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Alban Berg Quartett

* 1970 in Wien

Biographie Texte [1]

Text

Abschied mit Freudentränen

Das letzte Konzert des Alban Berg Quartetts

Am Freitag, den 27. Juni, gab das Alban Berg Quartett im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals im Kieler Schloss sein letztes Konzert in Europa mit Werken von Franz Schubert. Nur in Südamerika und China kann man das Wiener Ensemble noch hören, wenn man sich beeilt.

Bemerkenswert bei der Programmwahl war, dass sich das vielleicht bedeutendste europäische Streichquartett der letzten dreißig Jahre mit den beiden Quintetten von seinem Publikum verabschiedete. Unter Mitwirkung der langjährigen Freunde Elisabeth Leonskaja, Alois Posch (Solo-Kontrabass der Wiener Philharmoniker) und Heinrich Schiff erklangen zwei Meisterwerke des Wiener Kammermusikrepertoires par excellence. Die Werkauswahl weißt über die Gattung Streichquartett hinaus, aber zugleich ins Herzstück des kammermusikalischen Musizierens.

Zunächst die populäre „Forelle“: das Quintett mit seiner auf das Divertimento hinweisende Fünfsätzigkeit und seiner außergewöhnlichen Besetzung. Die scheinbar ungetrübte Stimmung einer musikalischen Landpartie der Schubertianer machte sich breit. Elisabeth Leonskaja präsentierte eine souveräne, virtuose Anschlagspalette, dabei sehr diskret und sich nicht in den Vordergrund spielend. Günter Pichler Vibrato scheint gelegentlich süßer und milder zu klingen, die Homogenität der Mittelstimmen ist bei Ausführung in einem festen Quartett stets größer als bei Musikern, die sich ad hoc zusammenfinden. Valentin Erben spielt dabei elegant, fast ist man versucht sogar das Attribut „französisch" zu benutzen. Isabel Charisius ist wie ihr unvergesslicher Vorgänger im Quartett, der 2005 verstorbene Thomas Kakuska, allzeit präsent, ohne sich je aufzudrängen. Alois Posch spielt sonor die Bassstimme. Ich kann mich nicht erinnern diesen Part, je so deutlich und markant gehört zu haben, sich aber dennoch dem Ganzen unterordnend. Es wurde konzentriert und dennoch entspannt musiziert, ohne Verlust an Vitalität und Energie. Untereinander wird ständig kommuniziert und die Freude an der Musik teilt sich dem Publikum unmittelbar mit.

Im zweiten Teil ein ganz anderer Schubert: das Streichquintett aus dem Sommer des Todesjahrs 1828 entstand neun Jahre nach dem Forellenquintett. Hier ist nochmals das vollständige Ensemble zu hören unter Beteiligung seines langjährigen Weggefährten Heinrich Schiff. Es ist eine Reise nach innen, wobei sich die Modernität und emotionale Aktualität des Werkes durch die farbenreiche Interpretation mitteilt. Wieder konnte man höre, was über die 37 Jahre das besondere des Alban Berg Quartetts ausmachte. Jedes Konzert wird zum unerhörten Ereignis, sowohl in Bezug auf die Werktreue, als auch die Wiener Tradition, und zugleich wird Ungehörtes auch bei noch so oft gespielten Werken herausgearbeitet. Im Dialog zwischen erster Violine und dem zweiten Cello entspann sich über den liegenden Akkorden der drei anderen Streicher ein weiter Bogen an Emotionen. Heinrich Schiffs Pizzicato wurde scheinbar mühelos in den Raum gestellt, ohne große Geste, dabei stets dynamisch als Reaktion auf die Melodie der ersten Geige. Die souveräne Beherrschung des Notentextes dieser Ausnahmemusiker machte hier deutlich, dass Musik eine transzendente Kunst ist, die uns an die Grenzen unserer Existenz führen, ja darüber hinaus weisen kann. Die Interpretation war Ausdruck des Ringens und Suchens um diese Fragen, ohne dabei die Schubert eigene Poesie zu verleugnen. Viele Jahre hatte das Alban Berg Quartett quasi ständig in Hochspannung musiziert. An diesem Abend jedoch entwickelte sich die hohe Konzentration ganz natürlich in ruhiges, entspanntes Fließen. Alle Gegensätze schienen wie von selber aufgelöst.

Langanhaltender, warmer Applaus war der Dank des Publikums, das sich reich beschenkt fühlen und glücklich schätzen konnte, dabei gewesen zu sein.

Helmut Schmitz [2.7.2008]

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