Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Nationaltheater Mannheim

Opernhäuser insgesamt: 117

 

Theatergeschichte ↓ zur Geschichte des Opernhauses

Anschrift:
Deutschland
Am Goetheplatz
D 68161 Mannheim
Baden-Württemberg
Tel.:0621 - 1680 -150
Fax:0621 - 1680 -258
eMail → nationaltheater.kasse@mannheim.de
Homepage: → www.mannheimer-mozartsommer.de
Ticketinfo:
Spielstätten: Bürgersaal
Capitol
Casino im Werkhaus
Florian-Waldeck-Saal
Musensaal
Nationaltheater Mannheim
Nationaltheater Mannheim, Studio
Rittersaal
Rosengarten, Mozartsaal
Schauspielhaus
Schnawwl
Studio im Werkhaus

Geschichte

Die Operngeschichte begann in Mannheim am 18. Januar 1742, als die Hofkapelle mit der Oper Meride des kurpfälzischen Kapellmeisters Carlo Grua die im Stil des italienischen Hochbarock erbaute Hofoper einweihte. Das heute nicht mehr erhaltene Opernhaus war dem Westflügel des noch unvollendeten Schlosses angegliedert. Der Besuch der Vorstellungen blieb allerdings den Hofkreisen vorbehalten. Die Mannheimer Bevölkerung mußte mit den fahrenden Komödiantengruppen vorlieb nehmen, die auf hölzernen Behelfsbühnen, etwa auf dem Marktplatz, aber auch in den Räumen des Rentamts im Kaufhaus am Paradeplatz spielten. Aus Angst vor einem etwaigen Brand, der auf das ebenfalls dort gelegene Lehensarchiv sowie die Regierungsregistratur hätte übergreifen können, beschloß man den Bau einer stationären Bühne auf dem Marktplatz. Kurfürst Carl Theodor überließ das sogenannte Schütthaus, was nichts anderes war, als der kurfürstliche Frucht- bzw. Kornspeicher, der allerdings auch das Zeughaus und das gesamte städtische Waffenarsenal beherbergte, zum Umbau in ein Redouten- und Komödienhaus. Mit den Umbauten wurde Baumeister Lorenzo Quaglio beauftragt. Die schlichte Längsfassade des Schütthauses untergliederte er durch Flügelanbauten, die durch Höfe miteinander verbunden wurden. Bereits Anfang 1777 konnte das Theater bespielt werden. Insgesamt 160.000 Gulden hatte der Umbau verschlungen und dennoch wies das Theater erhebliche Mängel auf. Vor allem aufgrund der nicht voll funktionsfähigen Heizungs- und Belüftungsanlage mußten oftmals im Winter Vorstellungen abgesagt werden.

Zu Zeiten Carl Theodors galt die deutsche Sprache als unsanglich, und so wurde in der Oper selbstverständlich italienisch gesungen. Dennoch verwendete sich Carl Theodor nachdrücklich für die deutsche Oper. In seinem Auftrag entstand die Oper Günther von Schwarzburg von Ignaz Jakob Holzbauer nach einem Text von Anton Klein, die 1775 in der Hofoper uraufgeführt wurde. Damit fand die von Johann Stamitz und Christian Cannabich mitgetragene Tradition des Nationalen in der Literatur und im Theater in Mannheim eine Fortsetzung.

Im Jahr 1777 übernahm Theobald Marchand mit seiner Truppe die Leitung des Mannheimer Theaters. Schon ein Jahr später verlegte Carl Theodor den Hof nach München, das Marchandsche Ensemble folgte ihm in die neue Residenz. Vom 1. September 1778 an übernahm Wolfgang Heribert Freiherr von Dalberg die Leitung der Bühne in Mannheim. Für die etwa eineinhalb Jahrzehnte des Wirkens von Dalberg bürgerte sich der Begriff „Dalbergbühne“ in Mannheim ein, dies vor allem wegen der Verdienste, die sich der Theaterleiter im Laufe seiner Amtszeit in Mannheim erwarb. Nach dem Weggang der Marchandschen Schauspieltruppe bespielte bis 1779 das Seylersche Ensemble das neue Haus. Die neue Truppe spielte erstmals am 7. Oktober 1779 das Lustspiel Geschwind ehe es jemand erfährt, eine ins Deutsche übertragene Komödie von Carlo Goldoni. Dalberg kommt darüber hinaus das Verdienst zu, Friedrich Schillers Erstlingsdrama Die Räuber in Mannheim uraufgeführt zu haben. Beim Beschuß durch die Franzosen ging 1794 das nach dem Weggang des Hofes ohnehin überflüssig gewordene Schloßtheater in Flammen auf.

