Yuri Rozum: Biographie
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Yuri Rozum

*  in Moskau

Biographie Diskographie [1]

Biographie

Yuri Rozum wurde in Moskau in eine Musikerfamilie geboren. Seine Eltern - der Vater, Alexander Rozum, ein Bariton am Bolschoi Theater, die Mutter, Galina Rozhdestvenskaya, Professorin am berühmten Gnessin-Intitut - erkannten schnell das außergewöhnliche musikalische Talent sowie das absolute Gehör des Kindes. So kam Yuri Rozum bereits mit sieben Jahren an die zentrale Musikschule des Moskauer Konservatoriums. Nach erfolgreichem Abschluss als bester Schüler studierte Rozum am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium bei Lev Naumov und Yevgeni Malinin - ihrerseits Schüler und Assistenten des legendären Heinrich Neuhaus. Im Alter von 14 Jahren beginn Yuri Rozum sich für Philosophie zu interessieren. Als einen der Philosophen, die ihnm am meisten beeinflußten, nennt er den russischen Religionsphilosophen Nikolai Berdjaev, der 1922 aus Russland ausgewiesen worden war und 1947 im Pariser Exil starb. Berdjaevs Denken stelle die Freiheit des Geistes und die Liebe über das Sein. Yuri begann, in die Kirche zu gehen, lebte asketisch, las indische Philosophen und vertiefte sich in Yoga. Heimlich und um das Risiko wissend, dass er jederzeit vom Konservatorium verwiesen werden könnte, beschäftigte er sich dennoch auch mit den kritischen Werken Alexander Solzenicyns, der 1953 "auf ewig" nach Kasachstan verbannt worden war. Seine philosophischen und religiösen Studien hatten einerseits einen tiefen Einfluss auf sein musikalisches Verständnis, andererseits weitreichende Konsequenzen für seine Karriere als Konzertpianist. Seine Interessen machten die sowjetischen Behörden auf ihn aufmerksam. Sie gaben politische und religiöse Gründe an, weshalb sie Yuri Rozum, der mit 21 jahren als bester Student seines Jahrgangs am Reine Elisabeth-Klavierwettbewerb 1975 in Brüssel teilnehmen sollte, die Ausreise verweigerten.
1975
Seine philosophischen und religiösen Studien hatten einerseits einen tiefen Einfluss auf sein musikalisches Verständnis, andererseits weitreichende Konsequenzen für seine Karriere als Konzertpianist. Seine Interessen machten die sowjetischen Behörden auf ihn aufmerksam. Sie gaben politische und religiöse Gründe an, weshalb sie Yuri Rozum, der mit 21 jahren als bester Student seines Jahrgangs am Reine Elisabeth-Klavierwettbewerb 1975 in Brüssel teilnehmen sollte, die Ausreise verweigerten. Sein Freigeist, die tiefen philosophischen Ideale und seine Weltanschauung wurden als Provokation bewertet und zogen die ganze Härte des sowjetischen Regimes nach sich. Es folgte die "politische Säuberung": Youri Rozum wurde zum Militär eingezogen und zu fast zwei Jahren Schwerstarbeit in den russischen Arbeitslagern eingesetzt. Er fiel weit zurück, als die Militärzeit beendet war und musste lernen, sich durchzuschlage, die die staatliche Konzertagentur ihn über 10 Jahre boykottierte. "Der Alltag damals tötete langsam all meine Hoffnungen und Wünsche für eine Karriere als Pianist. Nur meine leidenschaftliche Liebe zur Musik, die konnten sie mir nicht wegnehmen. Ich habe gespielt, wo immer ich ein paar Tasten gefunden habe, auf kaputten Klavieren in Waisenhäusern, in Kindergärten, Krankenhäusern und in Obdachlosenheimen in Sibieren. Und ich wusste nicht, wie lange ich noch so überleben könnte. Sie hatten die Macht, mir die Karriere zu rauben, aber nicht meine Berufung", sagte Yuri Rozum in einem Interview.
1979
