Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

Texte insgesamt: 281

Timo Korhonen


Biographie Diskographie [7] Texte [1]

Text

Nicht zu süß

Der finnische Gitarrist Timo Korhonen

Einer der Cannes Classical Awards des Jahres 2003 ging an den Gitarristen Timo Korhonen für die Aufnahme von Werken Leo Brouwers, besonders des Konzerts für Gitarre und Orchester „Helsinki Concerto“. Es ist eines von vielen Werken, dass dem Finnen gewidmet ist, einem glühenden Verfechter zeitgenössischer Musik, der jedoch in seinen Programmen für Abwechslung sorgt.

Über zehn Jahre dauerte es, bis das „Helsinki Concerto“ endlich aufgenommen wurde; dass es jedoch eines Tages geschehen würde, war für Timo Korhonen immer klar. Das Stück ist einfach zu gut.

Timo Korhonen: Natürlich liegt ein Grund, warum ich das Werk unbedingt aufnehmen wollte, darin, dass es mir gewidmet ist und ich es auch in Auftrag gegeben habe. Das war allerdings schon 1988, in Paris, wo Leo Brouwer damals dirigierte und John Williams als Solist auftrat. Es gab eine Party hinterher und ich fragte Leo, ob er Interesse hätte, für mich ein Stück zu schreiben; er sagte ja. Er konnte allerdings erst 1991 beginnen, das Resultat wurde dann beim Helsinki Festival 1992 uraufgeführt.

Klassik Heute: Leo Brouwer ist ja einer der wenigen heutigen Komponisten, der viel für Gitarre schreibt…

T. K.: Nach vielen Jahren erhält er jetzt als Komponist langsam die verdiente Anerkennung. Er hatte es zeitweise schwer, denn er schrieb nicht im „richtigen“ Stil; das bedeutet, seine Musik ist leicht hörbar, was nicht unbedingt mit den Forderungen der Avantgarde im Einklang steht – und Europa ist in dieser Hinsicht sehr dominant in der Welt. Nun, die Zeiten haben sich geändert, die Welt ist toleranter geworden.

KH: Was hat ihn im Falle des „Helsinki Concerto“ inspiriert?

T. K.: Das Konzert basiert auf Ideen des italienischen Schriftstellers Italo Calvino, besonders den „Six Memos for the next Millennium“. Dort schreibt Calvino zum Beispiel über die Exaktheit als treibende Kraft des menschlichen Lebens – im Gegensatz zum Geld. Brouwer gestaltete die Sätze Calvinos Themen entsprechend, „lightness and heaviness“ etwa heißt der zweite Satz, einer weiterer „luminosity“. Er lässt sich häufig von Literatur anregen.

KH: Und dann sind da noch die sieben Songs nach den Beatles auf der CD…

T. K.: Ja, viele Leute mögen das Stück nicht, andere finden es wunderbar – es polarisiert wirklich. Das liegt vermutlich daran, dass die Beatles-Songs so etwas sind wie Volkslieder von heute und die Menschen haben dazu eine dezidierte Meinung. Leo stellt die Stücke in einen vielleicht seltsam anmutenden Zusammenhang, ich finde sie sehr amüsant. Kunst kann durchaus „tief“, muß aber nicht gleichzeitig auch unbedingt „ernst“ sein.

KH: Ihr neues Projekt betrifft wieder Villa-Lobos. Aber seine sämtlichen Werke für Gitarre haben Sie doch schon eingespielt?

T. K.: Das ist wahr, aber jetzt spiele ich die Etüden noch einmal, aber in einer anderen Fassung. Es scheint mir sinnvoll, beide Fassungen vorzulegen. Die Version, die jetzt auf dem Programm steht, stammt von 1928, die veröffentlichte Fassung, die ich schon aufgenommen habe, erschien in den frühen 50er Jahren. Es liegen also 25 Jahre dazwischen. In dieser Zeit verändert man sich und Villa-Lobos machte eine ganze Reihe von Korrekturen an den Stücken.

KH: Wie umfangreich sind diese Korrekturen?

T. K.: Ich sage nicht, dass die 1928er-Fassung die originale ist, beide Fassungen sind „original“. Aber die spätere Ausgabe ist mehr von europäischen Ideen und Vorstellungen beeinflusst, die frühere mehr brasilianisch. Sie ist nicht so glatt poliert; er war 31 Jahre alt damals, ein junger Mann mit viel Kraft… In der ersten Etüde zum Beispiel, die auf derselben Idee fußt wie Bachs C-Dur-Präludium – arpeggierte Harmonien werden wiederholt –, da sind in der 1928er Version keine Wiederholungen, die ganze Atmosphäre ist unterschiedlich. In anderen Fällen sind später ganze Abschnitte gestrichen worden, dazu kommen noch viele kleinere Änderungen. Interessant an den frühen Stücken ist, dass Villa-Lobos sehr sorgfältig die Fingersätze gemacht hat. Er hatte eine sehr klare Vorstellung, wie die Musik klingen sollte, auch von der Phrasierung her. Ich persönlich mag diesen etwas raueren, härteren Stil sehr, wie ihn die erste Fassung präsentiert.

sme [4.2.2003]

weitere Texte

Nicht zu süß

Der finnische Gitarrist Timo Korhonen

Einer der Cannes Classical Awards des Jahres 2003 ging an den Gitarristen Timo Korhonen für die Aufnahme von Werken Leo Brouwers, besonders des Konzerts für Gitarre und Orchester „Helsinki Concerto“. Es ist eines von vielen Werken, dass dem Finnen gewidmet ist, einem glühenden Verfechter zeitgenössischer Musik, der jedoch in seinen Programmen für Abwechslung sorgt.

weiterlesen ...[ sme, 4.2.2003]

⇑ nach oben

Impressum Kontakt AGBs Datenschutz Haftungsausschluss Mediadaten Sitemap

© Klassik Heute GbR

jpc
Benevento Publishing