Pablo Casals: Biographie
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Pablo Casals

* 29.12.1876 in Vendrell
† 22.10.1973 in San Juan

Vor 140 Jahren ist einer der berühmtesten und größten Künstler des letzten Jahrhunderts geboren: der spanische Cellist Pablo Casals. Er wurde am 29. Dezember 1876 in El Vendrell geboren. Sein Vater, ein Organist, unterrichtete ihn bereits von früher Kinderheit an in Gesang, Klavier, Orgel und Komposition. Seine Mutter erkannte sein wahres Talent, ließ ihn mit 11 Jahren Cello erlernen und schickte ihn an das Konservatorium von Barcelona. Mit 13 Jahren entdeckte er in einer Musikalienhandlung Noten von Johann Sebastian Bach: Six Sonatas ou Suites pour Violoncelle Seul – diese Noten sollten ihn später weltberühmt machen. Isaac Albéniz empfahl den jungen Pablo an den einflussreichen Grafen Guillermo de Morphy, Privatsekretär der Königin María Cristina, in Madrid und dieser arrangierte ein Vorspielen vor der Königin, welche ihm sofort ein Stipendium zum Kompositionsstudium bei Tomás Bretón gewährte. Im Sommer 1895 sollte er zur Fortsetzung seines Studiums nach Brüssel gehen, doch die dortigen Umstände bewogen Casals, das Studium dort abzubrechen und nach Paris zu ziehen, wodurch er sein Stipendium des spanischen Hofes verlor. In Paris fand er allerdings nur eine Anstellung als Zweiter Cellist im Theaterorchester der Folies Marigny, so dass er nach Barcelona zurückkehrte und zu unterrichten begann. Er machte sich in Spanien rasch einen Namen und erhielt 1897 eine Professur für Cello am Konservatorium Barcelona. Gleichzeitig war er Erster Cellist im Orchester des Gran Teatre del Liceu. 1897 erhielt er von der Königin den Orden Carlos III. Damit war seine Karriere als Cellovirtuose gesichert. Seine Konzertauftritte wurden von Presse und Publikum gefeiert. 1901 unternahm er seine erste Konzertreise in die Vereinigten Staaten. Ein Unfall bei einem Ausflug im März 1902 hätte seine Karriere beinahe jäh beendet: Bei der Besteigung des Mount Tamalpais bei San Francisco stürzte ein Felsbrocken auf seine linke Hand und zerschmetterte sie. Zum Glück konnte die Hand wiederhergestellt werden. 1903 unternahm Casals eine Konzertreise durch Südamerika, im Jahr darauf folgte seine erste Solotournee durch die Vereinigten Staaten. Am 15. Januar 1904 spielte er vor Präsident Theodore Roosevelt und dessen Frau im Weißen Haus in Washington. Im Jahr 1905 reiste er zum ersten Mal nach Russland und lernte alle bekannten russischen Komponisten kennen. Bis 1913 unternahm er dann jedes Jahr eine Russlandreise. 1919 begann seine Karriere als Dirigent in Barcelona mit der Gründung des „Orquesta Pau Casals“, die jedoch durch den Spanischen Bürgerkrieg 1936 beendet wurde. Casals unternahm weltweite Konzertreisen als Cellovirtuose und bildete in den Jahren 1906 bis 1933 mit dem Pianisten Alfred Cortot und dem Geiger Jacques Thibaud das wohl berühmteste Trio der Musikgeschichte. Bahnbrechend war er mit seiner Interpretation der Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach, die bis dahin so gut wie unbekannt waren. Ende 1936, zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, ging Casals ins Exil nach Prades, wo er 1950 ein Kammermusikfestival gründete, das heute eines der ältesten seiner Art ist. Damals gastierten dort für mehrere Wochen so berühmte Musiker wie David Oistrach, Yehudi Menuhin, Rudolf Serkin, Wilhelm Kempff oder Mieczysław Horszowski. 1956 zog Casals nach Puerto Rico, wo er ebenfalls ein seitdem jährlich stattfindendes Festival ins Leben rief, das heute das bedeutendste Festival in Lateinamerika ist. 1958 half er bei der Gründung des Puerto Rico Symphony Orchestra und 1959 bei der Errichtung eines Konservatoriums. Casals komponierte geistliche Musik und Orchesterwerke. Seine wohl bekannteste Komposition ist das Oratorium El Pessebre (Die Krippe) von 1960. 1989 erhielt er von der National Academy of Recording Arts & Sciences postum den Grammy Lifetime Achievement Award verliehen. Noch im Alter von 93 Jahren übte Casals täglich vier bis fünf Stunden Cello. Auf die Frage „Warum?“ antwortete er einmal: „Ich habe den Eindruck, ich mache Fortschritte.“ Er starb am 22. Oktober 1973 in San Juan in Puerto Rico. Casals setzte sich zeitlebens unermüdlich für Frieden, Demokratie und Freiheit ein. Er bestand er immer darauf, Pau genannt zu werden; nicht nur, weil dies sein katalanischer Name war, sondern auch, weil das katalanische Wort „Pau“ „Frieden“ bedeutet.

