – Musik“ des Beck Verlages geraten, hinter der eine nicht unoriginelle Idee steckt: Bedeutende Komponisten sollen anhand einer für ihr Schaffen repräsentativen Gattung vorgestellt werden. Im Falle der Sonaten Beethovens ist es ein nicht geringes Kunststück, Fülle und Anspruch des Stoffes auf das kompakte Maß der kleinformatigen Bände zu reduzieren und doch jedes der 32 Werke zu behandeln.

[Peter Schlüer, 1.9.2001]weiterlesen ...

Beethovens Eroica entschlüsselt?

Eine Bestandsaufnahme zum 200. Geburtstag

Je weiter die Uraufführung von Beethovens Anfang 1804 vollendeter Sinfonia Eroica zurücklag, umso unterschiedlichere Versuche gab es, sie zu „entschlüsseln”. Das sei kein Wunder, meinte der Beethoven-Forscher Martin Geck.

[Benjamin G. Cohrs, 7.12.2004]weiterlesen ...

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