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Ulmer Theater

Opernhäuser insgesamt: 117

 

Theatergeschichte ↓ zur Geschichte des Opernhauses

Anschrift:
Deutschland
Olgastraße 73
D 89073 Ulm
Bayern
Tel.:0731 / 161-4444
Fax:
eMail → ulmertheater@ulm.de
Homepage: → www.theater.ulm.de
Ticketinfo:Telefonischer Kartenverkauf:
Dienstag bis Freitag von 10.00-13.00 Uhr und 17.00-19.00 Uhr
Samstag 10.00-13.00 Uhr
Spielstätten: Congress Centrum
Ulmer Theater
Wilhelmsburg

Geschichte

Ulm gilt als die erste Stadt Deutschlands, die sich ein Theater als feste Institution leistete. Der Architekt Jospeh Furttenbach ließ 1640 im Waisenhaus und 1641 dann im Binderhof (in einem südlich an die Dreifaltigkeitskirche anschließenden Gebäude, wahrscheinlich heute Adlerbastei 3) ein Theater einbauen, wie er es in Florenz kennengelernt hatte. Bis dahin oblag im 16. und 17. Jahrhundert den Meistersingern die Aufführung von Theaterstücken. Dazu kamen Aufführungen von Wandertruppen, ab 1594 besonders von englischen Komödianten. Von ihnen lernten die Ulmer 1603 in einer der ersten deutschen Aufführungen Shakespeares Romeo und Julia sowie 1651 Faust in der Fassung von Christopher Marlowe kennen.

Die Besonderheit der 1641 von Joseph Furttenbach eingerichteten „Szena di comedia alla Italiana“ waren sogenannte „Telaren“, stehende, um eine senkrechte Achse drehbare Prismen, deren Seitenflächen bemalt waren. Durch Drehung konnte man in Sekundenschnelle das Bühnenbild verändern. Mit Hilfe weiterer technischer Effekte, zu denen auch die genaue Beachtung der Perspektive zählte, wurden die Zuschauer in eine bis dahin nicht gekannte Illusion versetzt. Etwa 750 Plätze standen zur Verfügung. 1650 wurde die Stadt, der das Gebäude bereits gehörte, auch Eigentümer der zuvor privat finanzierten Einrichtung.

Im 18. Jahrhundert beherrschten wechselnde Wandertruppen das Theater. Es wurden meist Lust- und Trauerspiele geboten, in geringerer Zahl Opern und Ballette. 1702 wurde das Theater in eine Kaserne umgewandelt, was dem institutionalisierten Theaterleben Ulms ein vorläufiges Ende bescherte. Von Theateraufführungen wurde aber keineswegs Abstand genommen: man spielte an unterschiedlichen Spielorten weiter. 1712 richtete der Rat der Stadt im städtischen Wagenhaus, einer Kutschenremise (an der Stelle der heutigen Theatergasse 8), ein neues Theater, damals Komödienhaus genannt, ein. 1781 wurde es kostspielig umgebaut und völlig neu ausgestattet. Mit rund 1000 Plätzen galt es als das modernste und aufwendigste Stadttheater in Deutschland.

Auch im 19. Jahrhundert bestritten zunächst Wandergesellschaften den Spielplan, bis es 1834 der Stadt gelang, eine Direktion durch die Gewährung finanzieller Hilfen für mehrere Jahre an Ulm zu binden. Erst 1928 erhielt der nun Intendant genannte Direktor ein festes Vertragsverhältnis.

Das Theatergebäude blieb nach dem Übergang der Reichsstadt an Bayern 1802 und an Württemberg 1810 in städtischem Besitz. Es erfuhr mehrere Umbauten und Erweiterungen, zuletzt 1923/24 und wurde, nachdem mehrere Neuplanungen nicht realisiert werden konnten, bis zur Zerstörung durch den Luftangriff auf Ulm am 17. Dezember 1944 bespielt.