Die Mannheimer Schule

Die am Hof des Kurfürsten Karl Theodor wirkende Musiker- und Komponistengruppe hatte wesentlichen Anteil an der Ausbildung des Instrumentalstils der Wiener Klassik. Zu nennen wären in diesem Zusammenhang Johann, Carl und Anton Stamitz, Holzbauer, Richter, Filtz, Toeschi, Cannabich und Danzi. Die Mannheimer Schule wandte sich zugunsten einer melodieführenden Stimme vom Generalbaßstil ab. Der melodisch- harmonische Verlauf wurde in symmetrische Gruppen zu zwei, vier oder acht Takten zusammengefaßt. Der Mannheimer Schule kommt auch das Verdienst zu, den Themendualismus etabliert und damit einen wesentlichen Beitrag zur Ausprägung der Sonatenhauptsatzform geleistet zu haben. Neu in der Behandlung des Orchesters war die selbständige Führung der Bläser sowie dynamisch kontrastierende Übergänge. Berühmt wurde das Mannheimer Crescendo, die sog. Mannheimer Rakete.

Kommunalisierung

Den langjährigen Intendanten Dalberg löste dessen Schwiegersohn Friederich Anton Freiherr von Venningen ab. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Staat über Finanzierung und Leitung des Theaters. Ein Ministerialerlaß vom 16. April 1839 übergab schließlich die Verantwortung für das Theater vollkommen der Stadt. Dieses Datum gilt heute als Zeitpunkt der Kommunalisierung des Mannheimer Theaters. Der Staat behielt sich jedoch die Oberhoheit über das Haus vor, was in dem weiterhin geführten Namen Großherzogliches Hof- und Nationaltheater zum Ausdruck kommt. Als Ausdruck der bürgerlichen Selbstverwaltung ging die Funktion des Intendanten auf ein ehrenamtliches, dreiköpfiges städtisches Theaterkomitee über. Ein Theaterfachmann fehlte. Bedeutende Künstler, wie etwa der Hoftheatermaschinist und -maler Joseph Mühldorfer (1832-1863) und der Hofkapellmeister Vincenz Lachner rückten vor allem die Oper in das Zentrum des Spielplans. Im musikalischen Bereich führte Lachner das Haus von 1836 bis 1872.

Von 1853-55 wurde das Theater grundlegend saniert, ohne daß der Theaterbetrieb völlig unterbrochen werden mußte. Joseph Mühldorfer wurde mit der Planung beauftragt. Unter Überbauung der beiden Höfe rückte er die Fassade des Theaters vor, Bühne und Zuschauerraum bekamen eine andere Lage und der Bau wurde um ein Stockwerk erhöht.

Im Jahre 1890 leitete dann wieder ein Intendant die Geschicke des Mannheimer Theaters, obgleich das Theaterkomitee weiterbestand: Carl Freiherr von Stengel. Er wurde 1892 von Alois Prasch abgelöst.

Das Nationaltheater

Sturz der Monarchie und demokratischer Aufbruch nach Ende des Ersten Weltkriegs dokumentieren sich auch in der Benennung des Theaters: Aus dem Großherzoglichen Hof- und Nationaltheater wurde ein Nationaltheater. Die neue Zeit, das neue Selbstbewußtsein der Arbeiterklasse fand ihren Niederschlag in den 1922 gegründeten Theatergemeinden Freie Volksbühne und Bühnenvolksbund. Sie boten preisgünstige Theatervorstellungen für „große Volksmassen“. Obwohl sich das Mannheimer Nationaltheater auf diese Weise neue Zuschauerschichten erschloß – dennoch blieb eine „klare soziale Schichtung“ der Abonnenten ein ungeschriebenes, kaum durchbrochenes Gesetz – stand das Haus ausgerechnet im Jubiläumsjahr 1929 vor der Schließung.