Biographie Diskographie [1]

Biographie

29.12.1876
geboren in Vendrell (Spanien) als Sohn eines Organisten und Musiklehrers. Erster Musikunterricht als Vierjähriger durch den Vater. Als Elfjähriger hört Casals zum ersten Mal ein Cello und ist von dem Klang sofort fasziniert.
1891
Konzertdebüt am 23.2.1891 im Teatro Nevedaes in Barcelona. Erste Auseinandersetzung mit den Suiten für Solocello von J.S. Bach, die später zu seinem Markenzeichen werden sollten.
1897
Beginn des Musikstudiums am Konservatorium in Barcelona, und zwar Klavier und Komposition bei José Rodoreda und Cello bei José Carcia.
1893
Durch Empfehlung von Isaak Albeniz und vermittlung der spanischen Königinmutter erhält Casals ein Stipendium für das Madrider Konservatorium.
1895
Wechsel nach Brüssel, wo erste Kompostionen von Casals aufgeführt werden. Es kommt jedoch schnell zu Differenzen mit seinem Celloprofessor, Edouard Jacobs, und Casals verläßt Brüssel nach kurzer Zeit.
1896
Casals geht nach Paris, wo er am Théâtre des Folles-Marigny eine bescheidene Anstellung als zweiter Cellist erhält.
1897
Rückkehr nach Barcelona, wo er zum Nachfolger seines Lehrers am Konservatorium und zum Professor am Liceo ernannt wird.
1899
Der internationale Durchbruch kommt mit einer Aufführung des Konzerts von Edward Lalo am 20. Mai 1899 im Londoner Crystal Palace in Anwesenheit der englischen Queen Victoria. Es wird in Paris unter der Leitung von Charles Lamoureux wiederholt.
1901
Erste USA-Tournee, wobei er sich eine Handverletzung zuzieht.
1903
Casals macht erste Schallplattenaufnahmen, damals noch auf Zylinder.
1904
Zweite USA-Tournee und amerikanische Erstaufführung von Don Quichotte von Richard Strauss unter Leitung des Komponisten.
1905
Mit Alfred Cortot (Klavier) und Jacques Thibaut (Violine) gründet Casals ein Trio, das schon bald auf der ganzen Welt konzertiert. Die Künstler spielen über 30 Jahre lang zusammen.
1914-1918
Die Zeit des 1. Weltkrieges verbringt Casals überwiegend in New York.
1919
Beteiligung an der Gründung der Ecole Normale de Musique in Paris.
1930
Casals spielt die Uraufführung der Fantasie on Sussex Folk Tunes von Ralph Vaughan Williams.
1933
Ab 1933 weigert sich Casals bereits im Deutschland der Nationalsozialisten aufzutreten.
1937
Auf dem Höhepunkt seiner Kunst angekommen, nimmt Casals das Dvorák Cellokonzert und das Elgar-Konzert auf.
1939
Übersiedelung in das Pyrinäendorf Prades nahe der spanischen Grenze. Dort gibt er regelmüßig Benefizkonzerte.
1943
Beginn der Komposition des Oratoriums El pessebre (Die Krippe).
1945
Rückzug aus dem Konzertleben.
1946
Veröffentlichung eines offenen Briefs im New Chronicle mit dem Titel: "Warum Franco gehen muss", denn er ist verbittert über die Nachsicht der Westmächte dem Francoregim gegenüber.
1950
Aus Anlaß des 200. Todestages von J. S. Bach spielt Casals noch einmal die Suiten für Solocello. Viele berühmte Künstler kommen aus diesem Anlaß nach Prades, darunter Clara Haskil, Rudolf Serkin, David Oistrach und Wilhelm Kempff.
1956
Übersiedelung nach Puerto Rico, woher seine Familie mütterlicherseits stammt.
1960
Uraufführung von El passebre (Die Krippe).
1962
Casals geht mit El pessebre auf Welttournee und gibt mit seinen 86 Jahren Meisterklassen in Siena, Zermatt und Vermont.
1966
Zu seinem 90. Geburtstag nimmt Casals nochmals am Festival von Prades teil.
22.10.1973
Casals stirbt im Alter von 97 Jahren in San Juan (Puerto Rico).

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