Auf die Jahre der Repression und des Boykotts folgte allmählich ein Umdenken. Mikhail Gorbatschow kam an die Macht. Die "Perestroika" ermöglichete Yuri Rozum Schritt für Schritt die Rückkehr zum Konzertpodium. Jedoch verhinderten die weiteren Restriktionen des sowjetischen Regimes eine ausgedehnte Konzerttägtigkeit im Ausland, weshalb nur Konzerte in Osteuropa möglich waren. Mit fast 30 Jahren genehmigte man dem Pianisten die Teilnahme an einigen internationalen Wettbewerben. Er gewann u.a. 1979 den Ersten Preis beim Internatinalen Königin Sofia Klavier-Wettbewerb in Madrid
1980
Erster Preis und Goldmedaille beim Internationalen Klavierwettbewerb in Barcelona; Goldmedaille beim Pleven International Laureate Festival.
1983
Spezial-Preis für die beste Interpretation eines japanischen Klavierstücks bei der Tokyo International Music Competion.
1984
Zweiter Preis und Silbermedaille bei der Montreal International Music Competion.
ab 1990
Mit Beginn der Neunziger jahre konnte Yuri Rozum endlich die Freiheit genießen, sich auch international eine Konzertkarriere aufzubauen und sich weit über die Grenzen Russlands hinaus einen Namen zu machen. Yuri Rozums Solokonzerte und Klavierabende werden mittlerweile in Russland auch im Fernsehen übertragen. Außer in seiner Heimat konzertiert er regelmäßig in den USA, Japan, Australien und Europa. Er spielt u.a. im Großen Saal des Moskauer Konservatoriums, im Tschaikowsky-Saal in Moskau, im Gewandhaus Leipzig, im Teatro Real in Madrid, im Palau de la Musica in Barcelona, im Bunka Kaikan in Tokio und im Teatro Colón in Buenos Aires.
2003
Im Mai 2003 wurde erstmals in der Geschichte des Regierungssitzes der Russischen Föderation - das russische "Weiße Haus" - die imposante Empfangshalle in einen Konzertsaal umgewandelt und dem Pianisten Yuri Rozum für einen Solo-Klavierabend zur Verfügung gestellt. Ein großer Traum ging für den Pianisten im Dezember 2003 in Erfüllung, als Mikhail Gorbatschow Ehrengast in einem seiner Konzerte war. "Es war immer schon mein innigster Wunsch für Mikhail Gorbatschow zu spielen und ihm auf diesem Wege ‘danke!‘ zu sagen für alles, was er für mich und für jeden einzelnen in Russland ermöglicht hat", sagte Yuri Rozum anlässlich des Konzertes.
2004
Im Jahre 2004 gibt Yuri Rozum Recitals in Moskau, Berlin, München und Stuttgart. Von Januar bis März 2004 untrnahm er eine USA-Tournee mit dem Moskauer RTV-Orchester unter der Leitung von Sergej Kondrashov (Dirigent des Bolshoi Theaters). Die Tournee wurde organisiert vom Columbia Artists Management. Dazu kommen noch Auftritte bei internationalen Festivals, wie dem "Russian Winter" Music Festival, dem "Moscow Stars" Festival, dem Rheingau Musikfestival, dem Colorado Music Festival (USA), dem Melbourne Festival (Australien) und der Portland Piano Seria (USA). Neben seiner intensiven Konzerttätigkeit hält Yuri Rozum regelmäßig Meisterkurse an vielen internationalen Universitäten in den USA - u.a. Oregon, Portland, Springfield (Connecticut) - in Australien (Melbourne) sowie an der Fischer Musikakademie in Deutschland. Einige Jahre war er Professor an der Monash University in Melbourne und Jury-Mitglied zahlreicher internationaler Klavierwettbewerbe. Trotz aller Widrigkeiten und Repressalien ist Yuri Rozum seinem Land treu geblieben. Er ist für viele seiner Landsleute ein Vorbild geworden. Als Ausdruck von Anerkennung und Wertschätzung trägt eine Moskauer Musikschule seinen Namen "Yuri Rozum Musikschule". Der Pianist lebt heute mit seiner achtjährigen Tochter in Moskau.

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