Waren zeitgenössische Opern vor 1933 fester Bestandteil des Spielplans, so kamen sie nach der nationalsozialistischen Machtergreifung kaum mehr zum Zug. Am Dirigentenpult stand ab 1936 Karl Elmendorff. Zur Spielzeiteröffnung, am Sonntag den 5. September 1943 spielte man Carl Maria von Webers Freischütz, noch vor Mitternacht fielen weite Teile der Stadt und auch das Theatergebäude bei einem schweren Luftangriff den Bomben der Royal Air Force zum Opfer. In der Folge spielte man an verschiedenen Stätten, u.a. im Pfalzbau Ludwigshafen, im Ufa-Palast, im Lichtspielhaus Schauburg, aber auch im Schwetzinger Rokokotheater. Am 1. September 1944 kam es schließlich zur reichsweiten Einstellung des Theaterbetriebs.

Bereits im Jahr 1945 erlaubte allerdings die amerikanische Besatzungsmacht die Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Als Intendant wurde Carl Onno Eisenbart – eigentlich gelernter Journalist – eingesetzt. Erste Konzerte und konzertante Aufführungen fanden, wie schon 1943/44 u.a. in der Christuskirche und im Ufa-Palast statt. Noch im selben Jahr mietete die Stadt das Lichtspielhaus Schauburg an und richtete es für Theaterzwecke ein. Am 11. November 1945 ging die erste Vorstellung über die Bühne der Schauburg: Hugo von Hofmannsthals Jedermann. Carl Onno Eisenbart folgten eine ganze Reihe Intendanten nach. Erst mit dem Amtsantritt von Dr. Hans Schüler 1951 kehrte produktive Ruhe und Kontinuität in der Theaterleitung ein. Schüler erwies sich als ein entschiedener Verfechter des Ensemblegedankens und setzte sich nachhaltig für einen Theaterneubau ein. Seine Amtszeit dauerte bis 1963.

Das neue Haus

Pünktlich zu den 175-Jahrfeiern des Nationaltheaters Mannheim wurde am 18. Juni 1954 der Grundstein zu einem neuen Haus gelegt. Weniger als drei Jahre später konte der moderne, in nüchtern-funktionalem Stil gehaltene Neubau auf dem Goetheplatz eröffnet werden. Die Pläne, die unter der Bevölkerung nicht nur Zustimmung fanden und die für teilweise heftigen Diskussionsstoff sorgten, stammten von Prof. Gerhard Weber aus Frankfurt. Öffentliche Gelder und Spenden bildeten den Grundstock für den Neubau. Doch auch die Mannheimer wurden aktiv, um ihren Theaterneubau mitzufinanzieren: Mit mehreren Tombolen kam ein hoher sechsstelliger Betrag zustande. 1957 – exakt 175 Jahre nach der Uraufführung von Schillers Räuber in Mannheim – fanden auf beiden Bühnen des neuen Hauses die Eröffnungsvorstellungen statt: Im bis zu 800 Zuschauer fassenden Kleinen Haus waren Die Räuber in einer Inszenierung von Erwin Piscator zu sehen. Auf der 25 Meter breiten Bühne des 1200 Zuschauer fassenden Großen Hauses wurde Der Freischütz von Carl Maria von Weber gegeben, mit dem die Geschichte des alten Nationaltheaters im Jahr 1943 geendet hatte. In der Spielzeit 1970/71 löste Hans Wallat als Generalmusikdirektor Horst Stein ab, der eine internationale Karriere begann. Immer wieder ereilte auch Künstler des Mannheimer Ensembles der Ruf aus Bayreuth zum Festspieldienst am Grünen Hügel. Im angegliederten Kinder- und Jugendtheater Schnawwl soll seit 1979 das Publikum der Zukunft an das Theater herangeführt werden. 157 Jahre nach der Kommunalisierung des Mannheimer Theaters wurde das Jugendtheater zum 1. September 1996 aus der Stadtverwaltung ausgegliedert und fortan als sogenannter Eigenbetrieb stärker nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben geführt.

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc