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Neuköllner Oper Berlin

Opernhäuser insgesamt: 117

 

Theatergeschichte ↓ zur Geschichte des Opernhauses

Anschrift:
Deutschland
Karl-Marx-Straße 131-133
D 12043 Berlin
Berlin
Tel.:030/68 89 07 77
Fax:
eMail → tickets@neukoellneroper.de
Homepage: → www.neukoellneroper.de
Ticketinfo:
Spielstätten:

Geschichte

Die Geburtsstunde der Neuköllner Oper schlug 1972, als Winfried Radeke mit Laien und Profis zusammen Igor Strawinskys Geschichte vom Soldaten einstudierte. „Neue Möglichkeiten kultureller Gemeindearbeit“ wollte der umtriebige Kantor einer Neuköllner Kirche ausloten und brachte damit einen Stein ins Rollen, der wiederum eine ganze Lawine auslöste. Trotz aller während der letzten Jahrzehnte mehr oder weniger aus der Natur der Sache heraus notwendig gewordenen Umstrukturierungen, haben der Gründer und künstlerische Leiter der Neuköllner Oper, Winfried Radeke und sein Team, ein Ziel nie aus den Augen verloren: „mit künstlerischen Mitteln (der Formen, der Inhalte) soziale Solidarität zu üben“ (Dietrich Steinbeck). Etwa 3000,- DM erhielt die Neuköllner Oper an Zuwendungen für ihre ersten Produktionen. Als auch diese wegfielen entschloß man sich, auf eigenes Risiko weiterzumachen. Und es gelang mit Spiellaune, Phantasie und Begeisterungsfähigkeit, die anstehenden Probleme zu lösen.

Diese begannen bereits bei der Frage nach geeigneten Proben- und Aufführungsräumlichkeiten, konnte man als freie Gruppe doch auf kein festes Haus zurückgreifen. Und so gab es in der Zeit zwischen 1977 und 1987, auch abhängig von den projektbezogenen Zuschüssen des Kultursenats, etwa alle zwei Jahre eine Premiere. 20-40 Aufführungen eines Stückes wurden auf den Zeitraum von zwei Jahren verteilt, meist zu Blöcken von etwa 16 Aufführungen an den Wochenenden zusammengefaßt, was nicht zuletzt auch durch die Struktur des jeweiligen Ensembles bedingt war: Studenten und Absolventen der Musikhochschule, noch nicht engagierte Musiker oder Darsteller, aber auch zum großen Teil „Feierabendkünstler“ mit einem kunstfreien Beruf verstanden sich als die Neuköllner Oper. Nicht zuletzt aber waren es auch jene Laien, denen Musiktheater nicht zum Broterwerb diente, die letztendlich das Überleben dieser Institution garantierten. Noch heute hängt der Neuköllner Oper das Vorurteil des „gut gemeinten Laientheaters“ an, was nichts ehrenrühriges bedeutet, aber auch der Professionalität und den erbrachten künstlerischen Leistungen dieser Oper nicht gerecht wird, wie die Neuköllner Oper mit beinahe jeder Neuinszenierung beweist.

Nach langem Ringen war es 1988 schließlich so weit: die Neuköllner Oper bezog in der Neuköllner Passage an der Karl-Marx-Straße ihr neues Domizil. Die feste Spielstätte brachte natürlich eine Menge Neuerungen und Umstrukturierungen mit sich: Plötzlich waren nicht mehr nur 20 sondern 120 Aufführungen pro Jahr angesetzt und pro Jahr wurden drei Neuproduktionen angestrebt. Diese Entwicklung trieb aufgrund des enormen zeitlichen Aufwandes natürlich die „nebenamtlichen“ Künstler rasch aus dem Ensemble heraus. Bei der Eröffnung des Hauses, am 2. September 1988 mit Amphitryon war allerdings noch ein „Zwitterensemble“ auf der Bühne zu sehen: Profis für alle Solo-Partien sowie fürs Orchester, für den Chor der Frauen und Soldaten galt noch das alte „nebenamtliche“ Modell. Bereits in der ersten Spielzeit demonstrierte man Vielfalt mit Amphitryon, einer nach einem UFA-Film neu eingerichteten Operette aus dem Jahr 1935, Strawinskys Geschichte vom Soldaten, Puppchen – Schlagerparade 1913, einem Abstecher in die Kleinkunst sowie In Taberna, einem mittelalterlichen Spaß mit Schenkenatmosphäre. 1993 wurde dann das lang ersehnte Dreier-Direktorium, mit einem Geschäfts- und Produktionsleiter, einem künstlerischen Leiter und einem Dramaturgen, installiert. Alle zwei Jahre, so das Anfang der 90er Jahre anvisierte Ziel, will man eine große Oper herausbringen, die man aber aufgrund der hohen Produktionskosten höchstens zehnmal anbieten kann. Das einkalkulierte Defizit müssen kleinere Produktionen ausgleichen. Die Neuköllner Oper unterhält kein festes Ensemble, jährlich verdienen bis zu 300 Künstler zeitweilig hier ihren Lebensunterhalt, damit ist die Neuköllner Oper in der Berliner Theaterlandschaft einer der größten Arbeitgeber für freischaffende Sänger und Darsteller.

Die durchschnittliche Auslastung der Neuköllner Oper lag im ersten Halbjahr 2000 bei 80%. Vor allem die neu eingerichtete Studiobühne, die Oper in der Garderobe, und ein fast durchgespielter Sommer konnten die Zahl der Vorstellungen im Vergleich zu 1995 verdoppeln und ließen die Zuschauerzahl von 12.000 auf fast 28.000 steigen. Das Publikum kommt zu 9% aus Neukölln, zu über 42% aus den westlichen Stadtbezirken, zu 5,5% von außerhalb Berlins. Das Programm der Studiobühne erreicht insbesondere ein jüngeres Publikum zwischen 18 und 39 Jahren, die Produktionen des großen Saales vorwiegend ein Publikum zwischen 30 und 64 Jahren. Die Programmschiene „Oper für Kurze“ sorgt vormittags dafür, daß gerade auch die Neuköllner Schulklassen den Weg in die Oper finden.

Die Neuköllner Oper ist derzeit wohl das produktivste Musiktheater Berlins mit 8-10 Neuproduktionen pro Spielzeit, davon sind mehr als die Hälfte Uraufführungen. Sie präsentiert dabei ein künstlerisches Spektrum, das vom experimentellen musikalischen Kammerstück bis zur großen Oper, von der klassischen Moderne über Mittelalterspektakel bis zu Operette und Musical reicht. Dabei ist die Neuköllner Oper um ein scharf umrissenes künstlerisches Profil bemüht, das sich aus dem übergeordneten Anspruch ergibt, Oper für alle, eben Volksoper zu machen.

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