Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Texte

Konzert von Michala Petri mit UA von Zahnhausens "Recordare"

Klassikkanal P2 des Dänischen Rundfunk ehrt Michala Petri in Aalborg

Preisträgerkonzert mit Michala Petri und UA von Markus Zahnhausens "Recordare" in Aalborg

Preisträgerkonzert mit Michala Petri und UA von Markus Zahnhausens "Recordare" in Aalborg
Foto: Tatjana Flickinger

Der bessere "Opus-Klassik" – früher"Echo-Klassik" – wird als „P2 Prisen“ vom Klassikkanal P2 des Dänischen Radios vergeben. Man wirkt dort der Häppchenkultur dadurch entgegen, dass dem „Künstler des Jahres“ ein halbes Konzertabend zur Verfügung steht. Als „Künstlerin des Jahres 2019“ wurde Michala Petri – sowohl aus Anlass ihres 50. Podiumsjubiläums als auch als Hommage zu ihrem 60. Geburstag – am 14.2.2019 ausgezeichnet. Sie nutzte die Gelegenheit, das von ihr beauftragte und bereits 2015 auf CD bei ihrem eigenen Label OUR Recordings eingespielte Konzert Recordare von Markus Zahnhausen erstmalig einem Live-Publikum vorzustellen.

Anstoß für die Komposition dieses die Sinnlosigkeit des Kriegsmordens thematisierenden Werks waren die Briefe und das Kriegstagebuch seines in Weißrussland im 2. Weltkrieg umgekommenen Großvaters. Daher auch der Untertitel „Concerto da Requiem“. Zahnhausen wagt es, der Blockflöte ein bis auf Flöten vollbesetztes Sinfonieorchester mit reich besetzter Schlagzeuggruppe – im Orchesterslang auch als „Schießbude“ bezeichnet – gegenüberzustellen. Dadurch, dass moderne Alt-, Sopranino- und selbst Tenorblockflöte auch in den hinteren Reihen durchwegs deutlich vernehmbar sind, erweist er sich als ein Meister der Instrumentation. Formell ist das Werk als Diptychon angelegt: I (Initium – Trauermarsch – Totentanz – Trauermarsch – Arioso - Totentanz wilder - Arioso) II (Initium in der Unterquarte - sphärisch-lyrischer Abgesang - verlöschende Coda). Durch Anklänge an den Beginn der 5. Sinfonie von D. Schostakowitsch entsteht in den Trauermarsch-Abschnitten eine Hommage an Russland. Die Harmonik ist frei atonal, es lassen sich jedoch bestimmte Tonzentren lokalisieren. Der weitgehende Verzicht auf „moderne“ Spieltechniken macht es dem Interpreten keinesfalls leichter, will er denn halsbrecherische Sprünge mit sauberer Intonation, heikle Griffverbindungen im Legato ohne Nebengeräusche und lange Bögen mit strömendem Klang bewältigen. Die mehrfachen Wechsel zwischen Instrumenten unterschiedlicher Größe erfordern blitzartige Anpassung von Atem und Fingern. Dass das Publikum diesem in seiner Tragik blockflötenuntypischen, höchst anspruchsvollen und nicht auf äußere Brillanz angelegtem Opus konzentriert und mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte, spricht für dessen Qualität.

Quasi zur Entspannung folgte Bachs c-moll-Doppelkonzert BWV 1060R, das nach dem Konzert für zwei Cembali für Oboe und Violine rekonstruiert wurde, in einer von Michala Petri virtuos adaptierten Fassung des Oboenparts für Altblockflöte, die durch die nötigen Hochoktavierungen zusätzliche Glanzlichter setzt. Leider mangelte es dem Duopartner an stilistischer Kompetenz, wobei besonders die vibrierten Auftakte für ein Naserümpfen der Kenner sorgten. Die Zugabe einer Auswahl der virtuosesten Variationen J.J. van-Eycks über Wat zal man op den Abend doen unterstrich noch einmal die weltweit einzigartige Beherrschung der Blockflöte durch die Laureatin. Stehende Ovationen des Publikums.

Thomas Baack [20.2.2019]

⇑ nach oben

Impressum Kontakt AGBs Datenschutz Haftungsausschluss Mediadaten Sitemap

© Klassik Heute GbR

jpc