Die Wiedereröffnung eines provisorischen Theaterraumes mit 460 Plätzen in der Turnhalle der Wagner-Schule unter der Regie einer Künstlergemeinschaft erfolgte im Herbst 1945. Im November 1946 übernahm die Stadt Ulm wieder die Verwaltung, 1950 auch die volle finanzielle Trägerschaft. 1958 entschied sich der Stadtrat für einen Neubau. Nach dem Abschluß des Wettbewerbs beauftragte er den Architekten Fritz Schäfer mit der Durchführung der Pläne für ein Haus mit 800 Plätzen (für damals etwa 93.000 Einwohner), das dann am 3. Oktober 1969 eröffnet wurde. Es ist ein Sechseck-Bau, der schon durch sein unverkennbares Äußere sofort zu orten ist und der dadurch auch in die Architekturgeschichte der 60er Jahre einging. Das Große Haus faßt 815 Sitzplätze vor der Hauptbühne; der zweite Spielort, das Podium im Untergeschoß des Gebäudes, bietet je nach Inszenierung bis zu 200 Zuschauern Platz.

Gloriose Vergangenheit

Hinsichtlich der künstlerischen Qualität übertraf das Ulmer Theater von jeher bei weitem die Erwartungen, die an ein Stadttheater zu stellen waren. Ulm scheint ein guter Nährboden für große Karrieren zu sein. So begann kein Geringerer als Herbert von Karajan seine Laufbahn in Ulm. Von 1928 bis 1934 war er hier zunächst Chorleiter, dann Dirigent. Das Attribut, Provinz zu sein, legte das Ulmer Theater dann spätestens während der Intendanz von Kurt Hübner (1959-1962) ab. Allein in diesem Zeitabschnitt wirkten an der Ulmer Bühne Peter Zadek, Peter Palitzsch, Johannes Schaaf, Wilfried Minks, Jürgen Rose und Karl-Ernst Hermann. In den 70er Jahren inszenierten so bekannte Regisseure wie John Dew, Giancarlo del Monaco, Peter Mussbach oder Peter Konwitschny in Ulm.

Erfolgreiche Gegenwart

Keinen Grund, der Vergangenheit nachzutrauern, hat das Publikum des Ulmer Theaters, wirkt doch mit Ansgar Haag ein Intendant am Ulmer Haus, der seine Kompetenz als Regisseur und Kenner des Metiers schon mehrmals unter Beweis gestellt hat. Ein homogenes Ensemble, ein hochkarätiges Orchester und nicht zuletzt ein interessanter Spielplan überflügeln an künstlerischer Potenz so manches, weitaus höher subventionierte Haus – nicht nur in Bayern. Als sichtbares, auch weit über die Grenzen Ulms und Bayerns hinaus strahlendes Zeichen der Wertschätzung von Ansgar Haags Arbeit wurde dem Ulmer Theater für die Inszenierung von Janáceks Jenufa in der Sparte Oper – zusammen mit der Hamburgischen Staatsoper – der Bayerische Theaterpreis 1998 verliehen. Die musikalische Leitung hatte der inzwischen von Daniel Barenboim an die Deutsche Staatsoper Unter den Linden in Berlin verpflichtete Schweizer Dirigent Philippe Jordan, die Rolle der Jenufa spielte Angela Denoke, die von 1991 bis 1996 Ensemblemitglied in Ulm war.

In der dritten Spielzeit des Intendanten Ansgar Haag erreichte man den höchsten Besucherstand seit Bestehen des Ulmer Theaters. Das Haus ist darüber hinaus das Theater mit der höchsten Eigenwirtschaftlichkeit aller deutschen Dreisparten-Theater (derzeit 21%). Damit belegt das Ulmer Theater beeindruckend, daß nicht zwingend ein Widerspruch bestehen muß zwischen dem Anspruch, Identifikationspunkt einer Region zu sein und einer überregionalen kulturpolitischen Bedeutung.

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