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Komponisten mit Lebensdaten insgesamt: 3618

Olivier Messiaen

* 10.12.1908 Avignon
† 28.04.1992 Paris

Olivier Messiaen zählt zu den führenden modernen Komponisten Frankreichs. In seinen Werken verarbeitete er die verschiedensten Anregungen: Gregorianik, griechische und indische Rhythmik, Hindu-Ragas, Gamelanorchester, Impressionismus, russische Musik, Vierteltontechnik und Vogelgesang. Geboren wurde er am 10.12.1908 Avignon. Mit elf Jahren ging er ans Pariser Conservatoire, wo er bei Paul Dukas und Marcel Dupré studierte. 1931 wurde er Organist an der Kirche La Sainte-Trinité in Paris. Diese Stelle besetzte er mehr als 40 Jahre lang. Der größere Teil seiner Orgelmusik wurde für die dortige Orgel geschaffen. Mit Baudrier, Jolivet und Lesur bildete er 1936 die Gruppe „Jeune France“, die in der Musik nach neuen Inhalten und neuen Werten suchte. Messiaen fand diese in mystisch-katholischen und gleichzeitig rechnerisch-naturalistischen Ansätzen, die von religiöser Offenbarung bis zum ständigen Studieren der Vogelstimmen reichen und musikalische und außermusikalische Eindrücke verarbeiten. Ein zentrales Thema ist bei Messiaen zeitlebens der Gesang der Vögel. Nach Rêveil des oiseaux (1952) zählt er in Oiseaux Exotiques (1956, für Klavier und kleines Orchester), das seiner Frau, der Pianistin Yvonne Loriod gewidmet ist, etwa 50 Vögel auf und erstellt 1958 einen Catalogue d'oiseaux. Dagegen sind in der Turangalîla-Symphonie (1948) Rhythmen von griechischer Dichtung, von Hindu-ragas und von Gamelan-Orchestern verarbeitet. Das Werk wurde bei den Festspielen in Aix-en-Provence 1950 uraufgeführt und ist in den ersten 25 Jahren seit seiner Entstehung über 100 Mal gespielt worden. Sein Klavierstück Mode de valeurs et d'intensité wurde 1951 als erste serielle Komposition bekannt. Sein vielfältiges originelles Schaffen umfasst Orchesterwerke, Chorwerke, Kammermusik, Orgelwerke (Orgelbuch 1964) und Lieder. Messiaen starb am 28. April 1992 in Paris.

Biographie Diskographie [45] Texte [1] Werke [154]

Text

Die Exotik eines mystischen Jenseits – Messiaen-"Zeitinsel" in Dortmund

Der Abschluss der Messiaen-„Zeitinsel“ im Konzerthaus Dortmund überwältigte noch einmal: Ist das Jenseits wirklich in so leuchtende Farben getaucht, wie diese Interpretation von Olivier Messiaens Éclairs sur l’au delà suggeriert? Es ist ein exotisches Paradies und das letzte, 1991 komponierte Vermächtnis seines Schöpfers.

In klarer Gliederung, ja oft regelrecht greller Konzentration bündeln die 11 Abschnitte des Werkes noch einmal alle musikalischen Geniestreiche: Choralpassagen und Streicher-Traumsequenzen, klangsinnlich-üppige Naturpanoramen und hypnotisierende repetitive Abschnitte, schließlich raffinierte Momente von regelrecht gebieterischem Aufbrausen! Cambreling und das SWR-Sinfonieorchester zelebrieren dies in Vollendung. Aber nichts anderes hatte auch erwartet, wer etwa seinen Saint François d’ Assis vor fünf Jahren bei der Ruhrtriennale erleben durfte.

Doch nicht Die Organistin Jennifer Bates
Die Organistin Jennifer Bates
Foto: Stefan Pieper
nur zu diesem grandiosen Finale hatten sich im Dortmunder Konzerthaus Interpreten von höchster Referenz versammelt, wenn es um deren Stellung zur Person und zum Werk Messiaens geht. Ausgehend von seinen schöpferischen „Werkzeugen“ war Messiaen zu allererst Organist. Plausibel eröffnete die britische Organistin Jennifer Bate das Festival. Tagelang war sie, die jahrzehntelang mit Messiaen zusammenarbeitete, an der Klaisorgel des Konzerthauses in Klausur gegangen – und konnte dieses Instrument hörbar lieb gewinnen!

Akustik und Dispositionen scheinen hier für die ganze Entfaltung des Subtilen, Atmosphärischen wie gerufen zu kommen. Die ersten, gregorianisch beeinflussten Tonskalen der Nativité du Seigneur entblößen das Zerbrechliche, legen Facetten einer erstaunlichen formalen Logik frei. Rhythmische Strukturen verweigern sich jeder klassischen Vorstellung von Metrum, eröffnen neue, weite Ausdruckswelten. Jennifer Bates’ Orgelspiel entfesselte die ganze physische Wucht, die bei Messiaen stets als Chiffre für Freude steht – ungezähmt, oft regelrecht orgiastisch!

All dies transportierte auch Pierre Laurent Aimard im monumentalen Zyklus Vingt Regards sur l’Enfant Jésus. Noch stärker konzentrieren sich hier Meditation und explosiver Ausbruch auf engem Raum – und noch aufrührerischer wird jede landläufige Vorstellung von Bekenntnismusik durcheinandergewirbelt. Aimard bekam viele pianistische Impulse von Messiaens Lebenspartnerin und Muse Yvonne Loriod vermittelt – sinnlich und bewusst organistisch in den ruhigen, klangmalerischen Momenten, aber auch mit extremer, von spontanen Impulsen gezeichneter Virtuosität bestreitet er in Dortmund eine regelrechte „Tour de Force“ – für Spieler und Hörer gleichermaßen.

Das Orchesterwerk Et expecto resurrectionem markierte schließlich wieder einen Zeitsprung zum Spätwerk – und mit Zubin Mehta war ein Dirigent in Dortmund vertreten, der einige von Messiaens Uraufführungen in New York leitete. In perfekter Balance vollführten die Münchener Sinfoniker dieses beschwörende Spiel für Bläsergruppen und – vorwiegend metallisches – Schlagwerk. Hier gibt es vor allem den Weltreisenden Messiaen zu erleben. Vieles ist von der Gamelanmusik inspiriert, und auch hier verschaffen sich in bizarren Motivketten Messiaens allgegenwärtige Übertragungen von Vogelstimmen Gehör – während diese in der Natur zur Zeit schweigen!

Stefan Pieper [18.12.2008]

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