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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3376

Hans Otte

* 03.12.1926 Plauen

Biographie Diskographie Texte [1] Werke [1]

Text

Zum Tod des Komponisten Hans Otte

Der Komponist und Pianist Hans Otte ist am 25. Dezember 2007 im Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Bremen nach langer Krankheit gestorben. Otte hinterläßt seine Frau Uta, mit der er 51 Jahre lang verheiratet war, sowie die Kinder Silvia und Raphael.

Hans Otte wurde am 3. Dezember 1926 in Plauen geboren und wuchs in Breslau als Sohn einer Kunst liebenden Apothekerfamilie auf. Noch im Kindesalter bekam er Klavierunterricht und komponierte mit Neun ein Klavierkonzert, mit 14 eine erste Sinfonie und verschiedene Instrumentalstücke. 1943 wurde er eingezogen und leistete zunächst in der Tschechoslowakei Reichsarbeitsdienst. 1944 wurde er Funker der Kriegsmarine in Kiel. Erst nach dem Krieg konnte er, nun 20 Jahre alt, mit dem Studium beginnen, das ausgesprochen vielseitig war: Komposition bei Kurt Rasch und Dirigieren bei Hermann Abendroth an der Musikhochschule Weimar, parallel dazu bildende Kunst am Bauhaus, und noch dazu Theater an der Stanislawski-Schauspielschule.

Schon im ersten Studienjahr, 1946, erhielt er für seine viersätzige Klaviersonate mit Fuge über das Finalethema aus Mozarts Jupiter-Sinfonie einen Weimarer Staatspreis. 1948 wechselte er nach Stuttgart, wo er Klavier bei Arno Erfurth und Komposition bei Johann Nepomuk David studierte, ging 1950 an die Yale University, um bei Hindemith Komposition zu studieren, reiste später nach Siena (Orgelstudium bei Fernando Germani), ließ sich aber später wieder in Stuttgart nieder, um sich auf sein Klavier-Studium zu konzentrieren.

Von 1954 bis 1956 nahm Hans Otte an den Meisterkursen Walter Giesekings in Saarbrücken teil, trat als Solist und Begleiter auf und gab sein Schallplattendebüt 1955 mit den Berliner Philharmonikern unter Paul Hindemith. 1959 wurde Otte, gerade einmal 32 Jahre alt, zum Musikchef von Radio Bremen berufen. Dem Haus blieb er bis 1984 verbunden; man spricht dort heute noch von der „Ära Hans Otte“ – nicht zuletzt aufgrund der von Otte gegründeten, zweijährig wechselnden Festivals „Pro Musica Nova“ und „Pro Musica Antiqua“, die für zeitgenössische Musik und Klanginstallation wie auch für historische Aufführungspraxis alter Musik Maßstäbe setzten. Die Gästeliste der Festivals liest sich wie ein „Who is who“ der jeweiligen Protagonisten.

Neben und auch nach seiner Tätigkeit bei Radio Bremen war Otte frei schaffender Organist, Pianist, Autor und Komponist und zeitweise Honorar-Professor an der Hochschule für Künste Bremen. Er hinterläßt ein umfangreiches Werk, das neben Orchesterwerken, Kammermusik, Vokalstücken und Klavierzyklen („Stundenbuch“; „Buch der Klänge“; letzteres im Jahr 1997 Aufsehen erregend eingespielt von Herbert Henck, ECM New Series 1659) auch etliche Klang-Installationen, musiktheatralische Werke, Gedichte, Bilder, Zeichnungen, Grafiken, Dias und Videos umfaßt. Leider sind allerdings die Jugendwerke (darunter das Klavierkonzert und die Sinfonie) im Krieg verloren gegangen und die Manuskripte einiger interessanter Werke vor Ottes Bremer Zeit ebenfalls verschollen.

In den letzten Jahren zog er sich nicht zuletzt aufgrund seiner Erkrankung mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Er durfte allerdings noch das Erscheinen des Buches „Hans Otte – Klang der Klänge / Sound of Sounds“ (Schott 2007, deutsch/englisch, mit CD und DVD Dokumentation, ISBN-13:978-7957-0586-2), mit der sein Freund, Kollege und Biograph Ingo Ahmels eine umfassende Aufarbeitung seines Schaffens vorlegte, inklusive des vom Komponisten authorisierten, 2006 abgeschlossenen „Otte-Werke-Verzeichnisses“. Hans Otte mit seinem intuitiven Gespür für Zeit und Raum hatte seinen Freund ahnungsvoll gebeten, sich für diese gründliche Arbeit ja nur viel Zeit zu lassen. In der Tat wurde dieses Buch nun ein halbes Jahr nach seinem Erscheinen zum wichtigsten Nachruf auf einen der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Wer ihn kannte, dem dürfte es nun gehen wie mir: Es bleibt das Gefühl, daß dieser tiefgründige, spirituelle Mensch nicht nur in seiner Musik, sondern aus dem Kern seines Wesens heraus jedem, den er traf, etwas ganz Einmaliges, Besonderes mitgab – und sei die Begegnung noch so „beiläufig“ und kurz gewesen.

Benjamin G. Cohrs [3.1.2008]

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